Toter Bär Morddrohungen gegen Brunos Todesschützen

Drei Jäger haben Braunbär Bruno in den frühen Morgenstunden erlegt. Die Namen der Schützen sollen nicht bekannt gegeben werden - beim Jagdverband gingen bereits Morddrohungen ein.


München - Das Landratsamt Miesbach dementierte Gerüchte, wonach Landkreis-Angestellte den Bären getötet hätten: "Wir beschäftigen keine Jäger", sagte ein Sprecher. Wer den Schuss auf den Bären abfeuerte, sei der Behörde nicht bekannt. Auch der bayerische Jägerverband erklärte, nichts über den Schützen zu wissen: "Der, der den Bären geschossen hat, ob Polizist, Jäger oder Berufsjäger, wird sicherlich nicht sehr froh damit werden", sagte ein Jagdverbandssprecher. Es seien schon Morddrohungen eingegangen, fügte er hinzu.

"Der Schuss ist gefallen. Der Bär ist tot", hat der bayerische Bärenbeauftragte Manfred Wölfl heute Morgen mitgeteilt. Das Raubtier wurde nach Angaben des bayerischen Umweltministeriums um 4.50 Uhr im Rotwandgebiet oberhalb des Spitzingsees erschossen.

Am Sonntagabend hatte der Wirt einer 1700 Meter hoch gelegenen Hütte im Rotwandgebiet die Polizei alarmiert, nachdem der Bär wenige Meter daran vorbei marschiert war. Da seien die Gäste gerade beim Abendessen gewesen, sagte Hüttenwirt Peter Weihrer. "Ich sagte den Gästen, dass sie im Haus bleiben sollen. Dann ging ich hinaus und schrie den Bären an". Bruno sei daraufhin geflüchtet. "Er hat vor uns Angst gehabt."

Bärenwanderung: Seine letzten Stationen
WWF/SPIEGEL ONLINE

Bärenwanderung: Seine letzten Stationen

Erst seit heute Nacht war der Bär überhaupt wieder zum Abschuss freigegeben. Zuvor waren alle Versuche gescheitert, das Tier lebend zu fangen - sehr zum Bedauern von Tierschützern. "Unsere Bärenanwälte waren sechs Wochen ununterbrochen im Einsatz", sagte eine WWF-Sprecherin zu SPIEGEL ONLINE, "in der Hoffnung das Tier lebend zu fangen." Dass es so schnell getötet würde, habe niemand gedacht.

Allerdings sei der Bär tatsächlich ein Sicherheitsrisiko und der Abschuss demnach immer eine Option gewesen, die das Jagdgesetz vorsieht. Den insgesamt knapp 20 Bären in Kärnten und der Steiermark werde es nach Brunos Tod nicht an den Kragen gehen, so die Sprecherin. "Im Gegenteil, wir hoffen auf weitere Zuwanderung aus Slowenien." Schließlich lebten sie fernab von Siedlungen und bildeten deshalb keine Gefahr für Menschen.

"Die dümmste aller Lösungen"

Die Jugendorganisation des Bund Naturschutz hat den Abschuss des Braunbären scharf kritisiert. "Das ist eine Tragödie für den bayerischen Naturschutz", erklärte der Geschäftsführer der Naturschutzjugend, Bernd Orendt, heute in München. Orendt warf dem bayerischen Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) Aktionismus vor. "In Kärnten spazieren Bären an Kindergärten vorbei, ohne dass sich jemand aufregt und auch die bayerische Bevölkerung freut sich über JJ1, nur der Umweltmister kriegte es mit Angst um seine Karriere zu tun und machte einen Schnellschuss", sagte Orendt.

Auch der Präsident des Deutschen Naturschutzrings, Hubert Weinzierl, verurteilte den Abschuss des Braunbären. "Das ist die dümmste aller Lösungen", sagte Weinzierl. Die Deutschen hätten gelassener auf den ersten Bären reagieren müssen, in anderen Ländern lebten Bär und Mensch friedlich zusammen. "Nur in Deutschland wird er liquidiert."

Der Bär, der aus Italien stammt und die offizielle Bezeichnung JJ1 trägt, war am 20. Mai dieses Jahres das erste Mal in Deutschland gesichtet worden. In Garmisch-Partenkirchen hatte er mehrere Schafe gerissen, anschließend überfiel er in Bayern auch Hühner- und Hasenställe, räumte Bienenstöcke aus und tötete immer wieder Schafe. In den vergangenen Wochen legte Bruno Ministeriumsangaben zufolge mehr als 300 Kilometer zurück und durchstreifte eine Fläche von 6000 Quadratkilometern.

str/aki/dpa/ddp/AP


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