Tropensturm "Ernesto" gefährdet Shuttle-Start

Nach einem gewaltigen Blitzeinschlag in die Startrampe am Weltraumbahnhof Cape Canaveral musste der Start der Raumfähre "Atlantis" verschoben werden. Wegen Tropensturm "Ernesto" muss der Shuttle vielleicht sogar bis Oktober auf dem Boden bleiben.


Cape Canaveral/Washington - Die Raumfahrtbehörde Nasa teilte gestern mit, wegen der starken Winde müsse das Raumschiff vielleicht in einen 160 Meter hohen Hangar gebracht werden. Den Vorschriften zufolge muss ein Shuttle zwei Tage vor dem vorhergesagten Auftreten von Winden mit einer Stärke von mehr als 93 Stundenkilometern in Sicherheit gebracht werden. Dann dürfte es der Nasa jedoch schwer fallen, noch das jetzige Startfenster bis zum 7. September zu nutzen. Die nächste Gelegenheit wäre im Oktober.

Die Entscheidung über einen Start solle anhand der neuesten Wetterdaten heute um 13 Uhr (MESZ) getroffen werden, sagte Nasa-Manager LeRoy Cain. Von bislang 115 Shuttle-Starts seien bislang vier wegen drohender Gefahren durch Wirbelstürme abgebrochen worden.

Den ursprünglich für Sonntag geplanten Start hatte die Nasa wegen eines Blitzeinschlags in die Rampe der "Atlantis" verschoben. Das Raumschiff wartet in Cape Canaveral in Florida auf seinen Einsatz. Auf den Golf von Mexiko bewegt sich jedoch "Ernesto" mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 100 Kilometer pro Stunde zu. Für den Süden von Florida wurde Sturmwarnung herausgegeben.

Sollte bis morgen Mittag eine Evakuierung der Raumfähre notwendig werden, erscheint nach den Worten von Nasa-Startdirektor Mike Leinbach der geplante Start bis zum 7. September als eher unwahrscheinlich. In diesem Fall muss die Nasa das weitere Vorgehen mit der russischen Weltraumbehörde absprechen. Die "Atlantis" kann nämlich nur nach dem 7. September zur Internationalen Raumstation ISS fliegen, wenn der für den 14. September vorgesehene Start der russischen "Sojus"-Kapsel mit der neuen Langzeitbesatzung für die ISS ebenfalls verschoben wird.

Die russische Partneragentur macht aber Bedenken gegen eine Startverschiebung geltend. In diesem Fall würde die mit der derzeitigen Langzeitbesatzung zur Erde zurückkehrende "Sojus"-Kapsel nämlich nicht mehr bei Tageslicht landen können.

Mit dem Start der "Atlantis" will die Nasa die Transportflüge zum Ausbau der ISS wieder aufnehmen. Diese wurden nach dem tödlichen Unglück der Raumfähre "Columbia" am 1. Februar 2003 abgebrochen.

Der Flug der "Atlantis" gilt als einer der schwierigsten in der Geschichte der 116 Shuttle-Flüge. Die sechs Besatzungsmitglieder - fünf US-Bürger und ein Kanadier - sollen bei drei Weltraumeinsätzen ein Paar riesiger Sonnensegel an der ISS anbringen. Dies war eigentlich schon im Mai 2003 geplant. Die Energieversorgung wird sich mit den neuen Sonnensegeln verdoppeln, so dass künftig statt drei bis zu sechs Astronauten zu Langzeiteinsätzen an Bord bleiben können.

"Ernesto" herabgestuft

"Ernesto", der erste Hurrikan dieses Jahres, hat sich in der Nacht wieder zum Tropensturm abgeschwächt. Die Meteorologen gingen jedoch davon aus, dass sich "Ernesto" wieder an Kraft zunehmen könnte, ehe er heute Kuba erreichen werde. In Kuba und Haiti wurden wegen der drohenden Überschwemmungen vorsorglich Evakuierungen vorbereitet. Der Gouverneur von Florida, Jeb Bush rief ebenfalls vorsorglich den Notstand für den US-Bundesstaat aus.

"Ernesto" hatte zuvor mit Windgeschwindigkeiten von 120 Stundenkilometer Hurrikanstärke erreicht und war damit zum ersten Hurrikan der Saison geworden. Der Tropensturm wird nach Berechnungen des Nationalen Hurrikanzentrums in Miami heute und morgen von Südosten her Kuba überqueren. Im Laufe des Dienstags soll er dann Florida erreichen. Die Behörden der Inselgruppe Florida Keys forderten nach US-Fernsehberichten alle Touristen auf, das Gebiet sicherheitshalber zu verlassen.

Die kubanischen Behörden gaben gestern für die östlichen Landesteile der Insel eine erhöhte Sturmwarnung heraus. "Ernesto" bedroht Kuba", warnte die Jugendzeitung "Juventud Rebelde". Nach Angaben des Meteorologischen Zentrums von Kuba wird erwartet, dass "Ernesto" sich mit zwölf Stundenkilometern über die Insel bewegen wird. Im Radio wurde die Bevölkerung aufgefordert, Maßnahmen zur Absicherung ihrer Wohnhäuser zu ergreifen.

"Ernestos" Zentrum befand sich rund 200 Kilometer südlich von Guantanamo im Osten Kubas. Die Behörden befürchten vor allem Gefährdungen durch heftige Regenfälle und Hochwasser an den Südküsten von Guantanamo und Santiago de Cuba.

dab/reuters/dpa



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