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Todesstrafe: Iran inszeniert Hinrichtung Jugendlicher als Spektakel

Von Jens Todt

Im iranischen Mashad sind zwei Jugendliche wegen Raubes, Alkoholkonsums und homosexueller Übergriffe vor einer großen Zuschauermenge gehängt worden. Amnesty International klagt die barbarische Praxis an.

 Hinrichtung in Mashad: Weitere 30 Jugendliche warten auf ihre Exekution
AFP/ ISNA

Hinrichtung in Mashad: Weitere 30 Jugendliche warten auf ihre Exekution

Berlin - Die beiden Angeklagten sollen einem Reporter der studentischen iranischen Nachrichtenagentur ISNA zufolge kurz vor der Hinrichtung beteuert haben, dass sie ihr Vergehen über ein Jahr nach der Tat bereuten und einsichtig seien. Einer der Angeklagten habe zwar gewusst, dass homosexuelle Handlungen strafbar seien, allerdings nicht, dass sie mit dem Tode bestraft würden.

Ayaz Marhoni, 18, und Mahmoud Asgari, 16, wurde Raub, Alkoholkonsum und ein sexueller Übergriff auf einen Dreizehnjährigen vorgeworfen. Vor ihrer Hinrichtung am vergangenen Dienstag waren sie bereits vierzehn Monate lang in Haft. Dem Bericht zufolge haben die Delinquenten vor der Exekution auf einer Straßenkreuzung in Mashad nahe der Grenze zu Turkmenistan vor einer johlenden Menge 228 Peitschenhiebe über sich ergehen lassen müssen. Die anschließende Hinrichtung fand ebenfalls unter den Augen vieler Zuschauer statt.

Razaz Zadeh, Asgaris Anwalt, hatte Berufung gegen das Urteil aus der ersten Instanz eingelegt, da sein Mandant noch minderjährig sei - das Oberste Gericht in Teheran hatte das Todesurteil jedoch bestätigt. Im Iran sind männliche Straftäter im Alter von 15 Jahren voll strafmündig, Mädchen sogar schon ab neun Jahren.

Wenige Tage vor der Hinrichtung in Mashad war ein weiterer Mann gehängt worden, der zur Tatzeit noch minderjährig war. Der 20-jährige Ali Safarpour wurde in Poldokhtar exekutiert, weil er im Alter von 16 Jahren einen Polizisten getötet haben soll. Nach Angaben von Amnesty sind allein in diesem Jahr 42 Hinrichtungen im Iran dokumentiert, die wahre Zahl könnte allerdings noch deutlich höher sein, so die Menschenrechtsorganisation. Mindestens vier der Exekutierten waren zur Tatzeit noch minderjährig.

"Wir fordern seit Jahren vom iranischen Parlament und vom Wächterrat, Todesstrafen für Minderjährige abzuschaffen", so Ruth Jüttner von Amnesty International. Nach Informationen von Amnesty warten in Irans Gefängnissen derzeit weitere 30 Jugendliche auf ihre Hinrichtung.

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