TV-Skandal Empörung über Fürstin Gloria

TV-Moderator Michel Friedman ist über Äußerungen von Gloria von Thurn und Taxis "erschrocken". In seiner Sendung hatte die Fürstin unter anderem Vorurteile zur Aids-Problematik in Afrika geäußert.


Gloria von Thurn und Taxis
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Gloria von Thurn und Taxis

Frankfurt am Main - Friedman, Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, hält die Äußerungen der Fürstin für "außerordentlich bedenklich und unverantwortlich". Er sei "sehr erschrocken" gewesen, "mit welch stereotypen Vorurteilen sie Menschen mit anderer Hautfarbe beschrieben hat". Als Journalist habe er ihre Bemerkungen nicht kommentieren können, doch "ich reagierte sehr bewusst und engagiert", sagte Friedman.

Am Mittwochabend hatte die Fürstin in der ARD-Talkshow "Friedman" behauptet, Afrika habe ein Aids-Problem, "weil der Schwarze gerne schnackselt", nicht aber wegen fehlender Aufklärung in Sachen Verhütung. Auf den Einwurf Friedmans, dass der Weiße auch gerne "schnacksle", erweiterte die Fürstin ihre Theorie, dass "man da, wo es wärmer ist, aber noch lieber schnackselt". Somit gelte das auch für die Italiener.

Aber das war noch nicht alles. Einige Thesen der Topmanagerin und streng gläubigen Katholikin: "Sex ist dazu da, um Kinder zu kriegen - nicht aus Jux und Dollerei." Zum Thema Verhütung sagte die dreifache Mutter: "Das lehne ich total ab. Wenn ich herausfinden würde, dass meine Tochter verhütet, würde ich nicht gerade Hurra schreien."

Bei der Abtreibung liegt Gloria mit dem Papst auf einer Linie. Die Fürstin: "Abtreibung ist Mord, das muss man beim Namen nennen. Eine Frau möchte nicht abtreiben, sie wird dazu gedrängt." Und zwar von den Männern: In den meisten Fällen sei es der Mann, der mit Verlassen drohe, falls die Frau nicht abtreibe.

Von Bayerns Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) ist sie angetan: "Stoiber ist vor allem sexy, dies ist für uns Frauen besonders wichtig." Deshalb müsse Stoiber auch Kanzlerkandidat werden.

Mit Empörung reagierten auch prominente Schwarze. "Wie kann man nur so etwas sagen?", fragte zum Beispiel Bayern Münchens brasilianischer Nationalspieler Paulo Sergio in der "Bild"-Zeitung. Schauspielerin Liz Baffoe über die Äußerungen der Fürstin: "Das ist doch absoluter Schwachsinn und total diskriminierend. Ich hätte ihr mehr Anstand, Erziehung und Intelligenz zugetraut."



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