Tragödie an der Algarve Zeugen berichten vom Todeskampf im Wasserstrudel

Weil sie ihre Kinder vor dem Ertrinken retten wollten, starben drei britische und ein deutscher Tourist an der portugiesischen Küste - und einige Surfer mussten machtlos zu sehen. Augenzeugen schildern jetzt die tragischen letzten Minuten der Urlauber.


Sagres - Zum letzten Mal an diesem Tag hatten die Kinder im Meer baden wollen. Eigentlich hatten die Familien vorgehabt, in ihre Quartiere zurückzukehren, warteten aber noch ab. Dann gingen die Kinder - unter anderem ein britisches Geschwisterpaar und ein deutscher Junge - an diesem verhängnisvollen Montagnachmittag am Strand Praia do Tonel an der portugiesischen Algarve noch einmal schwimmen. Kurz darauf kam es zur Katastrophe. Wie Augenzeugen der britischen Zeitung "Times" berichteten, bildete sich in der Nähe eines Felsens, wo die Kinder schwammen, eine gefährliche Strömung.

Blick auf Praia do Tonel: Keine Schilder, die Touristen warnen
DPA

Blick auf Praia do Tonel: Keine Schilder, die Touristen warnen

Im Wasser waren zur gleichen Zeit sechs Surfer - der Strand hat den Ruf, mit seinen hohen Wellen zu den besten Surfrevieren der Welt zu gehören. Einer der Wassersportler war Jaime Revuelta, der mitansehen musste, wie die Erwachsenen bei dem Versuch, ihre Kinder zu retten, selbst ertranken. Den Vater der beiden britischen Kinder sah er in den Fluten versinken.

"Es war schrecklich, absolut furchtbar", sagte er der "Times". "Ich werde nie seinen Gesichtsausdruck vergessen, als wir noch versuchten, ihn aus dem Wasser zu ziehen." Dem Mann sei es noch gelungen, seinen Sohn zu retten, er sei dann aber von der Strömung in die Tiefe gerissen worden. Die Surfer versuchten noch, ihn festzuhalten - vergebens. 20 Minuten dauerte der Kampf. Als es ihnen schließlich gelang, den 52-Jährigen auf eins der Bretter zu hieven und ihn an Land zu bringen, konnte die Helfer ihn nicht mehr retten. Auch seine Frau ertrank, ebenso wie eine Freundin der Familie. Der Vater des deutschen Jungen erlitt an Land einen Herzinfarkt und starb ebenfalls.

Zurück bleiben schockierte Angehörige. Die Familien der Opfer, vor allem die Kinder, die den Tod ihrer Eltern miterlebten, werden psychologisch betreut.

Nun werden Vorwürfe laut, die Behörden hätten nicht eindringlich genug vor den Gefahren des Meeres gewarnt. Der Strand war nach Angaben der Polizei zwar bereits offiziell geschlossen, einen Hinweis darauf suchen Urlauber aber vergebens.

Einheimischen sind die Gefahren der Gezeiten an der Küste bestens bekannt. "Die Strömungen können wirklich sehr stark sein", sagte Daniel Salvaterra, Inhaber einer Surfschule am Praia do Tonel, der Zeitung. Den Kindern habe er noch gesagt, dass das Baden in der Nähe des Felsens gefährlich sei. Dann sei er kurz fortgegangen. Als er zurückkehrte, habe er den Urlaubern nicht mehr helfen können. "Wenn die Flut kommt, bildet sich an den Felsen oft eine Sandbank, die bei Ebbe wiederum gefährliche Strudel verursacht." Am Strand steht ein Schild, auf dem zu lesen ist, dass um diese Jahreszeit keine Rettungsschwimmer mehr im Einsatz sind - auf Portugiesisch. "Es gibt keine Schilder, die die Touristen warnen", sagte Salvaterra. "Die Surfer wissen immer, wo das Wasser gefährlich ist - die Touristen nicht."

ffr



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