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Gründungsintendant: Ex-MDR-Chef Udo Reiter tot aufgefunden

Tod mit 70 Jahren: Udo Reiter - eine Karriere in Bildern Fotos
DPA

Im Alter von 70 Jahren ist Udo Reiter gestorben. Der ehemalige Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks beging laut Polizei Suizid.

Leipzig - Udo Reiter, der ehemalige Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), ist tot. Reiter wurde bei sich zu Hause aufgefunden. Das teilte die Polizei mit und bestätigte einen Bericht der "Bild"-Zeitung. Reiter wurde 70 Jahre alt.

Die Polizei schließt ein Fremdverschulden aus. Es handle sich um einen Suizid, sagte ein Sprecher.

Reiter wurde 1944 in Lindau am Bodensee geboren. Nach einem Verkehrsunfall saß er seit 1966 im Rollstuhl. 1991 wurde Reiter zum ersten Intendanten des neu gegründeten MDR gewählt und dreimal in seinem Amt bestätigt.

2011 räumte er den Posten vorzeitig. Seine letzte Amtszeit hätte eigentlich noch bis 2015 gedauert. Reiter stieg mit den Worten "20 Jahre sind genug" frühzeitig aus. Er begründete den Schritt unter anderem mit gesundheitlichen Problemen und den erschwerten Bedingungen durch sein Leben im Rollstuhl.

Seine journalistische Laufbahn begann Reiter beim Bayerischen Rundfunk. Dort wurde er Chefredakteur und 1986 Hörfunkdirektor. Anfang der Neunzigerjahre baute er den MDR zu einer "Stimme des Ostens" aus. Erfolgreiche Serien wie "In aller Freundschaft" oder "Tierärztin Dr. Mertens" sowie die "Tatort"-Folgen mit Simone Thomalla entstanden unter seiner Ägide.

Oft wurde Reiter allerdings vorgeworfen, sein Sender bediene die Ressentiments von Ostdeutschen, die sich abgehängt fühlten, und betäube kritische Gedanken zur Zeit mit etlichen Schlagersendungen. Volksmusiksuperstar Florian Silbereisen ist genauso eine Entdeckung des MDR wie Helene Fischer.

In Reiters Amtszeit fielen auch viele Skandale beim MDR. So gab es immer wieder Stasi-Vorwürfe gegen Sendermitarbeiter, Anfang des letzten Jahrzehnts wurde gleich eine ganze Reihe von Moderatoren vom Bildschirm verbannt. In den letzten Monaten seiner Amtszeit hatte Reiter immer wieder mit dem Betrugsskandal beim Kinderkanal (Kika) zu tun, bei dem ein Schaden von mehr als acht Millionen Euro entstanden ist. In einem internen Prüfbericht wurden 2011 erhebliche Mängel bei der hauseigenen Kontrolle kritisiert. Reiter verschob damals seinen Rücktritt, um bei der Aufklärung mitzuwirken.


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ulz/cbu

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