Überschwemmungen in Australien Flutopfer fürchten Schlangeninvasion

Ein Ende der Flutkatastrophe ist nicht in Sicht: Gewaltige Wassermassen haben den Nordosten Australiens überschwemmt, 75.000 Menschen brauchen Hilfe. Jetzt droht neue Gefahr - durch Giftschlangen, die das Wasser aus ihren Höhlen gespült hat und die in Häusern Zuflucht suchen.

REUTERS

Hamburg - Tom Kirby hat Glück gehabt. Der Schüler entkam mit seiner Familie knapp der Flut im Nordosten Australiens. Das Hochwasser stieg rasch, doch bevor es das Grundstück ihres Hauses erreichte, konnten sich die Kirbys und ihre Nachbarn in höher gelegene Gebiete retten. "Überall ist Wasser", sagte Tom der australischen Zeitung "Courier Mail". Wohin man auch schaue.

Schwere Stürme und Überschwemmungen sorgen derzeit für Chaos im Bundesstaat Queensland: Eine Fläche von der Größe Deutschlands und Frankreichs ist von den Fluten betroffen. Rund eine Million Quadratkilometer wurden zum Katastrophengebiet erklärt. Die schlimmsten Überschwemmungen seit 50 Jahren in der Region machen Behördenangaben zufolge rund 200.000 Menschen in mehr als 20 Städten zu schaffen. In einigen Siedlungen ragen nur noch Hausdächer aus dem Wasser.

Und auch dort, wo das Wasser zurückgeht, lauert Gefahr: durch Schlangen.

Für Kylie Alexander sind diese Tiere normalerweise kein Problem - sie lebt mit Mann und Tochter auf einer Viehstation im australischen Outback. Mit einer derart massiven Schlangeninvasion hatte sie allerdings nicht gerechnet. Die verheerenden Überschwemmungen der vergangenen Wochen haben viele Reptilien aus ihren Höhlen gespült. Sie suchen nun da Zuflucht, wo es noch trocken ist und kriechen in die Häuser.

"Es ging um Leben und Tod"

"Sie sind einfach überall", sagt die 32-Jährige der Zeitung "Courier Mail". Eine giftige Braunschlange hatte sie zuvor gebissen. Mit einer wilden Traktorfahrt durch angeschwollene Flussbetten und 140 Kilometern über Äcker schaffte es Alexander mit Hilfe von Freunden gerade noch rechtzeitig in das Krankenhaus von Clermont, wie sie erzählt. "Es ging um Leben und Tod", sagt ihr Mann Richard. Die Behörden hätten schon zusätzliche Vorräte Gegengift nach Nordqueensland geschafft, berichtet die Zeitung "Australian".

Auch Greg Goebel, Leiter des Roten Kreuzes, warnt vor der Gefahr. "Wir haben in der Nähe unserer Notunterkünfte schon einige rotbäuchige Schwarzottern gesehen", sagt er. Schwarzottern beißen zwar selten, aber ihr Gift kann schnell das Atemzentrum lahmlegen.

Rob Holley, 21, sitzt in Warwick bei einem Bier mit Freunden auf der Veranda. Plötzlich tauchen zwei Mulgaschlangen, ebenfalls Giftnattern, auf. "Sie waren bestimmt 1,80 Meter lang", sagt er der Zeitung "Warwick Daily News". Mulgaschlangen können mit einem einzigen Biss mehr Gift injizieren als die meisten anderen Schlangen. Das Gift schädigt die Nerven des Opfers und hemmt die Blutgerinnung.

Selbst mitten in der überschwemmten Stadt Rockhampton werden die Reptilien zum Problem. Bürgermeister Brad Carter kennt die Gefahr. "Die Schlangen schwimmen den Menschen um die Füße herum, wenn sie durch das Wasser waten", sagte er. "Ein Mann hat an einem Morgen vier Schlangen getötet, eine davon war ein Taipan" - eine besonders gefährliche Giftnatter.

Militär bringt Lebensmittel

In der Küstenstadt ist der Wasserpegel des Flusses Fitzroy am Montag weiter dramatisch angestiegen. Insgesamt 150 Häuser seien bereits überflutet, berichtete die Regierungschefin des Bundesstaates Queensland, Anna Bligh. Der Wasserpegel des Flusses steige weiter - und bei mehreren tausend Häusern schwappe das Wasser bereits an die Stufen, sagte Bligh, die eigens in die Stadt geflogen war. Sie sprach von einem Desaster nie dagewesenen Ausmaßes. Queensland sei als tropischer Bundesstaat Überschwemmungen gewohnt, dass aber alle Flüsse gleichzeitig Hochwasser führten, sei noch nie passiert, so Bligh.

Die 75.000 Bewohner von Rockhampton rüsten sich mindestens für eine weitere Krisenwoche. Die Fluten drohen die Stadt von der Außenwelt abzuschneiden. In zahlreichen Straßen waten die Menschen mit Körben auf dem Kopf durch das hüfthohe Wasser, um Habseligkeiten in Sicherheit zu bringen.

"Wir rechnen mit dem Wasserhöchststand in den nächsten 48 Stunden", sagt Rockhamptons Polizeichef Ian Stewart. "Gott sei Dank hat die Stadt einige Anhöhen, und wenn die Einwohner auf die Anweisungen hören, hoffen wir, keine Todesopfer beklagen zu müssen."

Das Militär bringt mit einem C130-Transportflugzeug Nahrungsmittel, die per Konvoi über die einzige noch einigermaßen befahrbare Straße nach Rockhampton transportiert werden. Laut Bürgermeister Carter hat die Stadt noch genügend Lebensmittel und Medikamente für mehr als eine Woche. Bahnhof und Flughafen sowie alle anderen Zufahrtsstraßen sind bereits gesperrt. Der Highway nach Norden wird nur noch für abreisende Einwohner offen gehalten. Er dürfte spätestens Mittwoch überflutet sein und gesperrt werden.

Regierung verspricht Hilfe

Die Behörden setzen ihre Evakuierungen der Region fort. Viele Bewohner hatten dort bereits in der Nacht zum Samstag ihre Häuser verlassen müssen. Ein Polizist sei mit einem Auto vorgefahren, sagt Reg Wilson, ein Bewohner. "'Sie sind bis fünf Uhr gefälligst hier weg', hat er gesagt", erzählt Wilson. "Wenn ein Mann mit einer Schusswaffe so mit einem redet, dann verschwindet man."

Sicherheitskräfte geleiten Patienten aus Krankenhäusern. Mitarbeiter von Energiekonzernen fahren zu verlassenen Häusern, um sicherzustellen, dass diese nicht mehr ans Stromnetz angeschlossen sind. Am Flughafen von Gladstone, etwa 100 Kilometer südlich von Rockhampton gelegen, errichtet der Katastrophenschutz Dutzende Zelte - als "taktisches Behandlungszentrum".

Australiens Premierministerin Julia Gillard versprach den Flutopfern, die Felder und Häuser verloren haben, Zuschüsse und zinsgünstige Darlehen. "Dies ist eine große Naturkatastrophe, und es wird eine ganze Weile dauern, bis wir uns davon erholt haben", sagte sie. "Die Aufräumarbeiten dürften drei bis sechs Monate dauern", so der Katastrophenkoordinator Ian Stewart im Rundfunk. Es wird mit Schäden in Milliardenhöhe vor allem in der Landwirtschaft, im Bergbau, bei Kleinbetrieben und im Tourismus gerechnet.

Und noch ist die Katastrophe nicht ausgestanden: Für den Süden Queenslands wurden am Abend Ortszeit neue Sturm- und Flutwarnungen herausgegeben.

wit/Reuters/AFP/dpa

insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
mbberlin, 03.01.2011
1. ...
Was sollen sie anderes machen, die Schlangen.
crocman, 03.01.2011
2. Erst warens die Krokodile
jetzt sinds die Schlangen. Alles Unfug - die sehr realistischen Aussies sorgen sich mehr um das Wasser und um die langfristigen Umweltschäden, die die Überschwemmung noch zeitigen wird.....
ratxi 03.01.2011
3. Die hat´s richtig böse erwischt,...
Zitat von sysopEin Ende der Flutkatastrophe ist nicht in Sicht:*Gewaltige Wassermassen haben den Nordosten Australiens*überschwemmt,*75.000 Menschen*brauchen Hilfe.*Jetzt droht neue Gefahr - durch Giftschlangen, die das Wasser aus ihren Höhlen gespült hat und die in Häusern Zuflucht suchen. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,737512,00.html
...die armen Menschen dort. Aber sie wissen um die Gefahr mit den Schlangen und werden damit umgehen...
Neurovore 03.01.2011
4. ...
Zitat von sysopEin Ende der Flutkatastrophe ist nicht in Sicht:*Gewaltige Wassermassen haben den Nordosten Australiens*überschwemmt,*75.000 Menschen*brauchen Hilfe.*Jetzt droht neue Gefahr - durch Giftschlangen, die das Wasser aus ihren Höhlen gespült hat und die in Häusern Zuflucht suchen. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,737512,00.html
Kann man da nicht einfach biologische Schädlingsbekämpfung betreiben und natürliche Fressfeinde importieren? Die Australier haben doch gute Erfahrung damit...
karmamarga 03.01.2011
5. Ganz gleich ob das Leistenkrok auf dem Sofa und die
Zitat von sysopEin Ende der Flutkatastrophe ist nicht in Sicht:*Gewaltige Wassermassen haben den Nordosten Australiens*überschwemmt,*75.000 Menschen*brauchen Hilfe.*Jetzt droht neue Gefahr - durch Giftschlangen, die das Wasser aus ihren Höhlen gespült hat und die in Häusern Zuflucht suchen. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,737512,00.html
die Taipan zugleich darunter kampiert, die Australier sind gut organisiert und es regiert dort im Outback die Solidartät des Pioniergeistes unter den Menschen. Wir brauchen uns hier keine Gedanken zu machen.
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