Traueranzeige für Knut "Wir klagen die Zooleitung an"

Die Trauer um den verstorbenen Eisbären Knut trägt immer skurrilere Blüten: Im Berliner "Tagesspiegel" schalteten Fans nun eine Anzeige. Darin werfen sie dem Zoo vor, das Tier "nur verwahrt zu haben".

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Berlin - Der "Tagesspiegel" verfolgte zu Lebzeiten nahezu jeden Entwicklungsschritt von Knut. Wer in der Archivsuche den Namen des berühmtesten Eisbären Deutschlands eingibt, wird über die ersten Entwicklungsschritte und das Babyalbum des "Knuddeltiers" ebenso informiert wie über den Prozess um das beliebte Zootier, das Ende seiner Junggesellenzeit, die drohende Entmannung oder den tödlichen Ausflug eines Kormorans in Knuts Käfig.

Der "Tagesspiegel" schien trauernden Fans daher wohl auch die passende Umgebung für eine Anzeige zu geben, in der sie schwere Vorwürfe gegen den Berliner Zoo erheben. "Wir klagen die Zooleitung an, Dich nur verwahrt zu haben", heißt es in der Annonce, die die Berliner Tageszeitung am Samstag veröffentlichte. Knut habe sich in seinem Gehege zuletzt sehr bedrängt gefühlt.

Der erst vierjährige Eisbär war vor einer Woche auf dem Bärenfelsen im Zoo Berlin zusammengebrochen, ins Wasser gestürzt und gestorben. Eine erste Sektion ergab, dass Knut eine schwere Gehirnerkrankung hatte.

Tierschützer kritisieren, dass Knut am Ende mit drei älteren Eisbärweibchen in einem Gehege leben musste. Sie vermuten, dass das Tier an Stress gestorben sein könnte.

Unter Wissenschaftlern gibt es inzwischen die Theorie, ein epileptischer Anfall könnte die Todesursache sein. "Wir sind absolut sicher, dass Knut durch einen epileptischen Anfall gestorben ist", sagte der Neurologe Christian Elger von der Universität Bonn dem Magazin "Focus". Der Krampf schalte beim Sturz ins Wasser alle Schutzreflexe im Gehirn aus, auch beim Menschen. "Epileptiker haben ein 23-mal höheres Risiko, durch Ertrinken zu sterben", sagte Elger.

Knuts Gehirn wird derzeit in der Pathologie am Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung untersucht. Am kommenden Donnerstag sollen die Ergebnisse auf einer internationalen Pressekonferenz bekanntgegeben werden.

Knut war nach der Geburt von seiner Mutter verstoßen und per Hand von seinem Pfleger aufgezogen worden. Das Schicksal des Bären hatte weltweit viele Menschen berührt.

siu/dpa

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insgesamt 156 Beiträge
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dr.épernay-boiler 26.03.2011
1. Mir tut der große weiße Wuschel ja auch leid
der dem guten Thomas Dörflein folgt. Die Zooleitung wurde ohnehin weltweit von Experten kritisiert. Aber es wäre es angesichts dieser Blütenbildung nicht besser, würde man den schmelzenden Eisberg im Dorfe belassen - und eine Obduktion und Untersuchung von externen unabhängigen Fachkräften durchführen lassen? Sonst gibt es bald noch mehr Tote.
motormouth 26.03.2011
2. ...
Zitat von sysopDie Trauer um den verstorbenen Eisbären Knut trägt immer skurrilere Blüten: Im Berliner "Tagesspiegel" schalteten Fans nun eine Anzeige.*Darin werfen sie dem Zoo vor, das Tier "nur verwahrt zu haben". http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,753350,00.html
Eine Traueranzeige für ein verendetes Zootier? Die haben offenbar nicht alle Latten am Zaun! Junge, Junge, Junge, aus diesem Staat kann ja so auch nichts werden...
Indigo76 26.03.2011
3. Titelverweigerer
Eins ist doch seltsam. Diese Leute, die die Zooleitung anklagen, waren vermutlich alle schonmal in diesem Zoo, um Knut zu besuchen. Wenn es aber keine Zoobesucher gäbe, dann gäbe es auch keine Zoos und damit keine schlechte Zootierhaltung. Schuld sind im Endeffekt also genau die Leute, die sich jetzt beschweren.
genugistgenug 26.03.2011
4. keine Kuscheltiere
Zitat von sysopDie Trauer um den verstorbenen Eisbären Knut trägt immer skurrilere Blüten: Im Berliner "Tagesspiegel" schalteten Fans nun eine Anzeige.*Darin werfen sie dem Zoo vor, das Tier "nur verwahrt zu haben". http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,753350,00.html
nur verwahrt? Hätte der Zoo vielleicht Kuschelkurse mit Knut anbieten sollen um ihn zu beschäftigen? Hätten sich die Kondolenzschreiber vielleicht freiwillig gemeldet um mit Knut zu spielen? Wenigstens hätte der Zoo dann Futterkosten sparen können ;-) PS gab es nicht ein gewisses aufheben als Knut sich VOR den Augen von Besuchern einige Fische gefangen und verspeist hatte?
myoto 26.03.2011
5. Stimme zu
Zitat von motormouthEine Traueranzeige für ein verendetes Zootier? Die haben offenbar nicht alle Latten am Zaun! Junge, Junge, Junge, aus diesem Staat kann ja so auch nichts werden...
Sehe ich auch so. Nichts gegen den Eisbären, aber als ich hörte er sei tot war ich froh das nun endlich mal Ruhe ist. Und nun geht der ganze Mist von vorne los.
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