Tödliche Spritztour: Motorradfahrer sterben nach Frontalkollision

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Auf einer bayerischen Alpenstraße starben zwei Motorradfahrer, als sie gleichzeitig überholten und ineinander rasten. Es ist ein erschütternder Unfall - typisch für die Saison, aber nicht für die Situation auf deutschen Straßen.

Zweiradunfall (Symbolbild): Überproportional viele Todesopfer Zur Großansicht
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Zweiradunfall (Symbolbild): Überproportional viele Todesopfer

Bayrischzell/Hamburg - Am Wochenende kam es auf der Bundesstraße B 307 Richtung Bayrischzell zu einem tödlichen Unfall zwischen zwei Motorradfahrern aus München und Rosenheim. Wie die lokale Presse berichtet, scherten die beiden am Samstagnachmittag gegen 15.30 Uhr gleichzeitig aus, um zu überholen und rasten ineinander.

Einer der Fahrer, ein 45-Jähriger aus München, starb noch an der Unfallstelle. Der andere, ein 34-Jähriger Fahrer aus Rosenheim, wurde per Rettungshubschrauber in ein Klinikum nach München geflogen, wo er kurz darauf starb. Zwei weitere Motorradfahrer wurden von umherfliegenden Trümmerteilen getroffen, aber nicht verletzt. Die Polizei sucht nun nach einer Zeugin, die den Unfall unmittelbar beobachtet hatte, sich aber bisher nicht gemeldet hat.

Der erschreckende Unfall erscheint typisch. Es sind rund 40 Kilometer von Rosenheim nach Bayrischzell, rund 70 von München. Man darf mit einiger Sicherheit vermuten, dass für beide Fahrer der Weg das Ziel war: Die B 307 ist eine typische Motorradstrecke. Kurvenreich und landschaftlich spektakulär windet sie sich durch die oberbayerischen Alpen.

51 Prozent aller Kollisionsunfälle

Es gibt viele solche Straßen in Deutschland, und die in den Mittelgebirgs- und raren Gebirgslagen sind besonders populär. Bei genervten Ortsanrainern tragen sie mitunter zynische Namen wie "Kawa-Grab", weil sie meist schon an den ersten warmen Wochenenden, wenn die Saisonkennzeichen der Motorräder wieder gelten, erste Todesopfer fordern. Die meisten Unfälle ergeben sich auf solchen Strecken aus missglückten Überholmanövern und Frontalkollisionen in Kurven. Zuletzt war am 3. August ein Motorradfahrer im Allgäu bei so einem Unfall getötet worden.

Besonders spektakuläre Unfälle werden, wie nun wieder, bundesweit berichtet und festigen die Wahrnehmung vom Wahnsinn der Zweiradfahrt. Tatsächlich gibt es unter Motorradfahrern überproportional viele Opfer. Gemessen an der Zahl der Gesamtzulassungen von Kraftfahrzeugen machen Zweiräder knapp neun Prozent der Fahrzeuge aus, die meisten fahren nur in der warmen Saison. Trotzdem sind aktuell 16 Prozent aller tödlich Verunglückten im Straßenverkehr motorisierte Zweiradfahrer.

Viele sterben bei Freizeit-Fahrten, und entgegen der landläufig verbreiteten Legende nicht mehrheitlich durch Fehler anderer: So werden nach Untersuchungen des ADAC 51 Prozent aller Kollisionsunfälle durch Motorradfahrer verursacht - sei es durch unangepasstes Fahren oder Fahrfehler. Steigend ist allerdings auch der Anteil völlig unverschuldeter Unfälle, beispielsweise durch gravierende Straßenbelagsschäden, die auch in diesem Sommer schon mehrere Fahrer das Leben kosteten.

Steigende Zahl von Motorradzulassungen

Motorradfahren ist kein ungefährliches Hobby - prinzipiell wird es allerdings immer sicherer. So typisch der fürchterliche Unfall von Bayrischzell erscheint, ist er im Grunde eine Tragödie gegen den Trend. Nur wenige Tage zuvor hatte das Statistische Bundesamt die Unfallstatistik 2012 vorgelegt. Sie lieferte, wie tendenziell seit Jahrzehnten, eine positive Nachricht: Der Straßenverkehr wird immer sicherer. Die Zahl der Todesfälle im Verkehr ist weiter rückläufig, und nun auf dem niedrigsten Stand seit 1950 - auch bei Motorradfahrern.

Wörtlich heißt es in dem Bericht: "Verglichen mit dem Vorjahr gingen die Verunglücktenzahlen bei den meisten Verkehrsteilnehmergruppen zurück. Überdurchschnittlich stark abgenommen hat im Jahr 2012 die Zahl der Verunglückten auf Motorrädern mit minus 8,9 Prozent und auf Kleinkrafträdern mit minus 7,1 Prozent."

Bei den tödlichen Unfällen betrug der Rückgang bei Motorradfahrern sogar 17,2 Prozent. Insgesamt liegt diese Quote über alle Verkehrsmittel bei minus 10,2 Prozent.

So gab es 2012 weniger im Straßenverkehr getötete Motorradfahrer als jemals zuvor, seit die Statistik geführt wird: 587. Im Vorjahr waren noch 708 Fahrer gestorben. Erschreckend sind beide Zahlen.

Zurückgeführt werden die sinkenden Unfallzahlen sowohl auf das wachsende Problembewusstsein bei den Fahrern, als auch auf Fortschritte in der Motorradtechnik, in der Fahrt- und Bremsassistenzsysteme inzwischen zum Standard gehören. So steht der Trend zu sinkenden Unfallzahlen sogar einer steigenden Zahl von Motorradzulassungen gegenüber.

Den Verunglückten von Bayrischzell und ihren Hinterbliebenen nützt all das nichts. Es bleibt dabei, dass schon eine kurze Fehleinschätzung einen Motorradfahrer das Leben kosten kann. Die einzige Versicherung dagegen ist passives, vorausschauendes Fahren. Aber dafür fährt man in der Regel nicht in die Alpen.

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