Trends der Fashion Week: In den Kleiderschränken der Welt

Aus Paris berichtet Wlada Kolosowa

Man muss nicht um die Welt reisen, um zu sehen, was in den Metropolen getragen wird. Denn die Welt kommt zur Fashion Week nach Paris. Auf der Straße zeigt sich, was in der kommenden Saison angesagt ist. Eine Nahaufnahme.

Paris Fashion Week: Form vollendet Fotos
AFP

Shoko Yamashita kommt aus Tokio und studiert seit einem Jahr in Paris Kunstphilosophie

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Cedric Faimali / Argos / Picturetank
Was haben Sie an? Wo der Hut herkommt, weiß ich nicht mehr. Das weiße Shirt ist von Yves Saint Laurent. Der Hosenrock und alles andere sind von Yohji Yamamoto.

Wie sieht es in Ihrem Kleiderschrank aus? Wie in einem Schwarzweiß-Film. Blau oder Rot habe ich das letzte Mal als Kind getragen. Ich finde, dass Schwarz und Weiß die buntesten Farben sind. Es ist wie mit alten Fotos: Wenn keine Farben da sind, muss die Fantasie arbeiten.

Schwarz ist also nicht gleich Schwarz. Nein, auf keinen Fall! Wenn man Kleidung mit verschiedenen Texturen kombiniert, kommen verschiedene Schattierungen zum Vorschein. Ich trage zwar nur zwei Farben, dafür mische ich viele Stoffe. Ich bin mir sicher: Texture Blocking ist das neue Ding.


Anna Nooshin, Modebloggerin aus Amsterdam

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Was haben Sie an? Einen Mantel von H&M, eine Tasche von Céline, Brille von Spitfire, Korsett von Dennis Diem. Luftholen ist nicht immer einfach, aber für die Fashion Week nehme ich das in Kauf. Normalerweise ist mein Kleidungsstil viel entspannter.

Was würden Sie nie tragen? UGGs, Crogs, New Balance Sneakers. Ich ziehe nie etwas an, was zu trendy ist. Mode hat für mich mehr mit sich Verkleiden, Experimentieren zu tun. Es sollte ein Spiel sein, keine Sklaverei des Laufstegs.

Was wird der nächste Kauf sein? Ein Lederharnisch.


Cole Hahn stammt aus New York und fotografiert für maryclaire.com

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Was tragen Sie? Lederjackett von Macy's, Pullover von Paul Stewart, Anstecktuch von Ralph Lauren und einen Hut von Barcelino aus Italien.

Wie sieht es in Ihrem Kleiderschrank aus? Ich nenne meinen Stil Casual Fly. Casual, weil ich komfortable Sachen trage, die zu allen Anlässen passen. Fly, weil ich dadurch flugs für alle Lebenssituationen gerüstet bin.

Was ist für Sie Mode? Nichts. Mode ist Konsum. Jeder kann daran teilnehmen, der es sich leisten kann. Stil ist mir wichtiger: zu wissen, wer ich bin und sich ehrlich anzuziehen. Das hat nichts mit diesem Zirkus zu tun, der jedes halbe Jahr etwas Neues vorschreibt, damit die Leute mehr kaufen. Ich hätte lieber weniger Klamotten als mehr. Ich shoppe seit Jahren nicht mehr, wenn überhaupt, sammele ich Einzelstücke, die ganz besonders sind. Aber nicht auf Flohmärkten. Vintage ist in New York hoffnungslos überfischt.


Alice Ngan aus China fotografiert Streetstyles für das "Ketchup Magazine"

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Was haben Sie an? Schuhe von Agnès B., eine Vintage-Jacke, ein Kleid von Y's und durchsichtige Socken von einem Straßenmarkt in Hong Kong.

Wie sieht es in Ihrem Kleiderschrank aus? Ich nenne es Cheap and Chick. Ich mische Schnäppchen aus dem Schlussverkauf und Designermode aus zweiter Hand. Ich folge nicht den Veränderungen auf dem Laufsteg, sondern nur der eigenen Laune. Wobei die fast genauso wechselhaft ist.

Ihre Highlights auf der Fashion Week? Die Shows von Rick Owens und Chanel. Davor tummeln sich besonders viele Selbstdarsteller.


Natalia Seliwanowa aus Russland, Einkäuferin für Le Graal - einem Shop in Krasnodar

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Was haben Sie an? Einen Rock, eine Jacke von Rick Owens, Schuhe von Guidi und eine Tasche von Bottega Veneta.

Welche Kleidung verkaufen Sie am liebsten? Ich wünschte mir, die Menschen kauften Kleider, die ihre Persönlichkeit ausdrücken und nicht ihren Kontostand. Mode bedeutet für mich: Mut, sich von den anderen abzuheben, den Standard in Frage zu stellen. In Metropolen wie Moskau und St. Petersburg fängt man langsam damit an. In Krasnodar ist es noch schwierig. Die Menschen wollen zeigen, was sie für ein Kleidungsstück ausgegeben haben.

Und wie sieht es in Ihrem Kleiderschrank aus? Ziemlich dunkel. Und nicht immer aufgeräumt.


Luiz Fernando Barreto kommt aus Brasilien und arbeitet in einer Pariser Produktionsfirma

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Was haben Sie heute an? Alles ist aus zweiter Hand. Das meiste habe ich auf Flohmärkten in Straßburg gekauft - anders als in Paris bekommt man dort richtig preiswerte Sachen. Ich habe nichts an, was mehr als fünf Euro gekostet hat. Für meine Schuhe habe ich drei Euro gezahlt, der Rest kostet ein bis zwei Euro. Den Gürtel und die Hosen habe ich selbst gemacht.

Gibt es etwas, was Sie nie anziehen würden? Nein. Untragbar - das gibt es für mich nicht. Ich ziehe alles an. Außer Sneakers vielleicht, die tragen einfach zu viele. Mode ist für mich Attitüde, ein Alleinstellungsmerkmal. Es geht darum zu zeigen, wer du bist.

Und das wäre? Ein ziemlich flamboyanter Typ an der Schnittstelle von Südamerika und Europa.

Ein brasilianischer Designer, auf den man ein Auge werfen sollte? Pedro Lorenzo.


Rie Sakai, Modebloggerin aus London

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Was haben Sie heute an? Vintage-Mantel von Yves Saint Laurent, Shirt von Thom Browne, Hosen von Uniqlo, Schuhe von Repetto, Tasche von Felisi.

Was würden Sie nie tragen? Hotpants. Sachen, die mit riesigen Logos zugepflastert sind.

Wie sieht es in Ihrem Kleiderschrank aus? Ein bisschen zu voll. Ich liebe shoppen, ich mag den Prozess an sich. Ich fühle mich wie ein Jäger, wenn ich etwas entdecke, das ich schön finde und bezahlen kann. Höchstgrenze liegt bei 500 Euro. Normalerweise gebe ich für Klamotten im Monat etwa 200 Euro aus. Wenn ich etwas Großes kaufe, gehe ich aber für ein paar Monate auf Diät.

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insgesamt 17 Beiträge
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1. Hungerhaken
Baptist 06.03.2012
Über Geschmack lässt sich trefflich streiten und vielleicht kann ich als Mann nicht beurteilen, was "schön", was "schöne Mode" ist. Ich kann aber beurteilen, dass die Models, die in der Fotostrecke zu sehen sind, die wahrsten Hungerhaken sind und ihnen alles fehlt, was man mit Fraulichkeit bezeichnen könnte.
2. ...
johnnychicago 06.03.2012
Zitat von sysopCedric Faimali / Argos / PicturetankMan muss nicht um die Welt reisen, um zu sehen, was in den Metropolen getragen wird. Denn die Welt kommt zur Fashion Week nach Paris. Auf der Straße zeigt sich, was in der kommenden Saison angesagt ist. Eine Nahaufnahme. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,819325,00.html
Und da hat man gemeint die 70er und 80er wären modisch eine einzige Geschmacksverirrung gewesen.
3. (90 %
joppo 06.03.2012
Zitat von sysopCedric Faimali / Argos / PicturetankMan muss nicht um die Welt reisen, um zu sehen, was in den Metropolen getragen wird. Denn die Welt kommt zur Fashion Week nach Paris. Auf der Straße zeigt sich, was in der kommenden Saison angesagt ist. Eine Nahaufnahme. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,819325,00.html
90% der Frauen in Deutschland lauft rum mit klamooten von vor 15 jahre, die frisuren sind oft noch schlimmer
4.
umgänglich 06.03.2012
Zitat von BaptistÜber Geschmack lässt sich trefflich streiten und vielleicht kann ich als Mann nicht beurteilen, was "schön", was "schöne Mode" ist. Ich kann aber beurteilen, dass die Models, die in der Fotostrecke zu sehen sind, die wahrsten Hungerhaken sind und ihnen alles fehlt, was man mit Fraulichkeit bezeichnen könnte.
Nicht nur Hungerhaken, sondern auch noch hässlich geschminkt und frisiert und mit einem Gesichtsausdruck, der nicht darauf schließen lässt, dass sie da gerne catwalken. Ich kann mir die Klamotten eh nicht leisten. Könnte ich es, würde ich sie nicht haben wollen.
5.
bicyclerepairmen 06.03.2012
Zitat von johnnychicagoUnd da hat man gemeint die 70er und 80er wären modisch eine einzige Geschmacksverirrung gewesen.
Nö, die Sachen haben nur mehr gekratzt als heute. Ausserdem, was ist groß anders daran wenn ich heute auf der Strasse auf die lächerlichen, pickeligen Barrioverteidiger treffe oder den Jung gebliebenen Mittfuzziger mit Brilli im Ohr, gefärbter Igelfrisur und dem plautzenspannenden Muscleshirt ?
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