Tsunami-Gedenken "Auch nach vier Jahren kann ich nicht vergessen"

Reißende Fluten, Leichen am Strand, verzweifelte Überlebende: Tausende Menschen rund um den Indischen Ozean haben der Opfer der Tsunami-Katastrophe vor vier Jahren gedacht. Bei vielen Betroffenen sind die seelischen Wunden noch lange nicht verheilt.


Banda Aceh - Mit Schweigeminuten, Mahnwachen und Gebeten haben Tausende Menschen an die Opfer der Tsunami-Katastrophe vor vier Jahren erinnert. Von Indonesien bis Indien wurden am Freitag nach heimischem Brauch gemeinsame Mahlzeiten eingenommen und dabei Kerzen für die tödlich Verunglückten angezündet. Am 26. Dezember 2004 riss die von einem heftigen Erdbeben ausgelöste Flutwelle etwa 230.000 Menschen in den Küstengebieten mehrerer Anrainerstaaten des Indischen Ozeans in den Tod.

Trauernde Frauen in Aceh: Gebete für die Opfer des Tsunami
REUTERS

Trauernde Frauen in Aceh: Gebete für die Opfer des Tsunami

In der Provinz Aceh, wo 168.000 Menschen durch den Tsunami ums Leben kamen, versammelten sich Trauernde in Moscheen, an Massengräbern und an den Stellen, an denen der Tsunami wütete. An diesem Ort sei das Wasser der Riesenwelle zuerst auf Land geschlagen, rief der Chef der Bezirksregierung, Ramli Mansur, der Menge im damals schwer verwüsteten Meulaboh zu. Die Gedenkfeier solle den Hinterbliebenen neuen Mut machen, "ein besseres Aceh wiederaufzubauen".

Am Rande der Trauerfeiern wurde auch Unmut über mangelnde Hilfe für die Opfer laut. In Meulaboh schwenkten rund 50 Menschen, die seit dem Tsunami obdachlos sind, nach den Feierlichkeiten Plakate, auf denen sie den Behörden Versagen vorwarfen. Auch in Indien beklagten Überlebende, sie hätten noch immer keine festen Häuser bekommen. Andere beklagten die schlechte Qualität der neu errichteten Häuser.

Der 42-jährige Ibrahim Musa aus Aceh erklärte, es komme ihm wie gestern vor, dass seine Familie ins Meer gespült wurde. "Auch nach vier Jahren kann ich nicht vergessen, wie ich meine Frau und unser Baby verloren habe", sagte der Angestellte im Öffentlichen Dienst. "Drei Jahre lang habe ich vergeblich nach ihnen gesucht. Nun habe ich keine andere Wahl, als ihren Verlust als Schicksal zu akzeptieren."

Siti Hasnaini betete am Strand von Aceh für ihre Tochter, die damals mit dem Haus der Familie weggespült wurde. Seitdem lebt die 40-Jährige mit ihrem Mann und zwei Söhnen in einer Notunterkunft. Die indonesische Regierung hat bis Ende Februar die Fertigstellung von neuen Wohnungen für rund 900 Familien zugesagt.

Überlebende kehren zum Gedenken nach Thailand zurück

Auch in Thailand, Sri Lanka und Indien wurde der Opfer gedacht. An den thailändischen Stränden mischten sich häufig auch Touristen unter die Trauernden. Ein Ehepaar aus den Niederlanden war nach Patong zurückgekehrt, wo die beiden vor vier Jahren den tödlichen Tsunami überlebten. Sie wollten derer gedenken, die damals nicht so viel Glück hatten, erklärten sie. In Sri Lanka wurde erstmals wieder der Touristenzug entlang der Küste eingesetzt, in dem vor vier Jahren mehr als tausend Fahrgäste ums Leben kamen.

Seit der Tsunami-Katastrophe wurden nach Regierungsangaben allein in Indonesien umgerechnet schon vier Milliarden Euro in den Wiederaufbau investiert. Rund 70 Prozent der Mittel kamen aus dem Ausland. Kritiker verweisen indessen darauf, dass trotz der Milliardenhilfen aus dem Ausland immer noch tausende Familien in der Katastrophenregion rund um den Indischen Ozean obdachlos sind beziehungsweise in Notunterkünften leben.

Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul lobte anlässlich des Jahrestags die Fortschritte beim Wiederaufbau. In Aceh hätten jetzt fast alle Menschen wieder ein Dach über dem Kopf, und Kinder könnten wieder zur Schule gehen. Deutschland habe sich hieran entscheidend beteiligt und rund 500 Millionen Euro bereitgestellt. Insbesondere verwies die SPD-Politikerin auf das mit insgesamt 51 Millionen Euro unterstützte Tsunami-Frühwarnsystem, das im vergangenen November in Jakarta in Betrieb genommen wurde.

ffr/AP/AFP



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