"Koh-Lanta" Todesfälle überschatten französische TV-Show

Nach zwei Todesfällen steht die französische Fernsehshow "Koh-Lanta" vor dem Aus. Bereits Ende März starb ein Kandidat bei den Dreharbeiten - jetzt nahm sich auch noch der Teamarzt das Leben. In einem Abschiedsbrief erhebt er schwere Vorwürfe gegen die Medien.

Strand auf Koh Rong in Kambodscha: Anschuldigungen gegen den Teamarzt
Corbis

Strand auf Koh Rong in Kambodscha: Anschuldigungen gegen den Teamarzt


Paris - "Koh-Lanta" - dieser Name stand in Frankreich bislang für Traumstrände, sattgrünen Dschungel und eine der erfolgreichsten Reality-Shows. Doch nun droht der Sendung das Aus. Bereits vor anderthalb Wochen starb bei Dreharbeiten zur 16. Staffel ein Kandidat unter rätselhaften Umständen. Jetzt nahm sich der Teammediziner das Leben. Gegen ihn waren anonym Vorwürfe erhoben worden.

Was genau zur der Unglücksserie führte, ist bisher unklar. Nach Angaben von Kandidaten brach der erst 25 Jahre alte Gérald Babin am ersten Drehtag auf der kambodschanischen Insel Koh Rong beim Tauziehen zusammen. Wenig später teilten die Verantwortlichen mit, der junge Mann sei einem Herzstillstand erlegen. Babin habe während des Wettkampfs Anzeichen von Krämpfen gezeigt, sagte ein Mitspieler der Tageszeitung "Le Parisien". Er habe an einen Hitzeschlag geglaubt und sich keine Sorgen gemacht.

Hat allzu große Lässigkeit den jungen Mann das Leben gekostet? Diese Frage beschäftigte seither viele französische Boulevardmedien. Sie zitierten anonym Zeugen, die dem Produktionsteam und Teammediziner Thierry Costa vorwarfen, viel zu langsam eingeschritten zu sein. Die Rede war sogar von Anweisungen, dem jungen Mann erst einmal nicht zu helfen. Die Produktionsfirma wies die Vorwürfe bislang kategorisch zurück und verwies auf laufende Vorermittlungen der Staatsanwaltschaft. Das Filmmaterial werde zeigen, dass alle Sicherheitsregeln eingehalten wurden, heißt es.

Abschiedsbrief am Drehort

Der Mediziner hielt es offenbar aber nicht für möglich, seinen guten Ruf wiederherzustellen. "Mein Name ist in den Medien in den Dreck gezogen worden", schrieb der 38-Jährige in einem Abschiedsbrief am Drehort in Kambodscha. "Unwahre Anschuldigungen und Annahmen wurden gegen mich vorgebracht." Er sei sicher, dass er sich nichts vorzuwerfen habe, wolle aber mit der zerstörten Reputation nicht leben.

TF1, der größte französische Privatsender, drückte in einer Mitteilung Costas Familie sein Beileid aus. Die Produktionsfirma Adventure Line Productions ließ wissen, man sei "konsterniert" über den Suizid des Arztes. "Dieses tragische Ereignis muss die Urheber der Anschuldigungen dazu bringen, Verantwortung für ihre Kommentare zu übernehmen", hieß es.

Für TF1 war die in Tropenparadiesen aufgezeichnete Abenteuersendung jahrelang ein sicherer Quotenbringer. Rund 7,4 Millionen Menschen sahen im Schnitt zu, wie bei der Variante des weltweit populären TV-Formats "Survivor" gut aussehende Menschen an einsamen Orten um ein Preisgeld in Höhe von 100.000 Euro kämpfen. Ob TF1 je eine neue "Koh-Lanta"-Staffel drehen wird, gilt als unklar. Zuerst sollen die Ermittlungen abgeschlossen werden.

rls/dpa



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