Tragischer Gewittersturm Zwei Tote und 13 Verletzte in Berliner Kinderzeltlager

Bei schweren Unwettern in Berlin und Brandenburg sind am Mittwochabend fünf Menschen ums Leben gekommen, darunter zwei Kinder. 13 weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Die Feuerwehr verhängte den Ausnahmezustand.


Naturschauspiel mit tragischen Folgen in Berlin
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Naturschauspiel mit tragischen Folgen in Berlin

Berlin - Wie ein Polizeisprecher mitteilte, hatten die beiden Kinder an einem Zeltlager auf der Wannsee-Insel Schwanenwerder teilgenommen. Bei dem tragische Unwetter-Unglück sind außer zwei toten Kindern auch 13 Verletzte zu beklagen.

Bei den Todesopfern, die von Bäumen erschlagen wurden, handelt es sich um einen 15 Jahre alten Jungen aus Frankfurt/Main und einen Zwölfjährigen aus Berlin-Müggelheim, teilte der Berliner Landesbranddirektor Albrecht Broemme am frühen Donnerstagmorgen vor der Presse mit. Im Zeltlager auf der idyllischen Insel stürzten acht Bäume um. Zwei davon begruben die Jungen unter sich, die aus unbekannten Gründen noch in ihrem Zelt waren.

Die beiden getöteten Jungen seien Mitglieder der Jugendfeuerwehr gewesen. Spürhunde suchten in der Nacht weiter die Insel ab. Laut Broemme wurden aber keine weiteren Opfer vermutet. Zu den 13 Verletzten zählen Kinder, Jugendliche und Betreuer. Keiner schwebe in Lebensgefahr.

Kinder in Booten evakuiert

Die anderen rund hundert Kinder und Jugendlichen in dem Zeltlager hätten sich zu dem Zeitpunkt bereits zum oberen ungefährdeten Teil der Insel begeben. Die Zufahrt zur Insel war bis kurz vor Mitternacht wegen umgestürzter Bäume unpassierbar. Die Feuerwehr hatte deshalb die verletzten Kinder mit Booten evakuiert.

Noch am Nachmittag hatten amerikanische Halbwaisen das Zeltlager auf Schwanenwerder besucht, jedoch eine halbe Stunde vor Beginn des Sturms die Insel wieder verlassen.

Drei weitere Todesopfer in Berlin und Brandenburg

In Berlin-Pankow wurde laut Polizei ein Mann von einem Ast erschlagen. In Reinickendorf wurde ein 60-Jähriger vermutlich von einem umgestürzten Baum getötet. Außerdem wurde ein 18 Jahre alter Jugendlicher im brandenburgischen Mühlenbeck bei Berlin von einem Laubendach erschlagen.

Über dem Wannsee wurden während der Unglückszeit Orkanböen mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 152 Stundenkilometern gemessen. Nach einer ersten Bilanz seien in Berlin fast 1150 Bäume umgestürzt.

Ausnahmezustand der Feuerwehr

Feuerwehr und technisches Hilfswerk rückten in der Nacht nach eigenen Angaben zu rund 1500 Einsätzen aus. In der gesamten Hauptstadt habe das Unwetter schwere Schäden und Verkehrsbehinderungen verursacht, teilte die Polizei mit. In Berlin-Zehlendorf sei ein Baum auf einen Lastwagen gestürzt, der Gefahrgut transportiert habe. Um welche Art von Gefahrgut es sich handele, blieb zunächst unbekannt.

Auch auf der Berliner Stadtautobahn und im S-Bahn-Verkehr kam es den Angaben zufolge durch umgestürzte Bäume zu Störungen. Die Stadtautobahn wurde an mehreren Stellen gesperrt. Auch der Flugverkehr von und nach Berlin wurde zeitweise eingestellt.

Abgebrochenes Konzert auf der Museumsinsel

Im Stadtzentrum verlief das Gewitter etwas milder, die Feuerwehr war aber auch hier pausenlos zu Einsätzen unterwegs. Im Bezirk Mitte wurde ein Openair-Konzert der Gruppe "Air" vor der alten Nationalgalerie abgebrochen. Zahlreiche Besucher flüchteten sich unter das große Vordach der Antikensammlung und applaudierten nach spektakulären Blitzen. Wie tragisch der Gewittersturm nur wenige Kilometer entfernt verlief, konnte hier niemand ahnen.

Das Sturmgewitter zog am späten Abend nach Mecklenburg-Vorpommern weiter, wo gegen Mitternacht immer noch Windgeschwindigkeiten von mehr als 120 km/h gemessen wurden. Die Bevölkerung wurde von den Wetterdiensten aufgefordert, Bäume zu umgehen, um nicht von Ästen getroffen zu werden und Tiefgaragen wegen der Gefahr von Überflutung zu meiden.

Entwarnung in Mecklenburg-Vorpommern

Am frühen Morgen meldete die Polizei, dass der schwere Sommersturm in Mecklenburg-Vorpommern keine ernsteren Schäden angerichtet habe. Nach Angaben der Schweriner Polizei waren bis zum frühen Morgen weder ernsthaft Verletzte noch bedeutendere Unglücke gemeldet worden. Zwar liefen Keller voll, Bäume wurden entwurzelt und Häuser und Autos beschädigt. Von schweren Folgen, wie etwa Todesopfern wie in Berlin, sei das Land jedoch verschont geblieben.



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