Traudl Junge: Hitlers Sekretärin tot

Hitler sei "ein echter Verbrecher" gewesen, sie habe es nur nicht gemerkt, hatte Traudl Junge gesagt, die letzte Sekretärin des "Führers". Nun ist Junge gestorben, kurz nachdem bei den Berliner Filmfestspielen ein Dokumentarfilm über ihr Leben vorgestellt worden war.

Traudl Junge
AP

Traudl Junge

Berlin - Am Mittwoch bestätigte eine Sprecherin der Filmfestspiele, dass die 81-Jährige in der Nacht zum Montag in einem Münchner Krankenhaus einem Krebsleiden erlegen sei. Am Sonntag war auf der Berlinale der Film "Im toten Winkel" präsentiert worden, in dem Junge über ihre Jahre von 1942 bis 1945 als Sekretärin des Diktators berichtet.

Der Bericht, in dem Junge zum ersten Mal überhaupt über ihre Schuldgefühle sprach, hatte viele Zuschauer erschüttert. Für ihr Versagen, Hitler gedient zu haben, gebe es keine Entschuldigung, hatte die alte Dame in dem Film erklärt: "Hitler war ein echter Verbrecher, ich habe es nur nicht gemerkt. Und außer mir haben es Millionen nicht gesehen." Ihre Schilderungen nannte der Wiener Künstler André Heller, der mit Regisseur Othmar Schmiderer die Dokumentation zusammenstellt hatte, einen Beweis für die "Banalität des Bösen". "Ich hab den Film freigegeben, jetzt gibt mich das Leben frei", hatte Junge zu Heller und Schmiderer gesagt, nachdem sie ihr die 90-minütige Dokumentation vorgeführt hatten.

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