Umweltschutz contra Ostalgie: No, Trabi, no!

In ostdeutschen Städten können Touristen in Trabis umhertuckern und eintauchen in den Geruch des Sozialismus. Einer Unternehmerin in Leipzig wurde dieses Angebot untersagt, der "Luftreinhalteplan" spricht dagegen. Die Frau klagte, ein Gericht entschied wenig ostalgisch.

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Ein Trabi in Leipzig: Luftreinhalteplan kennt keine Ostalgie

Leipzig - Alles hinterlässt Spuren, das gilt auch für Staaten, die untergehen, und ganz besonders für die DDR. Jeder weiß das, der schon einmal in Berlin-Mitte unterwegs war: Dort werden NVA-Mützen feilgeboten und allerhand Klimbim mit Hammer und Zirkel drauf. Käufer gibt es genug, sie sorgen dafür, dass die Spuren des Sozialismus weitergetragen werden bis nach Japan.

Das Lieblingsstück aller Ostalgiker aber bekommt man hier nicht: Den Trabanten, Symbol der sozialistischen Entschleunigung. Dafür tuckern noch rund 100 Exemplare an Berlins Sehenswürdigkeiten vorbei, für Touristen drinnen und draußen ein großer Spaß.

Dachte sich eine findige Geschäftsfrau in Leipzig: Das will ich auch. Und so bot Karen Ulber mit Saxonia Touristik fortan Stadtrundfahrten in Trabis an, zwölf Stück umfasste der Fuhrpark. "Trabi erleben", so warb Saxonia für einen Trip in der Kiste. Doch sie selbst erlebte, dass der Ostalgie Grenzen gesetzt sind: Die Stadt Leipzig hat einen "Luftreinhalteplan" und der verlangt, dass nur vergleichsweise klimafreundliche Fahrzeuge durch die Innenstadt fahren dürfen. Umweltzone ist das Stichwort.

Auch Berlin hat eine Umweltzone, doch dort gilt eine Ausnahmegenehmigung für Sonderfahrzeuge, Trabis genießen Artenschutz. In Leipzig sind die Luftreinhalter weniger tolerant: Die Stadt lehnte einen Antrag der Unternehmerin auf Erteilung einer Sondergenehmigung ab.

Durchaus zu Recht, meint nun das Verwaltungsgericht Leipzig. Ausnahmeregelungen seien zwar grundsätzlich auch in Leipzig möglich. Voraussetzung sei aber, dass das beantragende Unternehmen ohne die Erlaubnis in seiner Existenz gefährdet wäre, was hier nicht der Fall sei: Selbst im bisher erfolgreichsten Jahr 2010 habe das Geschäft mit den Trabis lediglich zwölf Prozent des Gesamterlöses ausgemacht.

Karen Ulber will nun vor das Oberverwaltungsgericht ziehen. Das Gericht habe Stellungnahmen unter anderem der Industrie- und Handelskammer nicht berücksichtigt. Zudem fehlten für die notwendige Existenzbedrohung Kriterien, "so dass sich hier offenbar ein immenser Ermessensspielraum ergibt", so Ulber.

bim

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