Überschwemmungen und Taifune Südchina versinkt im Wasser-Chaos

2010 ist für China ein Jahr großer Katastrophen: Schon mehr als 700 Menschen sind bei Überschwemmungen gestorben - so viele wie lange nicht mehr. Nun drohen auch noch tropische Wirbelstürme mit heftigen Regenfällen. Und nach einer Pipeline-Explosion bildet sich im Gelben Meer ein Ölteppich.

AP

Peking - So viele Hochwasser-Opfer hat es in China seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr gegeben: Bei schweren Überschwemmungen sind in diesem Jahr bereits 701 Menschen ums Leben gekommen. Das ist die höchste Opferzahl seit 1998. Zudem werden 347 Menschen noch vermisst, wie die Behörden am Mittwoch mitteilten. Die Wassermassen zerstörten demzufolge fast 650.000 Häuser. Mehr als acht Millionen Menschen mussten ihre Heimat verlassen. Insgesamt seien 117 Millionen Menschen vom Hochwasser betroffen.

An 25 Flüssen wurden Rekordpegelstände gemessen, an 230 Flüssen überschritten die Wasserstände das jeweilige Warnlevel. Von den Überschwemmungen seien drei Viertel der Provinzen Chinas betroffen, teilte der Generalsekretär der Hochwasserschutz-Behörde, Liu Ning, mit. Mehr als hundert Städte seien 2010 bereits überflutet worden. Der Sachschaden beläuft sich den Angaben zufolge auf 142,2 Milliarden Yuan, das entspricht 16 Milliarden Euro.

"Im Süden Chinas ist 30 bis 100 Prozent mehr Regen gefallen als im historischen Durchschnitt", sagte Liu. Und es könnte noch schlimmer kommen.

Die Behörden erwarten bis zu acht Taifune

Denn ein Tropensturm mit Kurs auf China hat an Stärke zugenommen. Es wird erwartet, dass er die Insel Hainan und die Provinz Guangdong im Süden des Landes am Wochenende erreicht. Liu forderte, die Sicherheitsvorkehrungen aufzustocken. "Da 60 bis 80 Prozent des jährlichen Niederschlags zwischen Juni und August fallen, sollten wir darauf vorbereitet sein, mögliche Desaster abzuwenden und zu bekämpfen." Insgesamt erwarten die chinesischen Behörden bis zu acht Taifune in diesem Sommer.

Der riesige Drei-Schluchten-Damm in Zentralchina hat unterdessen den größten Belastungstest seit seiner Fertigstellung im Jahr 2008 vorerst überstanden. Die Flut erreichte am Dienstag 70.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde oberhalb des Dammes am Jangtse-Strom, berichteten chinesische Medien. "Der Spitzendurchfluss ist hoch, aber er hat die vorgesehene Kapazität von 100.000 Kubikmetern pro Sekunde nicht überschritten", zitierte die offizielle Nachrichtenagentur Xinhua, den Vorsitzenden der Drei-Schluchten-Betreibergesellschaft, Cao Guangjing.

In der Nachbarprovinz Sichuan verzeichnete die Stadt Guang'an die schlimmste Flut seit 1847, mehr als 250.000 Menschen waren betroffen. In den vergangenen drei Tagen kamen bei Überschwemmungen und Erdrutschen in Sichuan mindestens 26 Menschen ums Leben, mehr als 40 galten als vermisst. Am Montag waren nach Meldungen der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua mehrere Städte wegen Überflutung von der Außenwelt abgeschnitten.

Ölkatastrophe im Gelben Meer

Neben den Naturkatastrophen drohen China zudem große Umweltschäden. Nach der Explosion einer Pipeline schlossen die Behörden den Ölhafen Dalian Xingang im Nordosten des Landes. Durch die Explosion zweier Transportleitungen trat Erdöl aus und gelangte ins Gelbe Meer. Medienberichten zufolge entstand ein etwa 70 Quadratkilometer großer Ölteppich vor der Küste.

Zur Bekämpfung des Brandes waren Hunderte Feuerwehrleute im Einsatz. Sie benötigten mehr als 15 Stunden, um das Feuer an den Leitungen zu löschen. Bei dem Einsatz unter Wasser wäre am Dienstag ein Helfer fast ertrunken, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua. Kollegen konnten ihn gerade noch rechtzeitig aus dem Öl ziehen. Die Ursache der Explosion ist nach offiziellen Angaben noch unklar.

wit/AP/apn/dpa/AFP/Reuters



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insgesamt 9 Beiträge
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Fritz Motzki 21.07.2010
1. Liebe Chinaleute,
ihr müßt einfach die restlichen Bäume auch noch abhacken, dann kann das Wasser schneller abfließen. Ursache und Wirkung: Die tibetischen Wälder gerodet - kein Wasserspeicher.
Mathias Roeder, 21.07.2010
2. Klimagipfel
Zitat von sysop2010 ist für China ein Jahr großer Katastrophen: Schon mehr als 700 Menschen sind bei Überschwemmungen gestorben - so viele wie lange nicht mehr. Nun drohen auch noch tropische Wirbelstürme mit heftigen Regenfällen. Und nach einer Pipeline-Explosion bildet sich im Gelben Meer ein Ölteppich. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,707640,00.html
Wenn ich mich recht erinnere, hatte sich da nicht China mit Brasilien zusammen erfolgreich verschworen um dann den Klimagipfel in Kopenhagen platzen lassen?
Meckerliese 21.07.2010
3. Die Erde wehrt sich
Weiter so mit dem Rauhbau an der Natur. Sie wird sich fürchterlich rächen. Vielleicht merkt ihr es aber gar nicht mehr weil ihr alle abgesoffen seid in China.
Klo, 21.07.2010
4. Genug
Zitat von sysop2010 ist für China ein Jahr großer Katastrophen: Schon mehr als 700 Menschen sind bei Überschwemmungen gestorben - so viele wie lange nicht mehr. Nun drohen auch noch tropische Wirbelstürme mit heftigen Regenfällen. Und nach einer Pipeline-Explosion bildet sich im Gelben Meer ein Ölteppich. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,707640,00.html
Keine Aufregung. Das ist alles noch gar nichts gegen das, was rein rechnerisch noch kommen wird. Derzeit ist der Wasserdampfgehalt der Luftmassen in bestimmten Regionen so hoch, wie er selten gemessen wird. Und der hat die Tendenz dazu als Niederschlag zu fallen, wenns mal ein bisschen abkühlt. Je nachdem, wo die Extremniederschläge fallen werden, wird es tausende von Opfern und Milliardenschäden geben. Das steht unabwendbar fest.
mathey, 21.07.2010
5. Jahr der Katastrophen
"Schon mehr als 700 Menschen gestorben" - das ist bei einer Bevölkerungszahl von 1,3 Milliarden natürlich extrem besorgniserregend. Vermutlich werden die Chinesen durch derartige Katastrophen eh' man sich's versieht in spätestens 10000 Jahren ausgestorben sein.
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