Ägäis Mehr als 200 Verletzte nach schwerem Erdbeben

Häuser wackeln, Scheiben bersten, Mauern bröckeln: Ein schweres Beben hat die Länder rund um die Ägäis erschüttert. Allein in der Türkei gab es mehr als 200 Verletzte.

AP

Athen - Ein schweres Beben und mehrere Nachbeben haben die Ägäis sowie große Teile des östlichen Mittelmeeres und der Balkanhalbinsel erschüttert. Der stärkste Erdstoß ereignete sich am Samstagmittag und war auch in Athen und Istanbul sowie in Bulgarien, der griechischen Hafenstadt Thessaloniki, auf der Halbinsel Peloponnes in Südgriechenland und bis nach Zypern zu spüren.

Tote oder Verschüttete gab es nicht. In der Türkei wurden jedoch bereits 266 Verletzte gezählt, darunter auch eine schwer verletzte Person, berichtete die türkische Behörde für Katastrophenschutz (AFAD). In der Regel waren es in Panik geratene Leute, die während des Erdstoßes aus Fenstern sprangen, oder beim Versuch, aus den Gebäuden zu fliehen, auf den Treppen stürzten.

Ahmet Cinar, Gouverneur der Provinz Canakkale, sagte dem Fernsehsender NTV, dass es in seiner Provinz mehr als hundert Menschen mit leichten Verletzungen gebe. Gebäude seien beschädigt worden, darunter zwei Moscheen, zu Einstürzen sei es jedoch nicht gekommen.

Die Angaben zur Stärke des Bebens unterscheiden sich: Vom Institut für Geodynamik in Athen wurde das Beben zunächst mit 6,5, dann mit 6,3 registriert. Die amerikanische Behörde USGS ermittelte den Wert von 6,9.

Tausende Menschen waren nach Augenzeugenberichten allein auf den griechischen Inseln Limnos, Samothraki und Thassos sowie der türkischen Insel Gökceada auf die Straßen gerannt. Dem ersten Stoß folgten mehrere Nachbeben. Deutlich zu spüren war das Beben demnach unter anderem in den Städten Canakkale, Kesan, Tekirdag und Soma. Videoaufnahmen zeigten schreiende Menschen und beschädigte Gebäude. Die griechische Regierung setzte Zivilschutz und Militäreinheiten in der betroffenen Region in Alarmbereitschaft.

Das Zentrum des Seebebens lag einige Kilometer unter dem Meeresboden zwischen den griechischen Inseln Limnos und Samothraki im Ägäischen Meer, teilte das Athener Institut mit. Auf Limnos seien zwei alte, unbewohnte Häuser eingestürzt, an weiteren gebe es leichte Risse, berichten griechische Medien. Einsturzgefahr bestehe aber nicht, sagte der Bürgermeister von Limnos, Antonis Chatzidiamantis, im staatlichen griechischen Fernsehen.

"Die ganze Insel schien hoch und runter zu gehen. Wir sind in Panik geraten", sagte der auf Limnos lebende Kardiologe Giorgos Kalogiannis der Nachrichtenagentur dpa. Eine Frau und ein Kind seien leicht verletzt ins Krankenhaus gekommen. Auch eine Touristin aus England wurde nach offiziellen Angaben im Flughafen der Insel Limnos von herabfallenden Deckenteilen getroffen.

Kostas Papazachos vom Seismologischen Institut der Universität Thessaloniki sagte im griechischen Fernsehen, dass es in der Region schon mehrfach Seebeben dieser Stärke gegeben habe. "Es könnte mehrere Nachbeben mit großer Stärke geben." In das Gebiet hinein erstreckt sich die sogenannte Nordanatolische Verwerfung zwischen der Anatolischen Kontinentalplatte und der Eurasischen Platte. Die Erdbebenserie werde in den kommenden Tagen andauern, hieß es. 1983 hatte ein Beben der Stärke 7,1 diese Region erschüttert und erhebliche Schäden angerichtet.

hda/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.