Radiomoderatoren über Telefonscherz: "Wir dachten, 30 Sekunden, das war's"

Erstmals äußern sich die beiden australischen Radiomoderatoren zu dem Telefonscherz mit einer Krankenschwester in der Klinik von Herzogin Catherine. Tränenreich sprechen sie über den Tod der Frau, die auf den Streich hereingefallen war - und über den "schlimmsten Anruf ihres Lebens".

AFP/ Nine Network/ A Current Affair

London/Sydney - Drei Tage waren die australischen Radiomoderatoren Mel Greig und Michael Christian untergetaucht. Sie wurden psychologisch betreut, abgeschirmt von den Medien, von der heftigen Kritik, den Anfeindungen und Todesdrohungen. Nun haben sich Greig und Christian in zwei Interviews zu dem Vorfall geäußert, der ihre Karrieren, wenn nicht ihr Leben, veränderte: zu dem Tod einer Londoner Krankenschwester, die zuvor Opfer ihres Telefonscherzes geworden war.

"Es war der schlimmste Anruf meines Lebens", sagte Greig in der australischen Sendung "A Current Affair" über den Moment, als sie vom Tod der Frau erfahren habe. Die 46-jährige Krankenschwester hatte den Anruf der Moderatoren - die sich als Königin Elizabeth II. und Prinz Charles ausgaben - an eine Kollegin weitergeleitet. Diese gab dann tatsächlich Auskunft über den Gesundheitszustand der schwangeren Herzogin Catherine. Wegen einer schweren Form der Schwangerschaftsübelkeit war Kate Patientin im King Edward VII. Hospital.

Greig sagte in dem Interview, sie denke nun an die Familie der Verstorbenen. Sie würde sich gerne bei ihnen entschuldigen und sie umarmen. "Ich hoffe, sie sind ok." In einem anderen Interview mit "Today Tonight" sagte Greig unter Tränen, sie könne nicht aufhören, an den Vorfall zu denken. "Meine erste Frage war: War sie Mutter?" Der Gedanke sei herzzerreißend, dass sie etwas mit dem Tod zu tun haben könnte.

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Radiomoderatoren Greig und Christian: "Der schlimmste Anruf"
Auch Greigs Kollege Christian gab sich reumütig. "Bei dem Anruf hätten wir im Zentrum stehen sollen", sagte er. Es sei ausschließlich um die albernen Akzente gegangen, da hätte es aufhören sollen. "Als wir das ausheckten, war für uns klar, das dauert allenfalls 30 Sekunden, das Krankenhaus würde den Hörer auflegen und das war's." Er sei nun am Ende seiner Kräfte, enttäuscht und todunglücklich.

"Unvorhersehbare Konsequenzen"

Die Entscheidung, das aufgenommene Material zu senden, sei an höherer Stelle getroffen worden, sagten beide Moderatoren. Die Konsequenzen des Telefonstreichs hätte niemand vorhersehen können, erklärte Rhys Holleran, Chef des australischen Medienkonzerns Southern Cross Austereo (SCA), zu dem der Radiosender 2DayFM gehört - er war bereits in der Vergangenheit durch Geschmacklosigkeiten aufgefallen.

Der Sender habe die Klinik "nicht weniger als fünfmal angerufen", um die Aufnahme zu besprechen, sagte Holleran. Die Verantwortlichen hätten das Band Anwälten vorgelegt, die die Veröffentlichung laut Holleran freigaben. Damit seien angemessene Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden, zitiert "Daily Mail" den Manager.

Dennoch üben Branchenkenner Kritik an dem Vorgehen. Die langjährige Rundfunkjournalistin Wendy Harmer geht davon aus, dass der Sender Rundfunkrichtlinien verletzt habe. Er hätte das Band nur nach Zustimmung aller Beteiligten ausstrahlen dürfen, sagte sie dem Sender ABC. Tatsächlich lautet ein Kodex der australischen Medienaufsichtsbehörde ACMA: Ein Beitrag mit den Worten einer identifizierbaren Person darf nur gesendet werden, wenn diese im Vorfeld darüber informiert wurde. Wurde die Person ohne ihr Wissen aufgenommen, muss sie dem Senden des Beitrages explizit zustimmen.

Am Boden zerstört

Auch die Klinikleitung hatte gegen die Ausstrahlung protestiert. "Es war extrem albern von Ihren Moderatoren, auch nur daran zu denken, sich durch Lügen Zugang zu einer unserer Patientinnen zu verschaffen", heißt es in einem Brief des Klinikpräsidenten Simon Glenarthur an den Medienkonzern SCA. Dadurch seien "zwei aufopferungsvolle und fürsorgliche Krankenschwestern, die einfach nur ihrer Arbeit nachgingen", zutiefst beschämt worden.

Die Krankenschwester, Mutter zweier Kinder, sei "am Boden zerstört" gewesen, unfreiwillig Teil des Vorfalls gewesen zu sein, sagte ihr Bruder der "Daily Mail". "Ich bin todunglücklich über den Verlust meiner geliebten Frau", schrieb der Ehemann der Krankenschwester auf Facebook. Die Beerdigung werde in ihrem Heimatland Indien stattfinden.

aar/dpa/AFP/AP

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Nach Telefonscherz: Schock über Tod von Kates Krankenschwester