Umweltkatastrophe am Golf von Mexiko Ölteppich erreicht US-Küste früher als erwartet

Schwimmende Barrieren sollten den Ölteppich im Golf von Mexiko eindämmen - es nützte nichts: Seit vergangener Nacht schwappt die Schmutzbrühe im Mississippi-Delta an Land. Den USA droht eine der schlimmsten Umweltkatastrophen der vergangenen Jahrzehnte.

AFP

New Orleans - Das Öl aus der im Golf von Mexiko gesunkenen Plattform "Deepwater Horizon" hat bereits am Donnerstagabend (Ortszeit) die Küste des US-Bundesstaats Louisiana erreicht - früher als erwartet.

An den Ausläufern des hochsensiblen Mississippi-Deltas schwappe der Ölteppich an Land, teilten die örtlichen Behörden mit. US-Umweltschützer befürchten eine der schlimmsten Öko-Katastrophen der vergangenen Jahre. US-Präsident Barack Obama hatte die Ölpest bereits am Donnerstag zur "nationalen Katastrophe" erklärt.

Keinen Erfolg hatten die Bemühungen der Küstenwacht, das Öl mit schwimmenden Barrieren aufzuhalten. Rund anderthalb Meter hohe Wellen vereitelten diese Versuche. Mit der Ankunft des Öls an der Küste sind die Biotope von Seevögeln und anderen Meereslebewesen akut bedroht. Ebenfalls gefährdet sind Austernbänke und die Fanggründe für Krustentiere.

"Seit etwa 30 Minuten können wir es riechen", sagte ein Austernzüchter in der Ortschaft Empire an der Küste Louisianas. "Jetzt wissen wir, dass es näherkommt und uns hier treffen wird."

Die Küstenwache hatte darauf gehofft, am Donnerstag wie bereits am Vortag erneut Öl auf dem Meer abzufackeln. Auch das wurde von Wetter und Wellengang verhindert. "Sobald es geht, werden wir damit weitermachen", sagte eine Sprecherin.

Knapp 800.000 Liter Öl fließen täglich ins Meer

Auch die US-Streitkräfte wurden eingeschaltet. Die Marine bereite Einsatzgerät zum Abschöpfen des Öls von der Meeresoberfläche vor, sagte Sprecher Myers Vasquez. Auf dem Luftwaffenstützpunkt Pensacola in Florida werde weiteres Gerät bereitgehalten.

Der Gouverneur von Louisiana, Bobby Jindal, rief für seinen Staat den Notstand aus. Nun können rasch Bundeshilfen fließen. Zudem forderte Louisiana 6000 Mann der Nationalgarde an, die helfen sollen, die Küste vom angeschwemmten Öl zu säubern.

Inzwischen ist klar, dass das Ausmaß der Katastrophe größer ist als ursprünglich gedacht: Es fließt täglich fünfmal mehr Öl ins Meer als zuerst angenommen. Sorge bereite laut Jindal nun zusätzlich, dass durch starken Wind im Golf nun auch schwereres und nicht wie erwartet nur leichteres Öl auf die Küste treffe.

Das Öl aus der Plattform strömt in 1500 Meter Meerestiefe ungehindert aus drei verschiedenen Lecks. Täglich fließen so rund 5000 Barrel (umgerechnet 795.000 Liter) ins Meer, fünfmal so viel wie anfangs vermutet. Tritt weiter Öl in diesen Mengen aus, würde es nur 57 Tage dauern, bis das Ausmaß der "Exxon-Valdez"-Katastrophe erreicht würde - der bisher schlimmsten Ölpest in der US-Geschichte.

Der Ölteppich erreichte nach Angaben des Senders CNN bis Donnerstagmittag (Ortszeit) an den breitesten Stellen eine Ausdehnung von 72 mal 169 Kilometern.

Krabbenfischer verklagen BP-Konzern

Präsident Obama hatte zuvor eine "gründliche Untersuchung" des Unfalls versprochen. Die Regierung und der Ölkonzern BP, der "Deepwater Horizon" von der Firma Transocean geleast hatte, "tun das Möglichste, um nicht nur auf diesen Vorfall zu reagieren, sondern auch seinen Ursachen auf den Grund zu gehen", sagte der Präsident.

US-Innenminister Ken Salazar ordnete eine "umgehende Untersuchung" aller Tiefsee-Ölplattformen im Golf an. Sie solle binnen sieben Tagen abgeschlossen werden. Zudem würden alle Ölquellen überprüft, "damit so etwas nicht noch einmal passiert", sagte ein Sprecher.

Gegen die Konzern BP haben Krabbenfischer aus Louisiana und Alabama bereits Klage eingereicht.

pad/AP/dpa/Reuters



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 83 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
atomkraftwerk, 30.04.2010
1. .
Kein Wunder dass der Oelpreis steigt wenn die alles wegschütten.
Thor Branke, 30.04.2010
2. Goldrush: Louisiana bietet Claims für Schwarzes Gold
Zitat von atomkraftwerkKein Wunder dass der Oelpreis steigt wenn die alles wegschütten.
Na ja, die sparen sich jetzt die Transportkosten, können das schwarze Gold in Kürze einfach von den Küsten absammeln. Nur das Herauspulen aus dem Vogelgefieder und das Abkratzen von Hummerpanzern wird sich sich zeit- und kostenaufwändig gestalten. Mit Technik die Natur beherrschen ist hier einmal mehr gründlich schief gegangen. In welchem Ruf steht eigentlich "Transocean" hinsichtlich der Sicherheit ihrer Bohrplattformen. Sind die schon früher mal durch Pannen ins Visier von Ermittlern und Öffentlichkeit geraten?
canUCme, 30.04.2010
3. schon wieder
Jetzt kommen sie wieder, die Bilder ölverseuchter Seevögel, die dem Untergang geweiht sind. Ihre letzten Blicke sind verstört, verzweifelt - aber nie anklagend. Das macht es für mich besonders schlimm. Unsere vermeintliche Intelligenz, die es uns erlaubt Technik zu erschaffen und Naturhaushalte zu verändern, legt uns auch eine besondere Verantwortung für diesen Planeten auf. Der werden wir aber nicht gerecht. Sentimental, mag sein. Aber ohne Sensibilität, ohne die Fähigkeit 'den Schmerz in den Dingen zu spüren', ohne Mitleid für die Kreatur sind auch wir dem Untergang geweiht.
jimi hendrix 30.04.2010
4. das ist die Zukunft
entspannt euch und gewöhnt euch einfach daran. Mir wurde regelmäßig Zukunftspessimissmus vergeworfen, wenn ich meine Bedenken über den Jubel bei den letzten Funden von größeren Ölvorkommen äusserte. Die liegen doch auch im Golf von Mexiko...nur eben in 3000 Metern Tiefe. Eine Region die von schwersten Stürmen heimgesucht wird. Und wo wird noch gesucht? im Eismeer? Es ist die blanke Not, die uns dazu zwingt, auf der Suche nach fossilen Energieressourcen, jetzt die sensibelsten und schwierigsten Lager auszubeuten. Das gilt auch für die Gasförderung wie sie die Amerikaner heute betreiben. Der Peak ist längst überwunden, nur berichtet niemand darüber. Falsche Zahlen und angeblich neue Techniken sollen Versorgungssicherheit plakatieren. Ich behaupte mal ganz frech; in 20 Jahren ist die Party vorbei. Dann ist Russland die einzige handlungsfähige Supermacht dank eigener Energie. Die arabischen Staaten werden versuchen sich eine strategische Reserve zu sichern, falls sie die Kraft dazu haben... Und in Europa fahren keine LKW's mehr zu den Supermärkten.
Ylex 30.04.2010
5. Fünftgrößtes Flussdelta der Welt
Eine schreckliche Bedrohung für die Natur und die Menschen. Es ist bisher nicht erkennbar, wie man den Ölausfluss ins Meer stoppen könnte – die technischen Probleme scheinen erheblich zu sein, hoffentlich gelingt es überhaupt. Als Laie frage ich mich, ob der Druck aus dem Bohrloch mit der Zeit geringer wird, so dass das Auslaufen von Erdöl irgendwann automatisch aufhört. Wie ich gerade nachgelesen habe, ist das Flussdelta (Fremdwort „Ästuar“) des Mississippi das fünftgrößte der Welt mit 36.000 qkm – davor: Amazonas, Ganges, Mekong, Lena. Der Artenreichtum von Flora und Fauna wird als einzigartig bezeichnet, auch wirtschaftlich hat das Mississippi-Delta große Bedeutung für die Vereinigten Staaten. Es bahnt sich also tatsächlich eine Katastrophe an. Die Schuldfrage stellt sich nicht – bei der enormen Erdölproduktion auf der Erde sind solche Unfälle praktisch vorprogrammiert. Deshalb wird dieses Desaster auch nicht zu einem Umdenken führen. Es geht weiter, immer weiter.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.