Überschwemmungen in Ladakh Hundert deutsche Touristen im Trekking-Paradies gefangen

Die sintflutartigen Regenfälle der vergangenen Tage haben auch das indische Ladakh erfasst. Die als "Klein-Tibet" bei Trekkern beliebte Hochgebirgsregion ist wegen der Fluten weitgehend unzugänglich. Die deutsche Botschaft schätzt, dass rund hundert deutsche Touristen im Krisengebiet eingeschlossen sind.

AP

Neu Delhi - Heftige Regenfälle haben der nordindischen Hochgebirgsregion Ladakh Überschwemmungen und Erdrutsche beschert, einem Gebiet in dem sonst überwiegend Trockenheit herrscht. Nach Angaben der deutschen Botschaft in der indischen Hauptstadt Neu Delhi waren besonders die Hauptstadt Leh und deren Umgebung betroffen.

Ladakh, zwischen den Bergketten des Himalaja und des Karakorum gelegen und Teil des indischen Bundesstaats Jammu und Kaschmir, gilt aufgrund der Schönheit seiner Landschaft als "Klein-Tibet". Beliebt ist die Gegend vor allem bei Trekking-Touristen, die Touren in die bis über 7000 Meter hohen Berge unternehmen und die abgelegenen Klöster besuchen.

Zurzeit ist Hochsaison in Ladakh, das durch die Fluten und Schlammlawinen weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten ist. Nach Schätzung der deutschen Botschaft dürften dort rund hundert deutsche Touristen eingeschlossen sein. Die Botschaft hat einen Krisenstab unter der Leitung von Botschafter Thomas Matussek eingerichtet. Er steht in engen Kontakt zu indischen Behörden, zu anderen EU-Partnern sowie zu den namentlich bekannten Deutschen im Überschwemmungsgebiet, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes SPIEGEL ONLINE.

Hinweise auf tote oder verletzte Landsleute gab es bis Samstagabend nicht. Die Botschaft in Neu-Delhi hat eine telefonische Hotline unter 0091-9953440191 und 0091-9953440192 eingerichtet und rät dringend, von Reisen nach Ladakh bis auf weiteres abzusehen.

"Die Fluten haben die malerische Landschaft von Ladakh in eine Katastrophenzone verwandelt, in der überall Ärzte und Helfer im Einsatz sind", sagte ein Sprecher der indischen Regierung. Ein Augenzeuge erklärte, der Schlamm türme sich in Leh stellenweise drei Meter hoch. Busse seien zwei Kilometer weit mitgerissen worden, aber auch Häuser und Autos versanken in den Fluten. Die Energieversorgung und Kommunikation sei ausgefallen.

Hundert Touristen von Armee gerettet

Nordöstlich von Leh mussten Einsatzkräfte nach Angaben eines Heeressprechers 150 Menschen retten, darunter hundert ausländische Touristen. Die Rettungsarbeiten wurden durch die Wassermassen und darin treibende Trümmerteile erschwert. Auch Zufahrtsstraßen waren unpassierbar, was die Lieferung von Hilfsgütern und die Abreise von Urlaubern nahezu unmöglich macht.

Das Stromnetz und die Telefonverbindungen in Leh sind zusammengebrochen. Die Wassermassen hätten eine Fläche von 150 Quadratkilometern verwüstet, erklärte der Polizeichef des Unionsstaats Kaschmir, Kuldeep Khoda. Offiziellen Angaben zufolge sind bislang bereits 115 Todesopfer zu beklagen. Mehr als 400 Menschen wurden verletzt. Mindestens 500 weitere Personen gelten als vermisst.

Nach einem Nachlassen des Regens am Samstagmorgen begannen Tausende Soldaten und Polizisten mit den Aufräumarbeiten, und nach Information der Nachrichtenagentur AP hat der Flughafen der Stadt Leh seinen Betrieb wieder aufgenommen. Die Deutsche Presseagentur berichtet, dass der Zugang derzeit nur mit Flugzeugen der indischen Streitkräfte möglich ist.

abl/dpa/apn



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
tomyum 07.08.2010
1. Ladakh - Folgen der globalen Klimaerwärmung?
Hallo, leider sind die Regenfälle wohl auch Folgen der globalen Klimaveränderungen. Bekannte von mir Reisen häufig nach Ladakh. In den letzten Jahren war es immer wieder ein Problem, dass zu viel Regen fiel. Als ich Ende der 80er Jahre Ladakh besuchte gab es auch zu viel Regen. Tagelang mussten wir durch den Regen laufen. Scheinbar waren das schon erste Anzeichen der Klimaveränderung. Pakistan hat auch unter Regenmassen zu leiden, Polen, vor nicht langer Zeit. Und die Vorbereitungen auf die nächste Klimakonferenz bringen in keinster Weise nennenswerte Fortschritte. Was muss eigentlich geschehen, damit endlich gehandelt wird? Gruß
stilus 07.08.2010
2. Na.....
Zitat von sysopDie sintflutartigen Regenfälle der letzten Tage haben auch das indische Ladakh erfasst. Die als "Klein-Tibet" bei Trekkern beliebte Hochgebirgsregion ist wegen der Fluten weitgehend unzugänglich. Die deutsche Botschaft schätzt, dass rund hundert deutsche Touristen im Krisengebiet eingeschlossen sind. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,710719,00.html
...da kommen mir doch glatt die Tränen. Verglichen mit dem Leid der Einheimischen sind das ja wohl Luxussorgen!
virtualtom 07.08.2010
3. .
Abenteuerurlaub? Voilá, da ist das Abenteuer. Ham's wenigstens was zu erzählen, wenn's heimkommen tun. ;)
Rudolf_56 07.08.2010
4. Bitte bei sich selbst anfangen
Zitat von tomyumHallo, leider sind die Regenfälle wohl auch Folgen der globalen Klimaveränderungen. Bekannte von mir Reisen häufig nach Ladakh. In den letzten Jahren war es immer wieder ein Problem, dass zu viel Regen fiel. Als ich Ende der 80er Jahre Ladakh besuchte gab es auch zu viel Regen. Tagelang mussten wir durch den Regen laufen. Scheinbar waren das schon erste Anzeichen der Klimaveränderung. Pakistan hat auch unter Regenmassen zu leiden, Polen, vor nicht langer Zeit. Und die Vorbereitungen auf die nächste Klimakonferenz bringen in keinster Weise nennenswerte Fortschritte. Was muss eigentlich geschehen, damit endlich gehandelt wird? Gruß
Erstens sollten Ihre Bekannten nicht mehr nach Ladakh reisen, höchstens zu Fuß. Zweitens sollten Sie Ihr Auto abstellen, zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren, den Kühlschrank abschaffen usw. Da wäre der Anfang gemacht, wenn Sie glauben, es hilft.
graf.koks 08.08.2010
5. Mir kommen die Tränen!
Zitat von sysopDie sintflutartigen Regenfälle der letzten Tage haben auch das indische Ladakh erfasst. Die als "Klein-Tibet" bei Trekkern beliebte Hochgebirgsregion ist wegen der Fluten weitgehend unzugänglich. Die deutsche Botschaft schätzt, dass rund hundert deutsche Touristen im Krisengebiet eingeschlossen sind. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,710719,00.html
Daß da auch die feinste 5000-Euro-Ausrüstung nicht hilft, ist ein Lernerlebnis für die teilweise Schickimicki-Truppe und teilweise Treehugger-Leute. Immerhin mag da was in den Hirnen zurückbleiben... ... hoffentlich!
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