Tödliche Silvester-Unfälle: Böller-Bastler stirbt an schweren Kopfverletzungen

Feuerwehr und Polizei waren im Dauereinsatz: In der Silvesternacht kam es bundesweit zu Bränden und schweren Unfällen. In Bayern tötete sich ein Mann versehentlich mit einem selbstgebastelten Sprengsatz. In den Niederlanden starb ein Teenager durch illegales Feuerwerk.

Schock zu Neujahr: Böller, Brände, Tote Fotos
DPA

Hamburg - Brände, Unfälle und Gewalt haben die Feiern zum Neujahrsbeginn überschattet. Mehrere Menschen starben bei Wohnungsbränden oder beim leichtsinnigen Umgang mit Feuerwerk, wie Polizeidienststellen und Feuerwehren am Samstag mitteilten. Viele Menschen erlitten zudem teils schwere Verletzungen. Insgesamt sei die Silvesternacht aber in den meisten Regionen nicht dramatischer abgelaufen als in den vergangenen Jahren.

Im oberbayerischen Gaißach explodierte einem Mann ein selbstgebastelter Sprengsatz im Gesicht. Wie die Polizei mitteilte, zündete der Böller-Bastler das Schwarzpulvergemisch wenige Minuten nach Mitternacht. Weil ein Teil des Sprengsatzes nicht gleich detonierte, wollte der Mann nachsehen. Er starb noch am Unglücksort an seinen schweren Kopfverletzungen.

In Hamburg wurde einem 20-Jährigen ein Finger abgerissen. Hart traf es auch eine 27-Jährige: Aus Unachtsamkeit explodierte eine Rakete direkt neben ihrem Kopf. Sie erlitt Verbrennungen im Gesicht und ein Knalltrauma. Ein 26-Jähriger verletzte sich beim Zünden eines Böllers schwer an der rechten Hand. Ein Mann in München zerfetzte sich die Hand, als er einen Silvester-Knaller zu spät losließ.

Bei Wohnungsbränden starben mindestens drei Menschen. In Bayern kamen zwei Frauen ums Leben. Nach einem Schwelbrand in Großostheim (Landkreis Aschaffenburg) wurde eine tote Frau gefunden.

In Kiel musste der Kampfmittelräumdienst ausrücken, um selbstgebastelte Sprengsätze sicherzustellen. Nachdem sich ein 31-Jähriger am Morgen bei einer Explosion schwer verletzt hatte, entdecken Ermittler des Landeskriminalamtes weitere Sprengsätze bei ihm zu Hause. Daraufhin wurden umliegende Häuser geräumt. Rund 60 Menschen mussten für fünf Stunden ihre Wohnungen verlassen. Einige Fundstücke sprengten die Einsatzkräfte gleich im Hinterhof, andere nahmen sie zur späteren Entschärfung mit. Drei Stunden vor Mitternacht konnten die Anwohner zurück in ihre Wohnungen.

Verlorene Finger, gewaltsame Übergriffe

Mehrere Finger hat ein junger Mann in Völklingen bei Saarbrücken durch einen Silvesterkracher verloren. Der 19-Jährige habe den Böller in der Hand gehalten und nach dem Anzünden zu spät weggeworfen, teilte die Polizei. Ein neben ihm stehender 18-Jähriger wurde an der Schulter verletzt.

Im Saarland wurde die Feuerwehr durch zahlreiche Einsätze zum Jahreswechsel in Atem gehalten. In Saarlouis-Roden brannte das Dachgeschoss eines Wohnhauses. Verletzt wurde niemand. Auch in Rheinland-Pfalz gab es mehr Einsätze für die Feuerwehr. Es blieb bei zumeist kleineren Bränden.

Immer wieder gab es auch gewaltsame Übergriffe. Die Polizei musste wegen Hunderter Fälle von Beleidigung und Körperverletzung ausrücken. So wurde in Hamburg ein Mann von einer Gruppe Männer zusammengeschlagen und schwer verletzt, als er einem älteren Mann helfen wollte. In Berlin wurden mehrere Polizisten von einer zehnköpfigen Gruppe von Männern mit Tritten und Schlägen angegriffen. Die Täter entkamen unerkannt.

Friedliches Feiern in Berlin

Dennoch sind die Silvesterfeiern in Berlin in diesem Jahr verhältnismäßig friedlich verlaufen. Etwa eine Million Menschen machten vor allem die Straße des 17. Juni wieder zu einer riesigen Festmeile. Das Deutsche Rote Kreuz musste bis zum frühen Morgen 234-mal helfen - und damit ungefähr so oft wie beim vorigen Jahreswechsel. 24 Menschen wurden in Krankenhäuser gebracht, sagte ein Sprecher.

Auch die Berliner Polizei war zufrieden. Eine Sprecherin nannte die Feststimmung in der Stadt "ganz entspannt". Außer kleineren Reibereien seien alle "ganz diszipliniert und gutgelaunt" gewesen.

Wie in Silvesternächten der vergangenen Jahre musste die Feuerwehr auch in diesem Jahr bundesweit wegen Tausender Brände in Papierkörben, Containern und auf Balkonen ausrücken. Teils wurden durch Feuerwerkskörper auch ganze Dachstühle in Brand gesetzt.

Mann in Italien erschossen, Verletzte in Österreich

Bei einer Silvesterfeier im süditalienischen Crispano ist ein Mann versehentlich erschossen worden. Der 39-Jährige wurde auf seinem Balkon von einer Kugel getroffen und war sofort tot, berichteten italienische Medien am Samstag. In Süditalien wird um den Jahreswechsel oft in die Luft geschossen. Wer der Schütze war, blieb zunächst unklar. Mindestens 70 Menschen wurden im Raum Neapel nach italienischen Medienberichten durch Knallkörper verletzt.

In Österreich wurden mehrere Menschen durch Feuerwerkskörper schwer verletzt. Bei Baden in Niederösterreich verlor ein Mann drei Finger: Der 37-Jährige hatte fünf große Böller zusammengebunden und gemeinsam gezündet. Die Knallkörper explodierten noch in seiner Hand, berichtete die Nachrichtenagentur APA am Samstag in Wien.

Auch in Liezen in der Steiermark detonierte ein Kracher zu früh in der Hand eines 44-Jährigen. Der Mann musste notoperiert werden. In Salzburg erlitten sechs Menschen zum Teil schwere Verletzungen im Gesicht und an den Händen, als ein vermutlich beschädigter Böller auf Kopfhöhe explodierte.

Teenager stirbt durch illegales Feuerwerk

In den Niederlanden ist ein 13-Jähriger durch ein illegales Feuerwerk getötet worden. Der Junge schaute auf einem Campingplatz bei der Stadt Harderwijk (Provinz Gelderland) gemeinsam mit seinen Eltern zu, als Unbekannte einen nicht zugelassenen Feuerwerkskörper zündeten. Er erlitt schwere Verletzungen und starb im Krankenhaus, teilte die Polizei mit.

In Den Haag wurden vier Polizisten durch Raketen verletzt, zwei von ihnen schwer. 30 Menschen wurden festgenommen. Zur Silvesterbilanz in Den Haag zählen auch rund 40 Autobrände. In Amsterdam steckten Randalierer etliche Papier- und Müllcontainer in Brand. 117 Menschen wurden vorübergehend festgenommen. Insgesamt sei das neue Jahr in der Hauptstadt aber "gut, gemütlich und festlich" begrüßt worden, sagte ein Behördensprecher.

Brennende Autos in Frankreich

In Frankreich nahm die Polizei in der Nacht mehr als 500 Menschen fest. Der relativ ruhige Verlauf der Silvesternacht war nach Einschätzung des Innenminister Brice Hortefeux auf den Einsatz von 53.820 Sicherheitskräften zurückzuführen. 16 Polizisten seien im Einsatz verletzt worden.

Erstmals untersagte das Ministerium in diesem Jahr, Zahlen zu in der Silvesternacht in Brand gesteckten Autos zu veröffentlichen. Hortefeux hatte dies damit begründet, dass er "die unglückselige Tradition" des Abfackelns von Autos nicht immer wieder mit neuen Zahlen und Statistiken unterfüttern wolle. Im vergangenen Jahr gingen in ganz Frankreich in der Silvesternacht mehr als 1130 Autos in Flammen auf, im Jahr davor waren es fast 1150.

ore/dpa/AFP

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insgesamt 73 Beiträge
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1. In Spanien gibt es keine Boeller!
Roller 01.01.2011
Zitat von sysopFeuerwehr und Polizei waren im Dauereinsatz: In der Silvesternacht kam es bundesweit zu Bränden und schweren Unfällen. In Bayern tötete sich ein Mann versehentlich mit einem selbstgebastelten Sprengsatz. In den Niederlanden starb ein Teenager durch illegales Feuerwerk. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,737330,00.html
Hier in Spanien gibt es nur offizielle Feuerwerke der Gemeinden und der freie Verkauf von Knallkoerper jeglicher Art ist nicht erlaubt. Es ist hier immer schoen ruhig an den Feiertragen.
2. was ist schlimmer?
CHANGE-WECHSEL 01.01.2011
Zitat von sysopFeuerwehr und Polizei waren im Dauereinsatz: In der Silvesternacht kam es bundesweit zu Bränden und schweren Unfällen. In Bayern tötete sich ein Mann versehentlich mit einem selbstgebastelten Sprengsatz. In den Niederlanden starb ein Teenager durch illegales Feuerwerk. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,737330,00.html
Und wie viele unschuldige Kinder werden verstümmelt oder kommen jedes Jahr durch Granaten und Splitterbomben der sogenannten zivilisierten Staaten (USA, Europa, Russland, China) ums Leben? Da wirken die jährlichen Silvesterunfällen leider lächerlich dagegen.
3. Der Mantel des Schweigens
Koltschak 01.01.2011
"Erstmals untersagte das Ministerium in diesem Jahr, Zahlen zu in der Silvesternacht in Brand gesteckten Autos zu veröffentlichen. Hortefeux hatte dies damit begründet, dass er "die unglückselige Tradition" des Abfackelns von Autos nicht immer wieder mit neuen Zahlen und Statistiken unterfüttern wolle. Im vergangenen Jahr gingen in ganz Frankreich in der Silvesternacht mehr als 1130 Autos in Flammen auf, im Jahr davor waren es fast 1150.2 Wieso ist die Politik nicht schon früher auf diese Idee gekommen! Es gibt gar keine Straftaten mehr. Sie werden einfach verschwiegen. Wir fangen mit den in Brand gesteckten Autos an. Dann geht es weiter über Jugendgewalt bis zu am Ende Betrug und Taschendiebstählen, und schon ist das Land sicher! Ein besonders gute Idee, da ja immerhin sieben Landtagswahlen in diesem Jahr stattfinden! Motto: Die Realität sieht in Wirklichkeit ganz anders aus!
4. Terrorwarnung
druum 01.01.2011
Welche (westlich-)weltweit operierende Terrororganisation schafft es in jedem Jahr immer wieder - um Weihnachten und Silvester herum, Brände und Sprengstoffanschläge mit mehreren Todesopfern durchzuführen? Sind Dummheit und Leichtsinn gefährlicher als Terroristen? Wenn ja, welche Konsequenzen sollte diese Erkenntnis für Talkshows und Verteidigungsbudgets haben?
5. das werden die Angehörigen
janne2109 01.01.2011
Zitat von CHANGE-WECHSELUnd wie viele unschuldige Kinder werden verstümmelt oder kommen jedes Jahr durch Granaten und Splitterbomben der sogenannten zivilisierten Staaten (USA, Europa, Russland, China) ums Leben? Da wirken die jährlichen Silvesterunfällen leider lächerlich dagegen.
anders sehen. Dennoch- es wird in allen Medien darauf hingewiesen, wie gefährlich solche Aktionen sind. Was sollte man noch tun? Merkwürdig finde ich, dass ausgerechnet der Teil der Bevölkerung der angeblich wenig finanzielle Mittel zur Verfügung hat, am meisten Feuerwerk macht. Ist im doppelten Sinne gemeint.
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