Moskau - Heftige Regenfälle haben im Süden Russlands zu verheerenden Überschwemmungen mit mindestens 150 Toten geführt. Allein im Bezirk Krimsk in der Schwarzmeerregion Krasnodar starben fast 70 Menschen in den Fluten. Unter den geborgenen Leichen war auch der leblose Körper eines zehn Jahre alten Kindes, wie ein Polizeisprecher am Samstag mitteilte.
Die Behörden rechnen mit einer weiter steigenden Zahl von Toten. "Die Rettungsarbeiten laufen", sagte der Polizeisprecher. "Es werden weitere Tote entdeckt." Die Identifizierung der geborgenen Leichen gestaltete sich schwierig. "Es ist schwer festzustellen, woher sie kommen." Nach Angaben der Behörden handelt es sich um die schwersten Überschwemmungen in der Region in einem Jahrzehnt.
Ein fast 24-stündiger Dauerregen überschwemmte fast 1000 Häuser, rund 22.000 Menschen waren ohne Strom. In mehreren Städten wurde der Ausnahmezustand ausgerufen. Bahngleise und Straßen seien unterspült oder von Schlamm überdeckt und daher unpassierbar, hieß es. Der Zivilschutz war mit schwerem Gerät im Einsatz. Die Armee stellte Speziallastwagen und Hebekräne bereit. Regierungschef Dmitrij Medwedew wies Zivilschutzminister Wladimir Putschkow an, sich persönlich um die Arbeiten zu kümmern. Die Führung in Moskau schickte zudem ein Iljuschin-Transportflugzeug mit Rettungskräften und zwei Hubschraubern an Bord in die Region.
In dem bei Touristen beliebten Gelendschik regnete es in 24 Stunden so viel wie sonst in fünf Monaten. "Die Fluten sind sehr stark", sagte der Polizeisprecher, "es wurden sogar Ampeln ausgerissen." Fünf Menschen starben an Stromschlägen, weil ein Blitz in einen Transformator eingeschlagen war.
Das Hochwasser habe viele Menschen im Schlaf überrascht, sagte ein Sprecher des Zivilschutzes. Das russische Staatsfernsehen zeigte, wie Bewohner sich in höhere Stockwerke flüchteten oder mit Schlauchbooten aus überschwemmten Häusern gerettet wurden. Die Polizei verstärkte die Präsenz in der Region, um Plünderungen zu verhindern. Die Behörden kündigten an, rund 100 Kinder aus einem Ferienlager auszufliegen, die dort festsitzen. Zahlreiche Autos wurden von den Fluten fortgerissen. Den Angaben zufolge haben auch Sturzbäche aus dem angrenzenden Kaukasusgebirge das Gebiet überschwemmt.
hei/dpa/AFP
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