Unfall am Wolkenkratzer: Fensterputzer überlebt Sturz aus 47. Stock

Absturz in Manhattan: Zwei Fensterputzer sind aus 144 Metern Höhe in die Tiefe gefallen. Der eine starb im Moment des Aufpralls, der andere überlebte den Sturz aus dem 47. Stock. Das Gerüst, auf dem die beiden arbeiteten, galt schon vorher als fehlerhaft.

New York - Sie waren Brüder, sie wohnten zusamen und hatten den gleichen Job: Alcides und Edgar Moreno putzten die Fenster eines Apartmenthochhauses in Manhattan. Am Freitag stürzten die Brüder bei der Arbeit 144 Meter in die Tiefe. Alcides überlebte, wie die "New York Times" heute schreibt.

Fensterputzer (in Hamburg): Knochenarbeit mit Restrisiko
DPA

Fensterputzer (in Hamburg): Knochenarbeit mit Restrisiko

Jeden Morgen gegen zehn Uhr fuhren die beiden Männer aus Ecuador mit dem Aufzug die 46 Stockwerke des "Solow Tower" an der Upper East Side hoch. Die letzten Meter auf dem Dach gingen sie zu Fuß - dann stiegen sie in ihren Außenlift, mit dem sie an der Fensterfront entlang rangierten. Bevor sie mit dem Putzen begannen, legten sie sich immer ihre Sicherungsgurte um. Letzten Freitag kamen sie nicht mehr dazu.

Die Haltekabel des Außenlifts lösten sich aus der Verankerung, die Brüder fielen mit der Plattform in die Tiefe. Edgar Moreno war sofort tot. Edgar Moreno war mit einer Frau in Ecuador verheiratet, sein Bruder hat eine Ehefrau drei Kinder in New York City.

Warum er den Sturz überlebte, ist kaum zu erklären

Alcides überlebte, wenn auch mit sehr schweren Verletzungen. Die Ärzte des New Yorker Presbyterian/Weill-Cornell-Krankenhauses, in dem er zur Zeit behandelt wird, wollen laut "New York Times" nichts zu seinen Überlebenschancen sagen. Warum er den Sturz überhaupt überstanden hat, ist kaum zu erklären. Es ist bisher unklar, ob sein Fall durch etwas gebremst wurde.

"Ich habe schon öfter Leute aus Fenstern fallen sehen", sagte der Feuerwehrmann Seth Andrews der "New York Times". "Aber 47 Stockwerke? So etwas habe ich noch nicht gehört".

Warum die Halteseile des Außenlifts rissen, soll nun eine offizielle Kommission der Stadt New York untersuchen. Einen Tag vor dem Unglück waren die Seile ausgetauscht worden. Laut "New York Times" wussten die Brüder vor Arbeitsantritt, dass ihr Gerüst unter mechanischen Problemen litt, wurden aber von ihrem Boss überredet, trotzdem den Dienst in schwindelnder Höhe zu beginnen.

Ein Schwager der Morenos, ebenfalls ein Fensterputzer, habe noch zwei Stunden vorher mit den beiden gesprochen und sie gewarnt, keine Risiken mit dem fehlerhaften Gerüst einzugehen. Der Vorarbeiter, laut Aussage des Schwagers ein gewisser Tony, habe jedoch angerufen und gesagt, das Gerüst sei repariert worden. Die Fensterputzfirma, City Wide Window Cleaning, war laut "Times" noch nicht für eine Erklärung erreichbar.

Ein Ermittler der New Yorker Behörden sagte der "New York Times", dass tatsächlich an dem Gerüst, einer in das Gebäude integrierten Einheit, kürzlich Reparaturarbeiten vorgenommen worden sind, unklar sei jedoch, von wem die Arbeit durchgeführt wurde und was genau gemacht worden ist.

Genaueres über den Hergang des Unfalls wird wohl erst Alcides Moreno zu Protokoll geben können - wenn er diesen Sturz aus 144 Metern Höhe wirklich überlebt. Zur Stunde schwebt er noch in Lebensgefahr.

maf/bor/dpa

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