Tragödie in der Haute Cuisine Stern weg, Koch tot

Einer der bekanntesten Köche Frankreichs, Bernard Loiseau, ist tot - angeblich hat er sich erschossen, weil sein Restaurant in der Bewertung des "GaultMillau" abgerutscht war. Dieses Urteil habe Loiseau das Leben gekostet, wirft nun Starkoch Paul Bocuse den Kritikern vor.


Starkoch Loiseau: Degradierung nicht verkraftet?
AP

Starkoch Loiseau: Degradierung nicht verkraftet?

"Bernard Loiseau ist am Montag, den 24. Februar 2003 auf plötzliche Weise am späten Nachmittag gestorben. Die Beerdigung findet in Saulieu statt. Der Zeitpunkt wird bekannt gegeben, sobald er feststeht", lautet die knappe Mitteilung auf der Internetseite des wohl bekanntesten französischen Starkochs. Seine Witwe Dominique werde seine Arbeit fortsetzen. "Der Geist Loiseaus soll weiterleben."

Die Todesursache ist bislang noch nicht bestätigt, französische Zeitungen berichteten jedoch am Dienstag, der Drei-Sterne-Koch habe sich auf seinem Anwesen im burgundischen Saulieu mit einem Jagdgewehr eine Kugel in den Kopf geschossen. Von offizieller Seite lag noch keine Stellungnahme vor, die Leiche werde obduziert, hieß es.

In jüngster Zeit musste Loiseau, der durch zahlreiche Fernseh- und Radiosendungen zu einem der bekanntesten Köche Frankreichs aufgestiegen war, Kritik an seiner Arbeit einstecken: In der neuesten Ausgabe des zweitwichtigsten Restaurantführers GaultMillau erhielt er nur noch 17 von 20 möglichen Punkten. Bislang hatte er sich mit 19 Punkten schmücken dürfen. Loiseaus Kollege Paul Bocuse sagte, diese Herabstufung habe ihn schwer getroffen. "Bravo GaultMillau, Sie haben gewonnen. Ihr Urteil hat einem Menschen das Leben gekostet", zitierte "Le Parisien" den Ausnahmekoch Bocuse.

Der Radiosender RTL, für den Loiseau regelmäßig arbeitete, berichtete, der Koch habe sich wegen Gerüchten über eine Abstufung unter Druck gefühlt und habe sich wieder mehr um seine Restaurants kümmern wollen. Der Guide Rouge, der frühere Guide Michelin, zeichnete ihn in seiner jüngsten Ausgabe weiter mit drei Sternen aus.

Der Chef des "GaultMillau", Patrick Mayenob, wies alle Vorwürfe zurück. Er könne sich nicht vorstellen, dass die Herabstufung etwas mit dem Tod Loiseaus zu tun habe, sagte er dem Fernsehsender LCI. "Eine Note oder ein Stern weniger tötet nicht. Bernard Loiseau, dieser große französische Küchenchef, hatte sicherlich andere Probleme, andere Sorgen."

Loiseau führte vier Restaurants und brachte als erster Franzose sein Kochimperium an die Börse. Seinen Ruhm begründete Loiseau mit dem "La Côte d'Or" in Saulieu, das 1991 erstmals vom "Guide Michelin" mit drei Sternen ausgezeichnet wurde. Zu den Spezialitäten des Hauses zählten exklusive Speisen wie Froschschenkel-Schinken mit Knoblauchpüree und Petersiliensaft, Weißes Hühnerfleisch mit Trüffeln und in Trüffelsaft gegarter Stopfleberpastete oder Pot-au-Feu aus Entenstopfleber mit Gemüse.



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