Angelus-Gebet in Rom: Deutsche wünschen sich Reformer als Papst

Papst-Wahl 2013: Suche nach Nachfolger für Benedikt XVI. Fotos
AFP

Sex und Zölibat: Wenn es nach den Deutschen geht, soll der künftige Papst der katholischen Kirche vor allem moralische Reformen verordnen. Laut einer Umfrage wünschen sich dies 80 Prozent der Bevölkerung. In Rom bereiten die Gläubigen derweil Papst Benedikt einen triumphalen Abschied.

Berlin - Eine große Mehrheit der Deutschen wünscht sich vom künftigen Papst Reformen in der katholischen Kirche. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa hervor. Demnach wünschen sich 80 Prozent der Befragten Reformen etwa hinsichtlich der Sexualmoral oder beim Zölibat. Nur sieben Prozent wollen das nicht.

Der Wunsch nach Reformen ist laut Umfrage bei Katholiken mit 85 Prozent und bei Lutheranern mit 87 Prozent besonders groß - deutlich schwächer ist er etwa bei orthodoxen Christen. Hier wollen nur 46 Prozent Reformen.

Trotz der Reformhoffnungen: Einfluss auf den Alltag haben der Papst und sein Wirken nur für die wenigsten Deutschen. 77 Prozent der Befragten sehen keine Bedeutung. Selbst unter den Katholiken war nur eine Minderheit von 35 Prozent anderer Meinung.

Papst Benedikt XVI. hatte in der vergangenen Woche angekündigt, Ende Februar zurücktreten zu wollen. Einerseits war das deutsche Kirchenoberhaupt bei seinen Landsleuten zwar beliebt, andererseits galt Benedikt in vielen Fragen als eher konservativ.

Der Schweizer Theologe und Kirchenkritiker Hans Küng wünscht sich deshalb künftig "einen Papst, der geistig nicht im Mittelalter lebt", sondern "offen ist für die Anliegen der Reformation und Moderne". Das sagte Küng dem SPIEGEL. "Ohne ein Ende des römischen Hofstaats, ohne eine Kurienreform wird auch einem neuen Papst kein Durchbruch und Aufbruch gelingen."

"Das ist ein Nepotismus neuer Art"

Nach dem Rücktritt Benedikts und der Wahl eines neuen Papstes fürchtet Küng einen Machtkampf im Vatikan. "Es droht mit Benedikt XVI. ein Schattenpapst, der zwar abgedankt hat, aber indirekt weiter Einfluss nehmen kann", sagte Küng. Der 85-Jährige habe sich selbst einen Platz innerhalb des Vatikans zugewiesen und behalte seinen Sekretär, den Deutschen Georg Gänswein, der gleichzeitig Präfekt des Päpstlichen Hauses unter dem neuen Papst bleiben soll.

"Das ist ein Nepotismus neuer Art, der auch im Vatikan nicht geschätzt wird", sagte Küng. "Kein Pfarrer hat es schließlich gern, wenn der Vorgänger neben dem Pfarrhaus sitzt und alles beobachtet, was er macht."

Trotz aller Kritik wird Benedikt zum Abschluss seines Pontifikats von den Gläubigen in Rom noch einmal groß gefeiert. Zum vorletzten Angelus-Gebet mit dem scheidenden Kirchenoberhaupt wurden an diesem Sonntag mehr als 100.000 Menschen erwartet. Hunderte Einsatzkräfte sollen für die Sicherheit der Teilnehmer sorgen.

Das Gebet, das der Papst traditionell vom Fenster seines Arbeitszimmers aus mit allen Gläubigen auf dem Petersplatz spricht, ist auch ein erster wichtiger Test für die Behörden in Rom. Bis zu seinem Rücktritt hat der Papst noch einige offizielle Termine, ehe er am 28. Februar mit dem

Fotostrecke

7  Bilder
Papst-Wahl 2013: Suche nach Nachfolger für Benedikt XVI.
Hubschrauber nach Castel Gandolfo fliegen und um 20 Uhr sein Amt niederlegen will.

Die Wahl des Nachfolgers könnte indes früher stattfinden als eigentlich kirchenrechtlich vorgeschrieben. Wegen der besonderen Umstände könnte das Konklave zur Wahl eines neuen Papstes bereits vor dem 15. März beginnen, hatte Vatikansprecher Federico Lombardi am Samstag angekündigt. Die eigentlich vorgesehene Frist von 15 bis 20 Tagen nach Beginn der Sedisvakanz ("leerer Stuhl Petri") dient normalerweise dazu, dass die wahlberechtigten Kardinäle genügend Zeit haben, um aus aller Welt nach Rom zu reisen.

stk/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 107 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Unglauben
mirror_online 17.02.2013
Zitat von sysopAFPSex und Zölibat: Wenn es nach den Deutschen geht, soll der künftige Papst der katholischen Kirche vor allem moralische Reformen verordnen. Laut einer Umfrage wünschen sich dies 80 Prozent der Bevölkerung. In Rom wollen die Gläubigen derweil Papst Benedikt einen triumphalen Abschied bereiten. Umfrage: Deutsche wünschen sich Reformer als Papst - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/umfrage-deutsche-wuenschen-sich-reformer-als-papst-a-883884.html)
Die Mitglieder der katholischen Kirche kommen mir immer wieder vor wie die Mitglieder eines Fußballvereins, die viel lieber Basketball spielen wollen. Anstatt den Fußballverein zu reformieren sollten sie lieber austreten und sich locker und ungezwungen mit Gleichgesinnten zum Basketball treffen. Ist mir eh unverständlich, wieso ich als aufgeklärter Mensch ausgerechnet einen alten Mann in Rom brauche, der mit großer Wahrscheinlichkeit an einer sexuellen Störung leidet und deswegen Priester wurde, um mir erklären zu lassen, daß die Welt eine Scheibe ist und lediglich die Würde des katholischen Mannes/Priesters unantastbar ist...
2.
RALF ALG III 17.02.2013
Zitat von sysopAFPSex und Zölibat: Wenn es nach den Deutschen geht, soll der künftige Papst der katholischen Kirche vor allem moralische Reformen verordnen. Laut einer Umfrage wünschen sich dies 80 Prozent der Bevölkerung. In Rom wollen die Gläubigen derweil Papst Benedikt einen triumphalen Abschied bereiten. Umfrage: Deutsche wünschen sich Reformer als Papst - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/umfrage-deutsche-wuenschen-sich-reformer-als-papst-a-883884.html)
Ich möchte etwas zu Küng sagen: Wenn sich die RKK - wie es scheinbar die Mehrheit der Deutschen, sogar der Katholiken unter ihnen wünscht - in Richtung Reformation und Moderne bewegt, dann könnte sie sich bald überflüssig gemacht haben. Denn ein Reformchristentum haben wir längst, dazu bedarf es keines Katholizismus. Der Sinn der Katholizismus besteht dorch gerade darin, die Tradition gegen die Tendenzen der Moderne zu verteidigen. Wäre der Papst - statt "im Mittelalter" zu verharren - ein ganz gewöhnlicher Mensch, modern, dynamisch, modisch, liberal, aufgeschlossen und sterbenslangweilig, dann wäre er überflüssig. Denn solche Menschen gibt es schon genug. Das Mittelalterliche ist das, was den Katholizismus attraktiv macht und Sinn verleiht.
3. Nein wollen sie nicht!
fundamentalerkatholik 17.02.2013
Wer eine Reform will, der kann zu den bereits existierenden Reformierten gehen... die Katholische Kirche muss genau jetzt noch mehr denn je einen harten Gegenpol zur willkürlichen evangelischen Kirche bieten! Nur so behält man Glaubwürdigkeit. Ich möchte keinen reformierenden Papst, niemals!
4. Who cares?
meinmein 17.02.2013
Zitat von sysopAFPSex und Zölibat: Wenn es nach den Deutschen geht, soll der künftige Papst der katholischen Kirche vor allem moralische Reformen verordnen. Laut einer Umfrage wünschen sich dies 80 Prozent der Bevölkerung. In Rom wollen die Gläubigen derweil Papst Benedikt einen triumphalen Abschied bereiten. Umfrage: Deutsche wünschen sich Reformer als Papst - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/umfrage-deutsche-wuenschen-sich-reformer-als-papst-a-883884.html)
80% der Bevölkerung ist die Sexualmoral der Kirche völlig egal. Alle katholischen Frauen, die ich kennengelernt habe, kümmern sich auch nicht darum. Der neue Papst kann beschließen und verkünden, was er will, es ist am wirklichen Leben vorbei und nur eine Randnotiz wert.
5. 80% der Bevölkerung ...
westerwäller 17.02.2013
Zitat von sysopAFPSex und Zölibat: Wenn es nach den Deutschen geht, soll der künftige Papst der katholischen Kirche vor allem moralische Reformen verordnen. Laut einer Umfrage wünschen sich dies 80 Prozent der Bevölkerung. In Rom wollen die Gläubigen derweil Papst Benedikt einen triumphalen Abschied bereiten. Umfrage: Deutsche wünschen sich Reformer als Papst - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/umfrage-deutsche-wuenschen-sich-reformer-als-papst-a-883884.html)
... wünschen sich das also ... Es gibt aber nur 30% Katholiken in Deutschland... Was geht es also die verbliebenen 50% der Bevölkerung an, was die KK in ihrem Innersten macht? Und warum sollte die KK auf kirchenferne Ratschläge wie SPON hören, wenn sie sowieso als Feindbild Nr. 2 (nach der FDP) hier bekämpft wird? Hätte die KK auf Strömungen in der Presse gehört, wäre sie bestimmt keine 2.000 Jahre alt geworden. Dass man mit der Aufgabe von Prinzipien keine neuen Leute gewinnt, zeigt uns doch die ev. Kirche jeden Tag. Hochgelobt von Gewerkschaften und Alternativgruppen (von denen keiner die Kirche besucht) und mit ihrer Beliebigkeit wohlwollend in der Presse goutiert (hochgelobt die schwulen Paare in Pfarrhäusern z.B.), ist deren Abwanderung sogar noch höher ... Schuster bleib bei deinen Leisten ...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles zum Thema Papst Benedikt XVI.
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 107 Kommentare
Video

Fotostrecke
Papst-Rücktritt: Von Joseph Ratzinger zu Benedikt XVI.
VIDEO

Twitter zu #Papst #Benedikt