Ankara - Drei Tage nach einem Bergwerksunglück in der türkischen Provinz Zonguldak am Schwarzen Meer sind die Leichen von 28 Arbeitern entdeckt worden. Rettungskräfte fanden die Toten in einem verschütteten Schacht, wie der türkische Energieminister Taner Yildiz am Donnerstag in Ankara mitteilte. Die Männer sind ersten Erkenntnissen zufolge erstickt. Nach zwei Kumpels werde weiter gesucht.
Die Arbeiter einer Privatfirma waren am Montag bei einer Methangasexplosion in dem staatseigenen Karadon-Bergwerk in 540 Metern Tiefe verschüttet worden. Seitdem gab es keinen Kontakt zu ihnen.
Der Grund für die Explosion war zunächst unklar. Vermutet wurde ein Fehler in der Elektrik. Die Männer waren zu Sprengarbeiten eingesetzt, in deren Folge erhöhte Methangaswerte festgestellt wurden. Aus Sicherheitsgründen wurde das Stromsystem abgeschaltet, trotzdem kam es danach zur Explosion.
Beschädigte Förderkörbe und eingestürzte Schächte verzögerten die Hilfsmaßnahmen, die Rettungsteams mussten sich durch eingestürztes Felsmaterial und Kohle zu der Unglücksstelle graben.
Das Unglück in Zonguldak war das dritte schwere Bergwerksunglück in der Türkei innerhalb eines halben Jahres. Im Dezember starben bei einem ähnlichen Vorfall 19 Arbeiter, bei einer Untertage-Explosion im Februar wurden 17 Menschen getötet. Das folgenschwerste Unglück der vergangenen Jahrzehnte ereignete sich 1992 ebenfalls in einem Bergwerk in der Provinz Zonguldak. Dort starben bei einer Gasexplosion 263 Menschen.
Mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen sowie fehlende Kontrollen gelten als Ursache für viele der schweren Unglücke in türkischen Bergwerksbetrieben. Staatspräsident Abdullah Gül hat nun eine Überprüfung der Kontrollsysteme für Bergbauunternehmen angeordnet. Arbeits- und Sozialminister Ömer Dincer erklärte, sollte es in Zonguldak Verfehlungen gegeben haben, würden die Verantwortlichen dafür zur Rechenschaft gezogen. Nach Angaben der türkischen Regierung gibt es bisher aber noch keine Hinweise auf Verstöße gegen Sicherheitsbestimmungen.
Auch in Russland kommt es wegen schlechter Sicherheitsvorkehrungen immer wieder zu schweren Grubenunglücken. Erst am 8. Mai sind in der Raspadskaja-Mine im Südwesten Sibiriens mehr als 30 Arbeiter ums Leben gekommen.
ada/dpa/AFP/apn
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