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Trucker-Witz: Erneute Entgleisung eines BBC-Moderators

Gerade war über den Pöbel-Skandal um zwei BBC-Stars ein Hauch von Gras gewachsen, da muss die britische Sendeanstalt erneut Wogen glätten: Der Moderator eines TV-Automagazins soll Lkw-Fahrer verunglimpft haben. Er verglich sie mit Prostituierten-Mördern.

London - Die BBC galt einst nicht nur im Vereinten Königreich als Bastion von Qualitätsjournalismus und gepflegtem Sprachstil. Doch die Zeiten ändern sich.

Vergangene Woche umtoste ein Skandal kaum je erlebten Ausmaßes die Sendeanstalt. Zwei - hoch bezahlte - Radiomoderatoren, Jonathan Ross und Russell Brand, hatten auf der Mailbox eines britischen Schauspielers unflätige Nachrichten hinterlassen. Innerhalb weniger Stunden gingen Tausende Protestanrufe bei der BBC ein.

Am Ende verließ Russell Brand die Show, Jonathan Ross wurde für drei Monate - ohne Lohnfortzahlung - suspendiert und ein BBC-Verantwortlicher, der die aufgezeichnete Sendung ohne Beanstandung abgenommen hatte, musste seinen Hut nehmen.

Zudem muss sich der Kanal BBC 2 bei seinen Hörern und Gebührenzahlern entschuldigen - und bei dem Schauspieler und dessen Enkelin, die ebenfalls beleidigt worden war.

Doch trotz dieses hitzig diskutierten Vorfalls scheinen dem ein oder anderen BBC-Angestellten die Worte immer noch ungefiltert über die Lippen zu kommen.

Jeremy Clarkson co-moderiert das beliebte Automagazin "Top Gear" für die BBC. Am vergangenen Sonntag ließ sich Clarkson darin zu folgendem Wortbeitrag hinreißen: "Lkw-Fahrer müssen sich jeden Arbeitstag verdammt anstrengen: Schalten, schalten, schalten, in den Rückspiel gucken, eine Prostituierte ermorden. Schalten, schalten, morden. Echt anstrengend."

Am Tag der Ausstrahlung gingen laut Tageszeitung "Times" 517 Beschwerden bei der BBC ein, auch die Aufsichtsbehörde Ofcom gab an, dass sich wütende Zuschauer gemeldet hätten.

Bei der BBC setzt man nun auf Deeskalation. "Die große Mehrzahl der "Top Gear"-Zuschauer hat eine klare Vorstellung davon, was für eine Art TV-Persönlichkeit John Clarkson ist, und weiß, dass er häufig provoziert", sagte eine Sprecherin des Senders.

Clarksons Bemerkung über Lkw-Fahrer sei von ihm gemacht worden, um "ein unfaires Klischee über die Welt von Lkw-Fahrern komisch übertrieben darzustellen."

Brian Tobin, Vorsitzender eines Projekts, das sich unter anderem um Hinterbliebene von ermordeten Prostituierten kümmert, sagte der "Times": "Ich habe "Top Gear" gesehen und bin zusammen gezuckt. Das war geschmacklos und unsensibel. Viele Leute bei der BBC sollten erstmal nachdenken, bevor sie die Sachen sagen, die so aus ihnen raussprudeln. "

pad

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Humor bei der BBC: "Schalten, schalten, morden"


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