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22. November 2012, 12:44 Uhr

Toter aus der Elbe

43-Jähriger nahm sich offenbar selbst das Leben

Es war ein ungewöhnlicher Fall für die Hamburger Mordkommission: Ein Angler zog die Leiche eines 43-Jährigen aus der Elbe - sie steckte in einem Sack, eine Schusswunde im Kopf. Das Opfer hatte ein geheimnisvolles Leben geführt. Inzwischen gehen die Ermittler von einem Suizid aus.

Hamburg - Monatelang rätselte die Hamburger Mordkommission über den Toten aus der Elbe. Nun gehen die Ermittler mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit", so eine Sprecherin, von einem Suizid aus.

Ende Juni hatte ein Angler die Leiche eines 43-Jährigen aus der Elbe gefischt. Der Tote steckte in einer zu einem Sack verschnürten Segeltuchplane. Er trug Arbeitskleidung und war durch einen Kopfschuss gestorben, ein bis zwei Wochen könnte er im Wasser gelegen haben. Auf dem Rücken trug er eine Umhängetasche, in der sich mehrere Steine befanden - offenbar sollte das zusätzliche Gewicht die Leiche untergehen lassen. Eine Waffe wurde nie gefunden.

Im Laufe der Ermittlungen wurde der Fall immer mysteriöser. Die Identität des Toten blieb lange ungeklärt, erst nach Wochen brachte ein Fingerabdruck Klarheit. Der Mann war ein Einzelgänger, die Polizei fand kaum etwas über ihn heraus, es gab keine Freunde, keine Kontakte ins kriminelle Milieu. Auch zu seiner Familie bestand seit Jahren keine Verbindung. Hinweise zu dem Mann konnte kaum jemand geben.

Die Wohnung des Toten war komplett leergeräumt und frisch renoviert, nicht einmal ein Bett oder ein Teppich waren vorhanden. Die Ermittler standen vor einem Rätsel - und wandten sich mehrfach an die Öffentlichkeit. Die äußeren Umstände deuteten auf ein Verbrechen hin.

Zuletzt kam die Polizei jedoch zu der Überzeugung, dass es sich um einen Suizid handeln muss. Ein wichtiger Punkt war laut der Sprecherin ein Vorfall aus dem Jahr 2004. Damals sei der Mann aus ungeklärter Ursache mit einem Wagen gegen eine Mauer gefahren und habe schwer verletzt überlebt. Auch damals sei seine Wohnung komplett aufgeräumt gewesen - offenbar handelte es sich um einen Suizidversuch. 2004 lebte der Mann noch in Berlin, vier Jahre später zog er zurück nach Hamburg und lebte von Hartz IV sowie vereinzelten Ein-Euro-Jobs.

Die Ermittlungen in dem Fall seien nun abgeschlossen, so die Sprecherin.

hut

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