Proteste von Anwohnern Gericht weist Klage gegen Hamburger Hospiz ab

Das Hamburger Verwaltungsgericht hat die Klage eines Anwohnerpaares gegen die Einrichtung eines Hospizes abgewiesen. Seit Monaten hatte es ungewöhnlich scharfe Proteste gegen das Projekt in einem Wohngebiet gegeben.

Gemeindezentrum vor dem Umbau (2012): In diesem Gebäude richtete das Rote Kreuz ein Hospiz ein
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Gemeindezentrum vor dem Umbau (2012): In diesem Gebäude richtete das Rote Kreuz ein Hospiz ein


Hamburg - Die Klage eines Ehepaars aus dem Hamburger Süden gegen die Einrichtung eines Hospizes in der Nachbarschaft ist vom Verwaltungsgericht der Stadt abgelehnt worden. Das Hospiz mit 12 Zimmern sei in einem allgemeinen Wohngebiet zulässig, teilte das Gericht mit. Mit dem genehmigten Vorhaben seien keine unzumutbaren Beeinträchtigung für die Nachbarn verbunden. Dies gelte insbesondere für die Größe des Gebäudes und für den zu erwartenden Verkehr.

Erst am Mittwoch war die Einrichtung, die vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) betrieben wird, in einer Feier mit rund 200 Gästen offiziell eingeweiht worden. Laut "Hamburger Abendblatt" kostete der Umbau des ehemaligen Gemeindehauses im Stadtteil Langenbek rund drei Millionen Euro; ein Großteil der Baukosten wurde dem Blatt zufolge durch Spenden finanziert.

In seiner Klage hatte sich das Ehepaar nach Angaben der "taz" auf baurechtliche Verstöße berufen. Ein Hospiz entspreche nicht dem "Gebietscharakter des allgemeinen Wohngebietes"; der Bau nehme "keine Rücksicht auf das Wohnumfeld". Zudem sei die "kurze Verweildauer" der kranken Patienten bemängelt worden.

Laut Verwaltungsgericht sicherte das DRK in der mündlichen Verhandlung zu, Mängel in Bezug auf baurechtliche Vorgaben zu beseitigen - dabei geht es unter anderem um den Stellplatz der Müllcontainer und die Nutzung eines Rettungsweges für andere Zwecke.

Schon im Februar 2012 hatten Anwohner Bedenken gegen das Projekt vorgetragen - es ging um eine mögliche Wertminderung ihrer Immobilien, um zusätzlichen Verkehr, ausdrücklich aber auch um die Konfrontation mit dem Tod. "Wenn ich morgens beim Frühstücken aus dem Fenster schaue, möchte ich nicht, dass mir die Wurst im Hals stecken bleibt", sagte damals eine Nachbarin SPIEGEL ONLINE.

Einige Anwohner leisteten ungewöhnlich heftigen Widerstand. In der "taz" sagte Martina Kuhn von der Koordinierungsstelle Hospiz & Palliativarbeit, in Hamburg habe zwar bislang jedes neue Hospiz für Proteste gesorgt. "Aber bei keinem haben die Anwohner so lange gekämpft und sind sogar vor Gericht gegangen."

Gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichts können die Kläger Berufung einlegen. Ob das tatsächlich geschieht, ist noch unklar.

rls

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insgesamt 77 Beiträge
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shinobi42 12.12.2013
1. Ein biblisches Problem ...
"Bedenke, dass du sterben musst auf das du klug wirst in dem Land, das der Herr dir geben wird." Liebe Todesverdränger und andere Dummerchen, vor dem Seniorenheim nebenan bei uns stehen auch ab und zu schwarze geräumige Fahrzeuge. Meinem Appetit und meiner Lebensfreude tun die aber keinen Abbruch.
glen13 12.12.2013
2.
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEDas Hamburger Verwaltungsgericht hat die Klage eines Anwohnerpaares gegen die Einrichtung eines Hospizes abgewiesen. Seit Monaten hatte es ungewöhnlich scharfe Proteste gegen das Projekt in einem Wohngebiet gegeben. http://www.spiegel.de/panorama/umstrittenes-hospiz-in-hamburg-verwaltungsgericht-entscheidet-a-938691.html
Der Tod gehört zum Leben. Das haben viele Leute noch nicht erkannt. Es ist gut, dass es die Hospize gibt. Warum ein Hospiz eine Wertminderung der Immobilie nach sich ziehen soll, erschließt sich mir nicht. Ich glaube nicht, dass die Todgeweihten laut feiern. Und wieso einer Anliegerin "morgens das Brötchen im Hals stecken bleibt", weil dort ein Hospiz ist, verstehe ich auch nicht. Mir würde eher bei solchen Nachbarn wie dieser Dame das Brötchen im Hals stecken bleiben. Die haben ein Gemüt, wie ein Fleischerhund, hätte mein Opa gesagt.
ky3 12.12.2013
3.
Die Angst vor dem Sterben drückt sich in der Angst vor dem Immobilienwert aus. Wie armselig sind wir Menschen?
sepsisone 12.12.2013
4.
Das ist ja wirklich heftig
Steuerzahler0815 12.12.2013
5.
Man sollte sich die Namen derjenigen die dagegen protestieren aufschrieben Wenn sie alt sind und Pflege brauchen sollte man die alleine verrecken lassen als Preis für ihren Egoismus damals Man darf ja mal träumen
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