Tsunami-Gedenken Rückkehr an den Ort des Unglücks

Der Tsunami an Weihnachten 2004 kostete mehr als 200.000 Menschen das Leben, darunter 534 Deutschen. Nun gedachten Angehörige der Opfer in Thailand. Auch in Indonesien, Sri Lanka und Indien fanden Trauerfeiern statt.

AP/dpa

Khao Lak - "Mein Blut ist in diese Erde geflossen", sagt Ben Atréu Flegel an diesem Freitag an der Küste Südthailands. Der heute 25-Jährige war 2004 vor Ort, als der Tsunami Hunderttausende Opfer forderte. Auch Flegels Großeltern kamen dabei ums Leben.

Jetzt kehrte Flegel zurück, um gemeinsam mit deutschsprachigen Seelsorgern und mehr als 100 anderen der Opfer des verheerenden Tsunamis zu gedenken. Direkt am Strand von Khao Lak versammelten sich die Angehörigen sowie Überlebende zum Beten und Erinnern. Wie Flegel hatten viele andere die Katastrophe hier in unmittelbarer Nähe selbst miterlebt.

Am 26. Dezember 2004 hatte ein Erdbeben vor der indonesischen Insel Sumatra bis zu 20 Meter hohe Tsunami-Wellen ausgelöst. Sie zerstörten ganze Küstenstreifen in Indonesien, Thailand, Sri Lanka und Indien und waren sogar bis Madagaskar und Tansania sichtbar. Rund 230.000 Menschen rund um den Indischen Ozean kamen ums Leben, Zehntausende wurden verletzt und Millionen obdachlos. In Thailand waren unter den rund 5400 Todesopfern zahlreiche Touristen, darunter 534 Deutsche.

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"Die Bilder von damals haben ihren Schrecken nicht verloren"

Bei der Gedenkveranstaltung in Thailand verlas der deutsche Botschafter, Rolf Schulze, ein Grußwort von Bundespräsident Joachim Gauck. "Die Bilder von damals haben ihren Schrecken nicht verloren", schrieb Gauck. "Die Panik, das Chaos, die Wucht, als die große Welle kam." Viele Überlebende hätten bis heute schwer an den Ereignissen zu tragen: "Die Angst vor dem Ertrinken, der Verlust von geliebten Menschen, das tage-, manchmal wochenlange Bangen um ihre Wiederkehr haben Spuren hinterlassen."

Er bedankte sich im Namen der deutschen Opfer und ihrer Familien bei Ärzten, Seelsorgern, Forensikern und Bestattern, die damals halfen. Dank ging auch an die Millionen Spender, die Soforthilfe ermöglichten. Und er erinnerte an die Menschen vor Ort, die sich selbstlos gerade um die verletzten und mittellosen ausländischen Touristen kümmerten.

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Zehnter Jahrestag: Trauerfeiern nach dem Tsunami

In Indonesien kamen die Menschen schon in der Nacht und am frühen Morgen in zahlreichen Moscheen zusammen. Viele von ihnen weinten und klagten. Andere gingen zu den Massengräbern, um zu beten. "Ich habe im Tsunami zwei Kinder verloren, aber ich weiß nicht, wo sie beerdigt sind", sagte die 51 Jahre alte Maimunah an einem Massengrab. "Aber hier bete ich für alle Opfer."

Die indonesische Regierung bedankte sich für die weltweite Hilfe nach der Katastrophe. "Ich habe noch nie eine so außergewöhnliche Solidarität und Großzügigkeit erlebt", sagte Indonesiens Vizepräsident Jusuf Kalla bei einer Trauerfeier in Banda Aceh. Die Provinz Aceh auf der Insel Sumatra war vor zehn Jahren am stärksten von den Riesenwellen getroffen worden. Rund 170.000 Menschen starben dort.

Auf dem Platz Blang Padang im Zentrum der Provinzhauptstadt Banda Aceh versammelten sich am Morgen zahlreiche Menschen - zu genau der Zeit, als die Riesenwellen vor zehn Jahren auf die Küste trafen. Neben der Tsunami-Skulptur in Form von fünf großen Wellen stand eine große Bühne. Junge Indonesier führten Tänze in traditioneller Kleidung auf, um sich für die Spenden zu bedanken.

In der Großen Moschee Baiturrahman in Banda Aceh waren bereits am Vorabend rund 7000 muslimische Geistliche, Überlebende und Rettungskräfte zusammengekommen. Die Moschee war vor zehn Jahren nahezu unbeschädigt in einer trostlosen Trümmerlandschaft stehengeblieben.

Die Gedenkfeier war die größte Versammlung in der Moschee seit dem Tsunami. "Gott hat dieses Haus unbeschädigt gelassen. Deshalb glauben wir Muslime", sagte der Imam der Moschee, Azman Ismail. "Wir beten dafür, dass die Toten an der Seite Gottes willkommen geheißen wurden", sagte ein Regierungsbeamter.

Sonderzug mit Überlebenden

In Sri Lanka fuhr ein Sonderzug mit Überlebenden bis zu genau der Stelle in Peraliya, wo damals eine gewaltige Welle den Zug traf. Unterwegs waren sie mit der Lok und Waggons von damals, wie Organisator Ralph Gunawardena sagte. Der Zug sei nach dem Unglück restauriert worden. Die tonnenschweren Waggons waren aus den Schienen gerissen und weit ins Landesinnere gespült worden. Rund 1600 Menschen starben in dem Zug. Die überlebenden Passagiere - darunter auch der Schaffner von damals - gedachten in einer religiösen Zeremonie der Opfer. Einige brachten alte Fahrkarten von damals und Fotos der Toten mit.

In Indien trafen sich die Menschen zu interreligiösen Gebeten, etwa auf den schwer getroffenen Andamanen und Nikobaren. Vor dem Tsunami-Denkmal in der größten Inselstadt Port Blair gedachten sie zwei Minuten lang der Toten, wie Distriktsprecher Arun Kumar Jha sagte. Im Süden des Subkontinents setzten viele Dorfbewohner Süßigkeiten und Blumen ins Meer. In staatlichen Schulen sei der toten Kinder gedacht worden, sagte Vanaja Soundrabai von der örtlichen Hilfsorganisation Sneha.

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yes/dpa/AFP

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