Überschwemmungen in Australien "Wir beten, dass die Pegel sinken"

Ausnahmezustand im Osten Australiens: Teile der Millionenstadt Brisbane stehen unter Wasser. Der Kontrast in der Metropole könnte nicht größer sein. Während die einen um ihr Eigentum kämpfen, liegen die anderen in der Sonne. Zumindest hat die Flut ihren Höchststand erreicht.

dpa

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Hamburg - Der Stadtteil Westend in Brisbane gleicht einer Geisterstadt. Die Bewohner sind geflohen, das Wichtigste haben sie mitgenommen. Sie flüchten vor dem Wasser.

Die Flut in der australischen Millionenmetropole steigt, die Lage hat sich über Nacht dramatisch verschärft. Serge Loode hat immerhin bislang Glück gehabt. Der gebürtige Düsseldorfer, der als Dozent an der Universität von Queensland arbeitet, und seine australische Ehefrau leben im Stadtteil St. Lucia, auf einem Hügel, mit Blick auf die Innenstadt von Brisbane - und auf der anderen Seite des Brisbane River, direkt gegenüber von Westend.

Damit das Wasser sein Haus flutet, müsste es insgesamt 15 Meter steigen. Serge Loode glaubt sich in Sicherheit. Tatsächlich erreichte der Pegel des Flusses am frühen Donnerstagmorgen (Ortszeit) sein Höchststand - und blieb mit 4,45 Metern unter den schlimmsten Prognosen. Experten hatten mit einem Wert von fünf Metern oder darüber gerechnet, eine vergleichbar hohe Flut hatte im Jahr 1974 schwere Schäden angerichtet.

Doch auch ohne einen neuen Rekordstand ist der sonst eher "gemächliche Fluss", "halb so breit wie der Rhein bei Düsseldorf", inzwischen zu einem "reißenden Strom" geworden. Gerümpel, Häuserwände, Treibgut, Autos, Boote treiben im Wasser. Ein Restaurant, das auf einem Steg stand, sei komplett weggespült worden, so der 35-Jährige.

Das erste Todesopfer in der Stadt war ein vierjähriger Junge, der aus einem Rettungsboot fiel und ertrank, wie lokale Medien meldeten. Insgesamt kamen bereits zwölf Menschen bei dem Hochwasser in Australien ums Leben. Laut Anna Bligh, der Ministerpräsidentin des Bundesstaats Queensland, werden 67 Menschen vermisst. Sie geht davon aus, dass die Zahl der Toten weiter steigen wird.

"Man hat aus der Flut von 1974 gelernt"

Die Behörden rechnen mit den schlimmsten Überschwemmungen, die die drittgrößte Stadt Australiens erlebt hat, fast 20.000 Häuser dürften betroffen sein, schätzt Bürgermeister Campbell Newman. Doch die Australier scheinen gewappnet: "Man hat aus der Flut von 1974 gelernt", sagt Serge Loode. "Das Katastrophenmanagement läuft sehr gut, man bekommt konstant Updates, wann welcher Stadtteil überflutet wird. Die meisten Bewohner konnten sich in Ruhe für den Notfall vorbereiten."

Loode zum Beispiel kaufte am Dienstag nach der Arbeit noch Lebensmittel, Kerzen und Getränke, auch wenn er weiß, dass er auf seinem Hügel in St. Lucia sicher ist und "keine zwei Wochen" festsitzen wird. Aber vielleicht muss er Flüchtlinge aufnehmen. Die Stadtverwaltung riet Einwohnern in den Gefahrenzonen, in höher gelegene Gebiete zu flüchten. Ministerpräsidentin Bligh bat alle, sich gegenseitig zu helfen. "Bei uns ist jeder willkommen", sagt Loode.

Dass er und seine Frau die kommenden 48 Stunden ohne Strom in ihrem Zuhause sitzen werden, nimmt er gelassen. Auch das hatte die Stromgesellschaft rechtzeitig mitgeteilt, da die Transformatoren zu nah am Wasser lägen und zur Sicherheit abgestellt worden seien. "Das ist ein bisschen unangenehm, aber es kam ja nicht überraschend", so Loode.

Eine Badewanne voll mit Trinkwasser

Auch Michael Schütz sitzt in seinem höher gelegenen Haus in der Nähe des Brisbane River im Dunkeln, aber in Sicherheit. "Der Strom wurde abgeschaltet", sagt der 47-Jährige. Das gilt für weite Teile des Stadtgebiets. "Wir haben bei 126.000 Wohnhäusern und anderen Gebäuden den Strom abgestellt. Wir mussten diese Vorsichtsmaßnahme ergreifen, weil das Wasser weiter steigt", sagte ein Sprecher des Energieversorgers Energex im australischen Fernsehen.

Schütz ist Unfallchirurg und lebt seit 2004 mit seiner Familie in Australien. "Die Australier", sagt er, "nehmen die Situation relativ gelassen und entspannt." Und Schütz tut es ihnen gleich. Besorgt klingt er nicht, als er am Telefon vom Abendessen bei Freunden erzählt. Auch in deren Haus gibt es keinen Strom mehr. "Wir haben viele Kerzen aufgestellt", sagt Schütz. Für seine vier Kinder sei die Situation ein Abenteuer.

Ohne Strom funktioniert auch der Kühlschrank nicht. "Wir haben Lebensmittel gekauft, die man auch warm gut lagern kann", sagt Schütz. Er rechnet damit, dass die Lage etwa vier bis fünf Tage andauert. Am Morgen seien die Regale im Supermarkt noch gut gefüllt gewesen, nachmittags nicht mehr. Die Menschen richten sich auf schwierige Tage ein. Vorkehrungen hat auch Schütz getroffen - etwa die Badewanne mit Trinkwasser volllaufen lassen. Die Behörden hatten dazu aufgerufen, sich Vorräte anzulegen.

insgesamt 3 Beiträge
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sic tacuisses 12.01.2011
1. Beten hilft da ganz sicher.........................
Zitat von sysopAusnahmezustand im Osten Australiens: Nach verheerenden Regenfällen*sind Teile der Millionenstadt Brisbane überflutet. Der Kontrast in der Metropole könnte nicht größer sein. Während die einen um ihr Eigentum kämpfen, liegen die anderen in der Sonne. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,739169,00.html
Beteigueze, 13.01.2011
2. La Ninja
das Mädchen wird den Aussies noch so manchen nassen Fuß bescheren. Klick (http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=news&itemid=10026&detailid=833363)
jenom, 13.01.2011
3. Beten? Quatsch!
Einige bauen Dämme, andere beten. Gib dich mit Gläubigen ab und du bist verloren. Man hätte lieber was für den Klimaschutz getan, anstatt zu beten. Wer betet hat keine Zeit zum Denken und Handeln, Gläubige sind Last und Gefahr für die Gesellschaft und die Menschheit. Traurig, dass inzwischen sogar Deutschland durch eine religiöse Kanzlerin gefährdet ist.
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