Udo Proksch Österreichs "Paradehäftling" ist tot

Die "Lucona"-Affäre beherrschte Jahre lang die Schlagzeilen in Österreich. Ihr Urheber, der einflussreiche Geschäftemacher Udo Proksch, wurde wegen sechsfachen Mordes verurteilt. Nun ist er an einer missglückten Herztransplantation gestorben.


Udo Proksch
AP

Udo Proksch

Wien - Österreichs bekanntester Häftling ist 67-jährig in einem Grazer Krankenhaus gestorben, der Stadt, wo er Strafe verbüßte. Das bestätigte das österreichische Justizministerium in Wien. Proksch wurde nach Mord, Betrug und Politaffäre 1992 zu "lebenslang" verurteilt. 1977 hatte er gemeinsam mit seinem deutschen Partner Hans Peter Daimler, der 1997 in Kiel zu 14 Jahren Haft verurteilt wurde, das Schiff "Lucona" nach Hongkong geschickt. An Bord sollte sich eine Uranaufbereitungsanlage befinden, die mit 200 Millionen Schilling (28,4 Millionen Mark) versichert war. Der Frachter versank durch eine absichtlich herbeigeführte Explosion im Indischen Ozean und riss sechs Seeleute in den Tod. Geladen war, wie das Gericht lange später ermittelte, jedoch nur wertloser Schrott.

Durch Protektion seiner einflussreichen Freunde wurde die Untersuchung von Mord und Versicherungsbetrug jahrelang verschleppt. Der damalige Innenminister Karl Blecha, Parlamentspräsident Leopold Gratz und ein Top-Richter mussten ihre Posten räumen. Proksch konnte nach Asien flüchten. Weder eine Gesichtsoperation noch ein Toupet konnten ihn bei seiner freiwilligen Rückkehr nach Wien vor dem Zugriff der Fahnder schützen. Die Justiz nahm den einstigen Society-Star im Oktober 1989 in Gewahrsam.

In Polizeigewahrsam: Proksch im Jahr 1990
EPA/DPA

In Polizeigewahrsam: Proksch im Jahr 1990

Proksch bezeichnete sich selbst als "Schweinezüchter, Frauenliebhaber und Geschäftemacher". Er wurde in Wien in den siebziger Jahren zum Liebling der Schickeria. Er hat mit seinen langjährigen glänzenden Beziehungen zu Politik, Gesellschaft und Kunst nach Ansicht heimischer Kommentatoren wichtige Kapitel der "Wiener Sittengeschichte" mit der "Freunderlwirtschaft" und dem "Filz von Intrigen" geschrieben. Der frühere Tausendsassa führte in den letzten Jahren im Grazer Gefängnis als "Paradehäftling" ein ruhiges Leben und erwarb sich durch den Aufbau einer kleinen Bücherei in der Haftanstalt Anerkennung.

Nach dem Krieg war der in Rostock geborene Österreicher nach Wien gekommen und hatte in vielen Jobs vergeblich sein Glück versucht. Den Durchbruch schaffte er mit dem Erwerb der berühmten "k. und k. Hofzuckerbäckerei" Demel, in dessen vierter Etage er seinen Skandal umwitterten "Club-45" einrichtete. Prominente jeder Art rangelten um Mitgliedschaft. Auch bei den Frauen hatte Proksch Glück. Unter seinen vier Frauen waren die Schauspielerin Erika Pluhar und die Urenkelin von Richard Wagner, Daphne.

Von Thomas Brey, dpa



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.