Stolpern, Sturz, Vergiftung 9815 Menschen starben bei Unfällen im Haushalt

Fensterputzen oder Staubsaugen sind unterschätzte Gefahren. Jedes Jahr sterben bei Haushaltsunfällen mehr Menschen als im Straßenverkehr. Die Zahl der tödlichen Unglücke im Haus nimmt seit 2007 sogar zu.

Frau beim Putzen (Symbolbild)
DPA

Frau beim Putzen (Symbolbild)


Alltägliche Aufgaben im Haushalt können zu einer großen Gefahr werden. Nach den jüngsten vorliegenden Zahlen aus dem Jahr 2015 kamen 9815 Menschen bei Unfällen in der Wohnung oder im Haus ums Leben - knapp 800 mehr als im Jahr davor.

Das Risiko eines tödlichen Unfalls ist damit im Haushalt ungleich höher als im Straßenverkehr, wo im gleichen Jahr rund 3500 Menschen bei Unfällen starben. Das geht aus Daten der Landesstatistikämter hervor, die die Minijob-Zentrale veröffentlicht hat.

Die Zahl der tödlichen Hausunfälle wächst seit 2007 Jahr für Jahr. "Und sie wird mit großer Sicherheit weiter steigen", sagt die Geschäftsführerin des Gemeinnützigen Vereins "Das sichere Haus", Susanne Wölk. Der Verein engagiert sich unter anderem bei der Unfallprävention.

Wölk zufolge ist das steigende Durchschnittsalter der Deutschen der Hauptgrund für die Entwicklung: Alte Menschen seien wegen nachlassender Muskel- und Sehkraft besonders sturzgefährdet. Oft fehle ihnen die Einsicht, dass sie manche Dinge ohne Hilfe nicht mehr schafften. Da sie oft allein lebten, würden sie bei Unfällen vielfach zu spät gefunden. Das Statistische Bundesamt hat mit 9818 Toten im Haushalt sehr ähnliche Zahlen für 2015.

Stürze häufigste Ursache tödlicher Hausunfälle

Die hohen Todeszahlen und die zahlreichen Verletzungen bei Hausunfällen - nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts rund 3,15 Millionen Fälle im Jahr - führen auch zu hohen Kosten. Genaue Zahlen liegen nicht vor, aber allein für die Versorgung eines Oberschenkelhalsbruchs, einer typischen Sturzverletzung älterer Versicherter, müssen gesetzliche Krankenkassen laut GKV-Spitzenverband mehr als 7000 Euro bezahlen.

Stürze sind mit mehr als 80 Prozent die überwiegende Ursache tödlicher Hausunfälle - etwa beim Fensterputzen oder beim Stolpern über Teppichkanten oder Staubsaugerkabel. Hinzu kommen nach früheren Erhebungen unter anderem Brände und Ersticken, Vergiftungen und Ertrinken.

Die Minijob-Zentrale will mit der Auswertung dafür werben, Haushaltshilfen anzumelden. Angesichts der hohen Unfallzahlen mit oft gravierenden Folgen sichere allein eine Anmeldung den Unfallschutz, sagt der Chef der Minijob-Zentrale, Erik Thomsen. Gerade im Haushaltsbereich arbeiten nach Schätzungen Millionen Menschen schwarz, also unangemeldet.

Für einen angemeldeten Minijobber muss der Arbeitgeber laut Minijob-Zentrale maximal 14,8 Prozent Abgaben abführen - bei 450 Euro Einkommen im Monat wären das in einem Rechenbeispiel 66,60 Euro. Da ein Teil davon steuerlich geltend gemacht werden könne, betrage die reale Belastung nur gut 24 Euro im Monat.

Sie sind Minijobber, und der Mindestlohn wird Ihnen verwehrt? Was Sie dagegen tun können, steht in diesem Servicestück.

yes/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.