Tote bei Zugspitz-Extremlauf Staatsanwaltschaft prüft Einleitung von Ermittlungsverfahren

Eisiger Wind, Schneefall, Minusgrade: Trotz widrigster Wetterbedingungen fand ein Extremlauf auf die Zugspitze statt - den zwei der insgesamt 550 Teilnehmer nicht überlebten. Sie starben zehn Minuten vor dem Ziel. Jetzt prüft die Staatsanwaltschaft, ob gegen den Veranstalter ermittelt wird.


Garmisch-Partenkirchen - Drama auf der Zugspitze: Zwei Menschen starben am Sonntag während eines Extremberglaufs auf mehr als 2900 Meter Höhe, weitere Teilnehmer mussten mit Hubschraubern gerettet werden. "Noch haben wir kein konkretes Ermittlungsverfahren eingeleitet", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Rüdiger Hödl SPIEGEL ONLINE. "Derzeit sammeln wir die Fakten und prüfen den Sachverhalt."

Nach Polizeiangaben handelt es sich bei den Toten um einen 41-Jährigen aus Witten in Nordrhein-Westfalen sowie einen 45-Jährigen aus Ellwangen in Baden-Württemberg. Sie brachen laut Bergwacht in 2800 beziehungsweise 2700 Metern Höhe zusammen und starben noch auf der Strecke.

"Beide sind an Erschöpfung und Unterkühlung gestorben", sagte Thomas Griesbeck von der Bergwacht in Garmisch-Partenkirchen." Besonders tragisch sei gewesen, dass sie nur noch etwa zehn Minuten bis zum Ziel hätten laufen müssen.

Zumindest einer der beiden Läufer sei in unmittelbarer Nähe eines Versorgungspunktes zusammengebrochen, so dass er gleich darauf medizinisch versorgt worden sei. Die Ärzte versuchten nach Angaben der Rettungsleitstelle Weilheim noch lange, die beiden zu reanimieren. Vergeblich. Die Sportler starben.

Ein plötzlicher Wetterumschwung mit Schneefällen, Windböen und Temperaturen um den Gefrierpunkt hatte die insgesamt 550 Läufer überrascht, die zum Teil in kurzen Hosen und T-Shirt zum Gipfelsturm angesetzt hatten. Streckenweise liefen die leichtbekleideten Sportler durch zehn Zentimeter Neuschnee.

Nach wenigen Minuten sei alles weiß gewesen, schilderte ein Bergwacht-Mitarbeiter den Wetterumsturz. Zahlreiche Läufer mussten wegen Unterkühlung und Erschöpfung versorgt werden, erklärte eine Sprecherin des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). Sechs Läufer wurden in Krankenhäuser gebracht.

Veranstalter warnte vor schlechtem Wetter

Da man die Verletzten wegen des schlechten Wetters nicht mit dem Hubschrauber habe transportieren können, seien sie mit Gebirgstragen und einer Bahn ins Tal geschafft worden. Bei den Verletzten handelt es sich um eine 58-jährige Frau und fünf Männer im Alter von 27 bis 58 Jahren. Sie stammten aus Sachsen, Berlin, Baden-Württemberg und Bayern.

Um 11.45 Uhr ging den Angaben zufolge der erste Hilferuf ein, danach folgte eine dramatische Rettungsaktion. Insgesamt waren hundert Helfer von BRK und Bergwacht im Einsatz. Die Sicherheitskräfte nannten es leichtsinnig, bei derart schlechtem Wetter das Rennen nicht abzusagen.

Der Veranstalter des Extremberglaufs, die get-going GmbH in Garmisch-Partenkirchen, hatte die Teilnehmer selbst vor einigen Tagen vor Schneefall auf der Zugspitze gewarnt. Auf der Internetseite veröffentlichte der Ausrichter eine Wetterprognose - demnach waren für Sonntag am Gipfel Temperaturen von drei bis fünf Grad Celsius und Windböen bis 80 km/h vorhergesagt. Dies entspricht der Windstärke neun auf der Beaufort-Skala. Die Prognosesicherheit wurde als mäßig bezeichnet. Warum das Rennen nicht abgesagt wurde, ist unklar.

Die Läufer waren am Sonntagvormittag im österreichischen Ehrwald bei Regenwetter gestartet, um die 2100 Höhenmeter zu überwinden. Die 14,7 Kilometer lange Wegstrecke führt zum Teil über Steingeröll. Der bisherige Rekord für das Rennen liegt bei zwei Stunden und drei Minuten - Bergsteiger benötigen für die Strecke rund neun Stunden.

"Gerade aufgrund dieser unvergleichlichen Besonderheiten des Laufes in einer traumhaften Bergwelt wird jeder, der eines der Ziele erreicht, ein Sieger sein", warb der Veranstalter für den Lauf, der zum achten Mal ausgetragen wurde.

jjc/jdl/cjp/ddp/AP/dpa



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