Tödliches Love-Parade-Desaster: Die Menschenfalle

Sie wurden in einer Massenpanik erdrückt oder stürzten beim Fluchtversuch in die Tiefe: Bei der Love Parade in Duisburg sind 19 Menschen gestorben, weit mehr als 300 wurden verletzt. In der Stadt hatte es Debatten gegeben, ob die Party mit mehr als einer Million Ravern zu verantworten ist - doch Bedenken wurden ignoriert.

Aus dieser Falle gab es kein Entkommen. Zigtausende Menschen drängten sich an diesem Samstagnachmittag in Duisburg in einem 300 Meter langen Tunnel.

Einen Ausweg gab es nicht. Kein Vor, kein Zurück.

Es war gegen 17.30 Uhr, viele Raver versuchten noch zur Abschlussveranstaltung der Love Parade zu kommen. Doch das Gelände war schon rappelvoll, gerade hatten die Polizisten den Zugang aus Sicherheitsgründen geschlossen. Per Lautsprecher wurden die Menschen aufgefordert, zum Hauptbahnhof gut zwei Kilometer nördlich zurückzugehen.

Doch wer will schon abziehen, bevor der Spaß begonnen hat? Sie wollten tanzen, zu den wummernden Beats, zu den Powerbässen.

Was dann passierte, beschreiben Augenzeugen so: Das Gedränge sei immer dichter geworden, Menschen seien in der Menge kollabiert, in Panik geraten, hätten geschrien, versucht, den Kopf oben zu behalten. Luft zu bekommen.

Zeugen im Wortlaut
Wo haben die Sicherungssysteme versagt? Was passierte im Tunnel? Die Ursachensuche beginnt - SPIEGEL ONLINE dokumentiert Zeugenaussagen aus verschiedenen Quellen. Die Angaben konnten nicht verifiziert werden. Klicken Sie auf die Überschriften...
Fabio, 21: "Reihenweise Leute zusammengeklappt"
Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa: "Wir standen mittendrin. Es hatten immer mehr Menschen noch versucht, zum Gelände zu kommen. (...) Wir waren schon durch den Tunnel durch und standen auf dem kurzen Stück vor dem Eingang. Dort ging es aber nicht weiter." Einige seien über Zäune und über eine Leiter geklettert oder über eine enge Treppe am Tunnelende. "Wir sind danach durch den Tunnel zurück. Meine Freundin und ich haben schon kaum mehr Luft mehr bekommen und haben die Ellbogen ausgefahren, um noch wegzukommen. (...) Anschließend haben wir die Polizei alarmiert und gesagt, dass es im Tunnel gleich zur Massenpanik kommen wird." Passiert sei erst einmal nichts. "Das war etwa eine Dreiviertelstunde vor dem Unglück gewesen. Da waren aber schon Leute reihenweise zusammengeklappt."
Udo: "So stelle ich mir Krieg vor"
n-tv-Kameramann und Augenzeuge: "Da lagen schon einige Menschen am Boden, andere kletterten die Wände hoch und versuchten, über die Seiten auf das Gelände zu kommen. Und die Menschenmenge, die nachrückte, die liefen einfach über die am Boden liegenden drüber. Also eine richtige Massenpanik. (...) Die Polizei hat versucht, hineinzugehen in die Menge und die am Boden liegenden Menschen herauszuziehen. Es war aber zu voll, die Polizei hat die Menschen nicht herausbekommen, es war nichts zu machen. (...) Überall lagen Menschen auf dem Boden herum. So stelle ich mir Krieg vor." Die Veranstalter seien vermutlich nicht richtig auf die Menschenmassen vorbereitet gewesen. "Das war programmiertes Chaos." Zunächst seien keine Rettungskräfte dort gewesen: "Hilfskräfte waren erst mal gar nicht vorhanden, vielleicht drei, vier vom Malteser Hilfsdienst. Die konnten aber in der Masse der Menschen auch nichts machen. Man kann nicht mit einer Million Menschen planen und dann ein Gelände für 350.000 Menschen bereitstellen."
Dustin, 17: "Neben mir ist ein Mädchen gestorben"
Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP: "Alle wollten noch auf das Gelände. Damit es schneller geht, sind einige auf die Treppe ausgewichen." Diese führt von der Unterführung direkt zum Güterbahnhof, doch "von hinten drückten immer mehr nach". Es habe 40 Minuten nur Panik gegeben, erst dann habe eine Rettungsgasse gebildet werden können. Für viele kam die Hilfe zu spät. Dustin: "Neben mir ist ein Mädchen gestorben." Es sei einfach erdrückt worden. Ein weiteres Mädchen habe neben ihm gelegen und sei schon blau angelaufen gewesen. Mit Mund-zu-Mund-Beatmung habe er sie wiederbeleben können. "Auf mir lagen noch zwei Menschen." Teilweise seien fünf bis sechs Personen übereinandergeschoben worden. Schließlich hätten ihn Rettungssanitäter herausgezogen. Es sei so eng gewesen, dass seine Schuhe zwischen den Menschen steckenblieben: "Ich hatte schon mit dem Leben abgeschlossen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch Luft bekomme."
TV-Augenzeuge: "Dann sind wir alle umgefallen"
Mann im WDR-Interview: "Es hat sich alles wie in einem Hexenkessel gestaut. Es kamen immer weiter Leute von hinten. Und irgendwann fangen die Leute dann an, umzukippen. Ein paar sind die Treppe hochgegangen, ein paar den Mast hochgeklettert." Gemeint sind eine Nottreppe und ein Lautsprechergerüst, die von unten auf das Gelände führen. "Ich hab nur gesehen, dass ich mit meiner Freundin oben bleibe, weil ich wusste: Wenn ich einmal am Boden liege, dann werden die Leute über uns drübertrampeln. Dann sind wir alle umgefallen, ich halb mit runter, meine Beine waren beide eingequetscht." Zum Glück habe ihm jemand hochgeholfen, "dann sind wir wie durch Glück aus der Masse rausgetrieben worden. (...) Dann hab ich allen gesagt: Geht wieder zurück, die Leute sterben da vorne." Als er die Polizisten gewarnt habe, habe er gehört: "Willst Du das hier organisieren?" Jetzt bewege er sich von seinem sicheren Ort nicht weg, sitze da, eine halbe Stunde, eine Stunde, vielleicht länger, und wolle nicht mehr weitergehen. Er fürchte, dass so etwas wieder passiere.
Achmed, 17: "Brutal nach vorne gedrückt"
Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa: "Als die Polizei das Gelände abriegeln wollte, wurden wir brutal nach vorne gedrückt, die Leute vorne bekamen keine Luft mehr." Die Stimmung sei zunächst gar nicht aggressiv gewesen. "Die wollten doch alle nur Spaß. (...) Dann haben alle geweint, ich habe geweint. Ich habe noch nie gesehen, wie ein Mensch gestorben ist."
Mario, Stefan, Rebecca: "Direkt niedergetrampelt"
Stimmen auf dem Internet-Portal DerWesten - Mario: "Es waren Tausende Menschen im Tunnel. Viel zu viele auf jeden Fall. Die Leute sind reihenweise umgefallen. Und die Polizei hat von beiden Seiten immer mehr Leute in den Tunnel geschickt". Stefan: "Wer umgefallen ist, wurde direkt niedergetrampelt." Die Sanitäter seien erst nicht durchgekommen. Rebecca: "Dann ist ein Rettungswagen durch die Menge gefahren, aber dadurch wurden alle noch mehr zusammengedrängt. Alle waren total hysterisch."
"Gabi", 43: "Die einen wollten rein, die anderen raus"
Forumseintrag auf einslive.de: "Wir sind etwa eine halbe Stunde vor der Panik durch diesen Tunnel gelaufen. Es war tierisch voll. Die einen wollten rein, die anderen raus. Also Gegenverkehr und großes Geschubse. Das war das große Problem. Die Polizei stand dabei und hat nur geschaut. (...) Nun, es hört sich jetzt vielleicht klugscheißerisch an, aber irgendwie konnte man es doch vorhersehen. Nur ein Eingang zum Gelände. Und es passten nicht alle drauf, die auch gerne wollten."
"Ronja", 17: "Uns kamen tausend entgegen"
Forumseintrag auf einslive.de: "Ich war in dem Tunnel. Plötzlich kam eine Frau zu uns und sagte wir sollen gehen, vorne fingen Massenschlägereien an. Die Menschen wurden über Traversen auf die Brücke geschleust, über Container hochgeschoben, bevor alles passiert ist. (...) Uns kamen auf den Rückweg noch mindestens tausend Menschen entgegen. Warum haben die Veranstalter nur einen Eingang gehabt?"
"Die Polizei hat versucht, hineinzugehen in die Menge und die am Boden liegenden Menschen herauszuziehen. Es war aber zu voll, die Polizei hat die Menschen nicht herausbekommen, es war nichts zu machen", sagt einer. Rettungskräfte seien zunächst nicht vor Ort gewesen: "Hilfskräfte waren erst mal gar nicht vorhanden, vielleicht drei, vier vom Malteser Hilfsdienst. Die konnten aber in der Masse der Menschen auch nichts machen." Ein anderer: "Überall lagen Menschen auf dem Boden herum. So stelle ich mir Krieg vor."

Mindestens 19 Menschen starben in dem Chaos oder an den Verletzungen, die sie erlitten hatten - drei von ihnen erst am Abend und in der Nacht im Krankenhaus. Viele weitere mussten reanimiert werden. Insgesamt 342 Teilnehmer wurden nach Angaben eines Polizeisprechers bis zum frühen Morgen als verletzt gemeldet. Zur Schwere der Verletzungen konnte er noch keine Auskünfte geben.

Unmittelbar augelöst worden ist die Massenpanik nach Auskünften der Polizei, als Menschen von einer gesperrten Treppe stürzten. Weil sich im Tunnel und im Eingangsbereich vor dem Gelände die Massen stauten, hätten Besucher versucht, über die gesperrte schmale Nottreppe zum Gelände hochzusteigen. Andere seien über ein leiterartiges Lautsprechergerüst geklettert. Einige der Kletterer seien dann auf die Massen abgestürzt - das habe zu der Panik geführt. Tatsächlich zeigen Amateurvideos, wie Menschen versuchten, vom Tunnelausgang nach oben auf das Gelände zu klettern, um der Enge unten zu entkommen.

Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) sagte, das Sicherheitskonzept für die Love Parade sei stichhaltig gewesen. Den genauen Hergang müsse nun die Polizei ermitteln. Zu den Todesursachen sagte er, viele Menschen seien über eine Absperrung und dann eine Mauer hochgeklettert und aus bis zu neun Metern Höhe heruntergefallen - die Notärzte hätten bei Toten und Verletzten Quetschungen des Rückenmarks festgestellt. Auch bei der Pressekonferenz im Rathaus hieß es, einige der späteren Opfer hätten Sicherheitszäune überstiegen und seien Treppen hinabgestürzt. Wie viele dagegen in der Menge unten gequetscht, schwer verletzt oder getötet wurden, blieb zunächst unklar - Zeugen berichten von dramatischen Szenen in der Menschenansammlung (siehe Kasten oben).

Fotostrecke

20  Bilder
Duisburg: Katastrophe bei der Love Parade
Umzudrehen war für viele unmöglich. Fotos zeigen Tausende Menschen in dem Tunnel, hinter dem Tunnel, zwischen den Tunneln. Eingekeilt, zusammengepfercht. Einige versuchten, die meterhohen Wände hochzuklettern. Sicherheitskräfte versuchten, Leitern zu den Eingeschlossenen zu schieben, Bierbänke. Sie an den Armen heraus zu ziehen.

Jetzt beginnt die Ursachenforschung - und die Debatte, wer an dem Problem schuld ist. Nach der Absage der Love Parade im vergangenen Jahr in Bochum hatte es auch in Duisburg heftige Debatten darüber gegeben, ob die Stadt die Megaveranstaltung stemmen könnte.

Die Menschen hätten sich nicht schnell genug auf dem Gelände verteilt. Der alte Güterbahnhof sei dabei noch nicht voll gewesen. Die Polizei sprach von einigen Hunderttausend Besucher der Loveparade. Die von Veranstalter und Stadt genannte Zahl von 1,4 Millionen Menschen bezeichnete die Polizei als zu hoch gegriffen. Inzwischen läuft die Veranstaltung langsam aus.

Viele Fragen an die Verantwortlichen

Vor allem die anfallenden städtischen Kosten von bis zu einer Million Euro waren für die Loveparade-Gegner in der hochverschuldeten Kommune das zentrale Argument. Am Ende konnte Bürgermeister Sauerland einen Kompromiss vorlegen, mit dem Duisburg die Love Parade bekam - aber ohne Ausgaben: Ein Teil der städtischen Kosten wurde durch Sponsoren wie die Fitnessstudio-Kette "McFit" aufgebracht, der andere durch einen sechsstelligen Förderbetrag des Landes für den Bereich Sicherheit und Verkehr.

Strittig war auch, ob das Gelände den Sicherheitsmaßstäben genügen würden. In Bochum war die Love Parade auch wegen der schwierigen Situation rund um den Hauptbahnhof abgesagt worden. Entsprechende Sorgen hatte der zuständige Beigeordnete in Duisburg nicht. Wolfgang Rabe, verantwortlich für Sicherheit und Ordnung in Duisburg, sagte im Frühjahr dem WDR, Bedenken wegen der Lage und dem Bahnhof "gibt es in Duisburg nicht". Im Übrigen habe man mit dem Veranstalter Lopavent einen "sehr professionellen" Partner an seiner Seite - so wird Rabe aus einer Sitzung des Duisburger Kulturausschusses zitiert. Selbst mit mehr als einer Million Besuchern sei die Love Parade in Duisburg "durchführbar", sagte Rabe im WDR-Interview. Obwohl das Party-Gelände nur 230.000 Quadratmeter groß ist - nur 400.000 bis 500.000 Menschen könnten hier gleichzeitig feiern, sagten Kritiker vorher. Doch Rade blieb bei seiner Einschätzung. Noch vor wenigen Tagen sagte er, man habe "ganz unterschiedliche Maßnahmen, mit denen wir das problemlos steuern können".

Nun müssen viele Fragen beantwortet werden:

  • Wieso konnten noch so viele Leute in den Tunnel drängen, wo doch das Festivalgelände wegen Überfüllung gesperrt worden war?
  • Vor allem: Wieso durften überhaupt so viele Menschen in den Tunnel, wenn es darin keine Sicherheitspuffer und Rettungssysteme gibt?
  • Wieso gab es nur einen Eingang? Wieso wurden nicht schnell genug Notausgänge geöffnet, als das Gelände überfüllt war? Wieso mussten jene, die nach Hause wollten, ebenfalls durch den verstopften Tunnel?
  • Waren die Sicherheits- und Rettungskräfte mit der Lage überfordert? Zeugen schildern, dass Hilfe erst spät durchkam, dass Warnungen vor einer drohenden Massenpanik ignoriert wurden - und dass 1200 Polizisten nicht genug seien, um ein solches Ereignis mit mehr als einer Million Teilnehmern zu sichern.

Um nach dem tödlichen Unglück eine weitere Massenpanik unter den Hunderttausenden Teilnehmern der Love Parade zu verhindern, beschloss der Krisenstab in Duisburg, dass die Party erst mal weitergehen solle. Und so bekamen viele Besucher noch lange nach dem Unglück nichts von der Katastrophe und den Toten mit. Sie tanzten noch immer auf dem Festgelände. Berauscht.

Die Musik werde erst abgeschaltet, wenn die Menschen das Gelände vollständig verlassen haben. Die Polizei habe die Ermittlungen zu dem Unglück aufgenommen.

jul/flo/AP/Reuters/dpa/AFP

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Forum - Love Parade in Duisburg - fataler Fehler?
insgesamt 6343 Beiträge
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1. traurig
Hovac 25.07.2010
Zitat von sysopDie Entscheidung war umstritten, es gab Zweifel am Konzept, dann kam es zur Katastrophe - war es ein Fehler, die Love Parade auf diesem Gelände in Duisburg abzuhalten?
Wenn auch nur ein Mensch stirbt war es ein Fehler. Sowas darf in Deutschland doch nicht mehr passieren, wozu wird man von Formularhaufen für die kleinsten Anlässe erdrückt wenn es dann doch nicht sicher ist.
2. Rhetorische Frage
lawinchen, 25.07.2010
Zitat von sysopDie Entscheidung war umstritten, es gab Zweifel am Konzept, dann kam es zur Katastrophe - war es ein Fehler, die Love Parade auf diesem Gelände in Duisburg abzuhalten?
Ein Gelände, das max. 500.000 Besucher aufnehmen kann und dessen Zugangswege derart beschränkt sind, ist fraglos für eine Veranstaltung wie die Love Parade geeignet, denn die Love Parade ist dafür bekannt, weniger als 500.000 Besucher anzuziehen. Duisburg mag pleite sein und die zusätzlichen Einnahmen begrüßen, aber auf diesem Gelände mit diesen Zugangswegen hätte eine solche Veranstaltung niemals stattfinden dürfen: Ich hoffe, der Link wird dargestellt, ansonsten hilft eine Google-Maps-Suche nach "Karl-Lehr-Straße, Duisburg". Das Gelände befindet sich nördlich der L237. http://maps.google.de/maps?f=q&source=s_q&hl=de&geocode=&q=Love-Parade,+Duisburg&sll=51.151786,10.415039&sspn=21.231081,67.631836&ie=UTF8&hq=Love-Parade,&hnear=Duisburg,+Nordrhein-Westfalen&ll=51.422882,6.770582&spn=0.010276,0.033023&t=h&z=16 Polizeipräsidium und Staatsanwalt befinden sich gleich um die Ecke, ich hoffe, sie nutzen die Nähe.
3. Wo gesunder Menschenverstand aufhört...
xkultx 25.07.2010
Egal wo ob in Duisburg, Essen oder Berlin zu solchen tragischen Zwischenfällen kann es leider überall kommen. Es ist nur immer sehr einfach alles auf die Veranstalter abzuschieben, dabei wird allzu oft vergessen wer hier der wahre Auslöser des Dilemmas ist, war und bleiben wird - Alkohol, Drogen, Egoismus und Rücksichtlosigkeit. Wenn es nicht weiter geht - schiebt man nicht!!! Wo gesunder Menschenverstand aufhört, kommen die verschiedensten Schuldzuweisungen - Klar der Veranstalter ist Schuld - Klar die Stadt Duisburg ist schuld. Leute packt Euch mal an den Kopf und fangt an zu denken! Wenn ich mit 2 Promille in eine 30 Zone aus der Kurve fliege - ist dann auch die Stadt Duisburg Schuld oder der Hersteller meines Autos oder die Brauerei, warum bauen die denn dort eine Kurve hin, warum fährt mein Auto wenn ich getrunken habe?
4.
waffenstillstand 25.07.2010
Zitat von sysopDie Entscheidung war umstritten, es gab Zweifel am Konzept, dann kam es zur Katastrophe - war es ein Fehler, die Love Parade auf diesem Gelände in Duisburg abzuhalten?
Ja, sicher. Es war vorher schon bekannt, dass das Gelände höchstens 500.000 Menschen aufnehmen kann, man wusste, dass annähernd 1.000.000 Menschen kommen würde (tatsächlich kamen sogar 1.400.000). So gesehen war es allzu sehr leichtsinnig, die Veranstaltung überhaupt stattfinden zu lassen.
5. Schuld haben
gisu 25.07.2010
Schuld haben die Organisatoren, von deren Seite wurden ehr die Befürchtungen laut das eventuell zu wenig Menschen erscheinen würden, da hat man Zweifel am Gelände und den eingeschränkten Möglichkeiten außer acht gelassen. Wer mit solchen Menschenmassen plant, der muss auch verstärkt auf die Sicherheit achten, und beim kleinsten Zweifel entweder umplanen oder die Sache ganz abblasen. Mein Beileid an die Opfer und deren Angehörigen.
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In einem überfüllten Stadion in Johannesburg in Südafrika kommt es bei einem Fußballspiel zu einer Panik mit 43 Toten und 158 Verletzten.
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Bei einem Konzert der Band Pearl Jam auf dem dänischen Roskilde-Festival sterben neun Menschen. Die Fans wurden vor der Bühne durch die von hinten drückende Menge zu Fall gebracht. Sie erstickten oder wurden zu Tode getrampelt.
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Unter den 40.000 Besuchern einer Snowboard-Show im Innsbrucker Bergisel-Stadion bricht Panik aus. Fünf junge Frauen werden zu Tode getrampelt.
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Mehr als 1400 Pilger in Mekka sterben, als in einem Tunnel eine Massenpanik ausbricht - die meisten werden totgetrampelt. mehr über die Unglücke in Mekka…
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Im Hillsborough-Stadion im englischen Sheffield werden zu viele Menschen in den Block des FC Liverpool gelassen - 96 Menschen sterben, 766 werden verletzt. mehr auf Wikipedia...
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Im Brüsseler Heysel-Stadion kommt es vor dem Europacup- Endspiel zwischen FC Liverpool und Juventus Turin zu schweren Ausschreitungen. Betrunkene Briten greifen italienische Fans an - als diese fliehen wollen, bricht eine Betonmauer zusammen über Zuschauern zusammen. 39 Menschen sterben, 400 werden verletzt. mehr auf Wikipedia...
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Beim Olympiaqualifikationsspiel zwischen Peru und Argentinien in Lima erkennt der Schiedsrichter zwei Minuten vor Spielende ein Tor nicht an, Zuschauer randalieren, die Polizei feuert Tränengas - Panik bricht aus, doch die Tore gehen nur nach innen auf. 328 Menschen sterben, etwa 500 werden verletzt. mehr auf Wikipedia: Massenpaniken...
Quelle: dpa

Die Love Parade
Die Love Parade findet seit 1989 statt, zunächst über viele Jahre in Berlin. 2007 zog die Veranstaltung dann ins Ruhrgebiet um, mit der Premiere in Essen. Vor zwei Jahren gastierte sie in Dortmund. 2009 sagte Bochum die Techno-Party ab, weil die Stadt keine Chance sah, den Besucherandrang zu bewältigen und einen geeigneten Veranstaltungsort zu finden. 2010 endete die Love Parade in einer Tragödie: 21 Menschen starben, mehr als 500 wurden verletzt.
Die Anfänge
1989 gründet Techno-DJ Dr. Motte (Matthias Roeingh) die Love Parade. Etwa 150 Technofans tanzen auf dem Kurfürstendamm unter dem Motto "Friede, Freude, Eierkuchen". Die Veranstaltung wuchs rasant: 1994 tanzten bereits 120.000 Technofans um 40 Trucks herum, 1996 kamen 750.000 Raver auf die Straße des 17. Juni im Tiergarten. Die Rekord-Besucherzahl von 1,5 Millionen gab es 1999.
Die Flaute
2000 wurde der Umzug exportiert: Nicht nur in Berlin, sondern auch in Wien, Tel Aviv und Leeds gab es Love Parades. 2001 wurde die Berliner Parade nicht mehr als politische Demonstration eingestuft, sondern als kommerzielle Veranstaltung. 2002 kam es mit 700.000 Besuchern zu einem Einbruch, 2004 und 2005 fiel die Parade mangels Sponsoren ganz aus.
Die Rückkehr
2006 feierte die Love Parade ein Comeback mit neuem Veranstalter. Unter dem Motto "The Love Is Back" tanzten nach Polizeischätzung rund 500.000 Menschen, laut Veranstalter bis zu 1,2 Millionen Menschen. Nach dem Umzug ins Ruhrgebiet waren 2007 in Essen etwa 1,2 Millionen dabei, 2008 in Dortmund sogar 1,6 Millionen Besucher - nach Veranstalterangaben, die aber fragwürdig sind. Im vergangenen Jahr fiel das Event aus. Ursprünglich sollte es in Bochum stattfinden, aber die Stadt fand keinen geeeigneten Veranstaltungsort und befürchtete, den Besucherandrang nicht bewältigen zu können.
Die Katastrophe
In diesem Jahr fand die Love Parade unter dem Motto "The Art Of Love" in Duisburg statt, auf einem abgeschlossenen alten Bahngelände. Die Veranstaltung endete in einer Katastrophe: 21 Menschen starben, mehr als 500 wurden verletzt. Offensichtlich waren wesentlich mehr Menschen auf dem Gelände als die nach Informationen von SPIEGEL ONLINE zugelassenen 250.000. Die Veranstalter sprachen kurz vor der Tragödie von insgesamt 1,4 Millionen Besuchern. Nach dem Unglück erklärte Organisator Rainer Schaller das Aus der Love Parade.