Zoodirektoren über Zerlegung von Giraffe Marius "Mutig und richtig"

Weil der Kopenhagener Zoo eine Giraffe öffentlich schlachten und verfüttern ließ, brach eine Welle der Empörung über den Tierpark herein. Aber warum eigentlich? Deutsche Experten verstehen die Aufregung nicht.

Giraffe Marius aus Kopenhagen: Öffentlich geschlachtet und verfüttert
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Giraffe Marius aus Kopenhagen: Öffentlich geschlachtet und verfüttert

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Hamburg - Der Nürnberger Tiergarten ist einer der größten deutschen Zoos, rund 2500 Tiere leben dort. Etwa 15 bis 30 von ihnen würden pro Jahr getötet, sagt Direktor Dag Encke, zusätzlich zu kranken Tieren, die eingeschläfert würden. Und dann werden die Kadaver an andere Zootiere verfüttert? "Natürlich", sagt Encke, "an wen sonst?"

Von Jahr zu Jahr sei es sehr unterschiedlich, welche Tiere in Nürnberg getötet werden: Schafe, Ziegen, verschiedene Hirsch- und Antilopenarten, Wildesel und Zebras, Wisente und Kaffernbüffel, Murmeltiere und Präriehunde sowie Insekten aus eigener Zucht. Zusätzlich würden natürlich die üblichen sogenannten Futtertiere wie Kaninchen, Hühner, Meerschweinchen und Küken verfüttert, sagt Encke.

Giraffen tauchen in der Liste nicht auf. Die öffentliche Zerlegung und Verfütterung des 18 Monate alten Giraffenkalbs Marius im Kopenhagener Zoo, die in den vergangenen Tagen eine Welle der Empörung ausgelöst hat, nennt Encke trotzdem "mutig und richtig". Auch wenn nicht jeder Zoo die Zerlegung des Tieres vor Publikum nachmachen müsse. Das hänge vom pädagogischen Konzept jedes einzelnen Tierparks ab. "Wir zeigen Ganztierfütterungen seit 1998 vor Publikum."

"Erhaltung der Art muss Priorität haben"

Der Kopenhagener Zoo hatte den Umgang mit Marius mit dem Artenschutz begründet. Man sei Teil eines internationalen Zuchtprogramms für Giraffen, man achte streng darauf, dass sich nur Tiere paaren, die nicht miteinander verwandt sind. Das Ziel sei der Erhalt der genetischen Vielfalt. Nach diesen Regeln habe man Marius töten müssen.

In Deutschland findet das Vorgehen Unterstützung. "Mit der Tötung der Giraffe in Kopenhagen sind die meisten Zoodirektoren unseres Verbands einverstanden", sagt der Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Zoodirektoren (VDZ), Peter Dollinger. "Die Erhaltung der Art muss Priorität vor dem Individuum haben." Es gehe immer darum, "dass man den Genpool rein hält und die Diversität erhält".

Über die Tötung eines gesunden Tieres aus Gründen des Populationsmanagements entscheidet laut Dollinger meist die Zoodirektion oder das Kuratorium. Bei exotischen Tieren wie Giraffen werde jedoch zunächst versucht, das Tier irgendwo anders unterzubringen. Dies geschehe allerdings unter der Aufsicht eines Zuchtbuchkoordinators der EAZA, der European Association of Zoos and Aquaria. Der Dachverband der wissenschaftlich geleiteten Zoos in Europa koordiniert das Europäische Erhaltungszuchtprogramm EEP.

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Es sei aber auch klar, dass die öffentliche Schlachtung in Deutschland schlecht ankomme, sagt Dollinger. Hierzulande sei lange über das Töten von Tieren in Zoos geschwiegen worden. Warum? "Weil auch hier der Tod wie im Rest der Gesellschaft ausgegrenzt wird", so Dollinger. Das habe sich erst in den vergangenen zehn Jahren verbessert.

Es handele sich daher auch um einen kulturellen Unterschied. In Dänemark diene die Zerlegung einer Giraffe eben auch der Wissenschaft, ähnliches kenne er aus australischen Zoos. "In Deutschland gibt es diesen edukativen Ansatz nicht." Mehr und mehr sollten Zoos aber diesen umwelterzieherischen Teil leisten. "Der Zoo ist für manche Kinder heute die einzige Möglichkeit, diese Abläufe zu begreifen", sagt Dollinger.

Damit meint er nicht die öffentliche Schlachtung eines Tieres, die Verfütterung der Überreste sei aber üblich. Dies geschehe in deutschen Zoos regelmäßig, zum Beispiel bei Wildschweinen, Hirschen oder Kleintieren wie Kaninchen - und sei sogar gesund. Denn im Fell und in den Organen der Tiere seien viele wichtige Mineralien und Vitamine enthalten.

Vor allem die großen Zoos seien mittlerweile angelegt wie landwirtschaftliche Betriebe, sagt Dolllinger. "Sie können 15 bis 20 Prozent Fleisch für ihre Tiere selbst produzieren." Da gehe es dann auch um den Gedanken der Nachhaltigkeit und der artgerechten Haltung.

Der Nürnberger Tiergarten beispielsweise deckt etwa 15 Prozent seines Fleischbedarfs mit eigenen Tieren, wie Direktor Encke erklärt:

  • "Weil Fleischfresser ausschließlich und Gemischtköstler anteilig Fleisch als Nahrung zum Überleben benötigen."
  • "Weil Tiere aus eigener Zucht aus Tierschutzgründen Tieren aus der Massentierhaltung vorzuziehen sind."
  • "Weil die betroffenen Tiere in keine geeignete Haltung abzugeben waren."

In Nürnberg zeigt man den Besuchern zuweilen auch, woher das Fleisch kommt: An Sonderveranstaltungen werde das Zerlegen der Futtertiere demonstriert, "natürlich unter fachkundiger Kommentierung".

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 337 Beiträge
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Seite 1
Crom 14.02.2014
1.
Bin kein Experte, verstehe die Aufregung aber auch nicht. Heutzutage wird zu viel Wirbel um Nebensächlichkeiten gemacht. Ich habe das Gefühl, dies passiert am häufigsten wenn's entweder um Tiere oder Genderthemen geht. Gern wird auch die "Rassismuskarte" gespielt, um sich empören zu können. Die Folge ist nur, dass echte Verfehlungen in diesem Bereich dann keinen mehr interessieren, weil man durch die künstlich erzeugten Empörungen zuvor bereits abgestuft ist.
women_1900 14.02.2014
2.
die Aufregung mutet mir auch mehr als sonderbar an, wie so viele Aktionen der Gutmenschen.
mm71 14.02.2014
3.
Zitat von sysopAFP/ Scanpix DenmarkWeil der Kopenhagener Zoo eine Giraffe öffentlich schlachten und verfüttern ließ, brach eine Welle der Empörung über den Tierpark herein. Aber warum eigentlich? Deutsche Experten verstehen die Aufregung nicht. http://www.spiegel.de/panorama/toetung-von-giraffe-marius-so-gehen-zoos-in-deutschland-mit-tieren-um-a-953383.html
Der "moderne" Mensch kennt die Natur nicht mehr, er hat nur eine romantische Heile-Welt-Vorstellung von ihr, einer Natur der Bio-Höfe, wo Mensch und Tier einträchtig und friedlich beieinander leben. Wird er mit der echten Natur konfrontiert, ist das für ihn häufig schockierend...
Mr. Swiss 14.02.2014
4.
Da haben wohl Eltern und auch Kinder zu viel Disney Videos geschaut. Die Natur ist nun einmal brutaler als das rosarot der Disneyfilme. Welcome to reality!
--rio 14.02.2014
5. Wird hier nicht gelogen?
"Zuchtprogramms für Giraffen, man achte streng darauf, dass sich nur Tiere paaren, die nicht miteinander verwandt sind. Das Ziel sei der Erhalt der genetischen Vielfalt. Nach diesen Regeln habe man Marius töten müssen." Man hätte die Giraffe AUCH kastrieren können!!!!!!!! Ist es daher nicht vielmehr so das man diese Giraffe nicht mehr "durchfüttern" wollte?
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