Hamburg - Angel Babcocks Rettung war zunächst als kleines Wunder bejubelt worden. Nach den verheerenden Tornados in den USA war das 14 Monate alte Mädchen am Sonntag auf einem Feld nahe des Ortes Salem gefunden worden, rund 30 Kilometer südlich von Henryville in Indiana. Das Kind war zwar schwer verletzt, aber es lebte. Die Eltern, den dreijährigen Bruder und die zwei Monate alte Schwester hatten die Tornados getötet.
Doch in der Nacht ist auch Angel gestorben. Die Familie der Kleinen, deren Alter zuerst mit 20 Monaten angegeben worden war, habe sich wegen der Schwere ihrer Verletzungen entschieden, die lebenserhaltenden Maßnahmen abzustellen, berichtete der Sender CNN.
Durch rund ein Dutzend US-Bundesstaaten fegten am Freitag und Samstag etwa hundert der berüchtigten Wirbelstürme, gerade einmal ein paar Tage, nachdem bereits weiter nördlich im Land Tornados Tod und Zerstörung gebracht hatten. Die schwarzen Wolkenschläuche kehrten das Unterste nach oben, saugten Menschen aus ihren Häusern, knickten Strommasten und Bäume um, hoben tonnenschwere Lastwagen in die Luft. 17 Millionen Amerikaner, beinahe so viele wie Nordrhein-Westfalen Einwohner hat, sind von Texas über Indiana bis nach North Carolina betroffen. Mindestens 40 Menschen kamen Fernsehberichten zufolge ums Leben. Am Sonntag gingen Helfer kaum noch davon aus, in den zerstörten Häusern Überlebende zu finden
"Als sei eine Atombombe hochgegangen"
Froh ist, wer mit dem nackten Leben davonkam. Werkstattbesitzer Nick Shelton hatte sich in Henryville im US-Staat Indiana im Keller eines Restaurants versteckt. Als die Gefahr vorüber war und er sich wieder hinaus wagte, traute er seinen Augen nicht: Etwas großes Gelbes habe den Weg ins Freie blockiert, erzählte Shelton der Zeitung "Indianapolis Star" - ein Schulbus, der in die Trümmer geschleudert worden war wie ein Spielzeug.
In der Highschool und Grundschule von Henryville überlebten 40 Jungen und Mädchen, die es vor dem nahenden Sturm nicht mehr nach Hause geschafft und sich im Verwaltungstrakt verschanzt hatten. Ihnen blieben nur Gebete, aber sie scheinen geholfen zu haben. Niemand erlitt Blessuren. "Es ist ein Segen", sagte Direktor Glenn Riggs. Von seiner Schule ließ der Sturm nur ein Skelett. "Es sieht aus, als sei eine Atombombe hochgegangen", beschreibt ein Polizeisprecher die Szenerie. In Henryville wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 320 Kilometern pro Stunde gemessen.
Tausende stehen nun vor dem Nichts. Ein genauer Überblick über die Schäden wird wohl Tage oder Wochen dauern. Werkzeug im Wert von Tausenden Dollar liegt dort verstreut, wo einmal Nick Sheltons Werkstatt war. Seinen "Henryville Auto Service" hatte er erst im vergangenen Jahr eröffnet, nach einem Vierteljahrhundert als Mechaniker im Dienste anderer. "Da liegt mein Lebenstraum", sagt e Shelton einem Reporter des "Indianapolis Star". "Und er ist am Boden."
siu/dpa/AP
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