Ungewöhnlicher Fahrgast Der Pony-Express

Pferd vor Ticketschalter, Pferd in Aufzug, Pferd auf Bahnsteig: Ein Mann in Wales wollte von einem Bahnhof aus mit seinem Pony auf Reise gehen - Überwachungskameras filmten die beiden. Die Aufnahmen zeigen die Geschichte eines ungleichen Paars, das die britische Provinz auf Trab hält.

AP/ Arriva Trains Wales

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Hamburg - Am Tag zuvor waren sie gemeinsam im Pub "Elihu Yale" in der Regent Street, der Mann und sein weißes Pony. Doch niemand wollte das Pferd bedienen. Mitarbeiter hätten den Tierbesitzer aufgefordert, die Kneipe zu verlassen. Das tat er, das Pony wurde am Straßenrand festgebunden. "Die Gäste reagierten sehr überrascht. Das ist nicht der Anblick, den man in einem Pub gewöhnt ist", sagt Eddie Gershon, Sprecher der Betreiberkette.

Seit Tagen, so berichten Menschen aus der 40.000-Einwohner-Stadt Wrexham in Wales, seien der Mann mit dem Schlapphut und das Pony zusammen unterwegs gewesen. An jenem Abend beobachtete Lorna McCarroll die Szene, holte Wasser und Gemüse für das Tier. "Wir haben dem Pferd ein Drei-Gänge-Menü gegeben", sagte sie der örtlichen Tageszeitung "The Leader".

Am nächsten Tag taucht der Mann am Fahrkartenschalter des Bahnhofs von Wrexham auf und verlangt zwei Tickets. "Eins für mich und eins für mein Pferd", sagt er. Das Tier steht hinter ihm. Der Angestellte hinter dem Schalter antwortet, Pferde seien im Zug nicht erlaubt. "Ich kenne das Gesetz", sagt der Kunde brüsk. So lässt sich die Szene, die am vergangenen Samstag von Überwachungskameras aufgezeichnet wurde, aus Berichten mehrerer Zeitungen rekonstruieren.

Der Unbekannte geht weg - aber nicht nach Hause. Stattdessen bugsiert er sein Pony in einen Aufzug und fährt hoch zu den Gleisen. Gelassen steht der Mann am Bahnsteig und wartet auf den Zug. In der Hand hält er einen Strick, mit dem er das walisische Bergpony, Stockmaß 1,20 Meter, am Halfter führt. Um 19.02 Uhr soll der Zug von Wrexham nach Holyhead abfahren. Für die rund 140 Kilometer lange Strecke bis zur Endstation an der Küste sind zwei Stunden und 28 Minuten Fahrtzeit vorgesehen.

Der Zug fährt ein, die Türen öffnen sich, der Mann steigt ein und versucht, das Pferd mit in den Waggon zu ziehen. Ein Schaffner stoppt ihn. "Ich traute meinen Augen nicht. Das Tier war sehr ruhig und wäre eingestiegen, wenn der Schaffner es nicht verhindert hätte", sagt ein Fahrgast dem "Daily Express". Es gibt eine kurze Diskussion. Sicherheitsleute bitten den Mann, das Bahnhofsgelände zu verlassen.

Laut dem Bahnunternehmen geht der Mann tatsächlich - "vermutlich, um die Strecke nach Holyhead zu reiten", wie es in einer Stellungnahme laut "WalesOnline" lapidar heißt. Letzteres ist offensichtlich eine Fehleinschätzung, denn der Mann bleibt in Wrexham. Weshalb er ursprünglich in den Zug steigen wollte, ist unklar.

"Eine Sache des gesunden Menschenverstands"

"Ich kann mich nicht erinnern, dass so etwas jemals passiert ist", sagt eine Sprecherin der Zuggesellschaft Arriva Trains. Das Unternehmen gestatte, Hunde und kleine Tiere in Zügen mitzunehmen. "Große Tiere, inklusive Pferde und Ponys, die eine Gefahr für die Öffentlichkeit sein könnten, dürfen nicht in den Zügen reisen." Das sei doch "eine Sache des gesunden Menschenverstands".

Später tauchen Mann und Pferd in der Notaufnahme des Maelor Hospital auf. "Wir können bestätigen, dass ein Mann mit einem Pferd in der Notaufnahme war, aber wir konnten das Pferd nicht behandeln", teilt das Krankenhaus mit. Man gehe davon aus, es handle sich um den Mann, der auch im Bahnhof war, aber letzte Sicherheit gebe es nicht.

Sicherheitsleute bitten den Pferdebesitzer laut BBC, das Krankenhaus zu verlassen. Dem kommt er ohne Widerstand nach - mit dem Pony im Schlepptau.

Stadt will "die Sache mit dem Mann besprechen"

Lokale Medien versuchen nun, die Identität des Mannes zu klären. Er wird laut "WalesOnline" Joe genannt und soll zur örtlichen Gemeinschaft von Sinti und Roma gehören. Sein richtiger Name ist allerdings unbekannt - ebenso wie der des Pferdes, kalauert die Zeitung "Metro".

Bislang blieben auch die Bemühungen von Behörden und Tierschutzverbänden erfolglos, den Mann zu finden. Wer der Pferdebesitzer ist, wie alt er ist - "ich habe keine Informationen dazu", sagt Gill Stevens, Pressesprecherin der Stadt Wrexham, SPIEGEL ONLINE. "Das Letzte, was wir gehört haben, ist, dass er die Gegend verlassen hat." Wohin er gegangen sei, wisse sie nicht. Die Geschichte sei "höchst ungewöhnlich".

Der Tierschutzbeauftragte der Stadt Wrexham sagt, man wolle sicherstellen, dass es dem Pony gutgeht. Zudem wolle man "die Sache mit dem Mann besprechen", so ein Stadtsprecher.

Laut "WalesOnline" ist der Mann den Tierschutzbehörden in Wrexham bekannt. Der Mann müsse "sehr besorgt um sein Pony gewesen sein", sagt eine Sprecherin des "Horse Trust", einer Wohltätigkeitsorganisation für Pferde. "Wenn man versucht, ein Pony in einen Zug zu verfrachten, muss man schon verwirrt sein."

Die Fahrkarte bis Holyhead hätte 26,50 Pfund gekostet. Pro Fahrgast.



insgesamt 6 Beiträge
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Nicola54 20.05.2011
1. Typisch
Tierschutverbände machen sich also Sorgen um das Pony... Und wer macht sich Sorgen um den Menschen??
Das Hilfscheckerbunny 20.05.2011
2. Pony zu lang...
niemand im Frisörsalon hat sich je über mein Pony aufgeregt...
JoergHamburg 20.05.2011
3. Wirklich 26,50 pro Fahrgast ??
Zitat von sysopPferd vor Ticketschalter,*Pferd im Aufzug,*Pferd auf Bahnsteig: Ein Mann in Wales wollte von einem Bahnhof aus mit seinem Pony auf Reise gehen -Überwachungskameras haben die beiden gefilmt.*Sie zeigen die Geschichte eines ungleichen Paares, das die britische Provinz auf Trab hält. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,763589,00.html
Soweit ich informiert bin, muss man z.B. bei der HVV wenn man z.B. 3 Hamster mitnimmt keineswegs 4 x bezahlen, sondern 1 x. Bitte das noch mal genauer recherchieren. Danke.
boeseHelene 20.05.2011
4. -----
Zitat von Nicola54Tierschutverbände machen sich also Sorgen um das Pony... Und wer macht sich Sorgen um den Menschen??
natürlich die Krone der Schöpfung muss vorgehen walisches Bergpferd habe ich noch nie gehört ich kenne die Rasse nur als Welshpony ;) http://de.wikipedia.org/wiki/Welsh-Pony Bei beschriebenen Pony handelt es sich um ein Welsh Montain.
Orphelin 20.05.2011
5. Alles schon mal dagewesen...
... fragen Sie mal am Bahnhof Durlesbach bei der Schwäb´schen Eisenbahne", ob jemand diese Geschichte vielleicht kennt ;-) Soll allerdings damals eine Ziege gewesen sein, der Schwarzfahren gar nicht gubt bekommen ist: "Auf de nächste Statione, wo er will sei Böckle hole, findt er nur no Kopf und Soil an dem hintre Wagetoil. Rulla, rulla, rullala, rulla, rulla, rullala, findt er nur no Kopf und Soil an dem hintre Wagetoil."
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