Unglück von Madrid Spanair-Triebwerk auf Umkehrschub geschaltet

Neue Erkenntnisse über das Flugzeugunglück von Madrid: Ein Triebwerk der abgestürzten Spanair-Maschine war auf Umkehrschub geschaltet - das haben Fachleute bei Untersuchungen des Wracks herausgefunden. War es ein technischer Defekt oder versagten die Piloten?


München - Noch ist unklar, wie der Umkehrschub-Mechanismus aktiviert wurde, wie die Zeitung "El Mundo" am Dienstag berichtete. Der Umkehrschub dient dazu, ein Flugzeug zu bremsen, und kann nur eingeschaltet werden, wenn eine Maschine sich am Boden befindet.

Der zweistrahlige Jet der spanischen Fluggesellschaft Spanair war am vorigen Mittwoch unmittelbar nach dem Start auf dem Madrider Flughafen abgestürzt. Dabei kamen 154 Menschen ums Leben. 18 Insassen überlebten mit teilweise schweren Verletzungen.

Ein erster Überlebender konnte inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen werden. Dabei handelte es sich um einen sechsjährigen Jungen, der bei dem Unglück seine 16 Jahre alte Schwester verlor.

Rund die Hälfte der 154 Opfer der Flugzeugkatastrophe von Madrid ist identifiziert - Pathologen vor Ort fürchten jedoch, dass einige Insassen der Spanair-Maschine nie erkannt werden können, weil es nicht möglich ist, DNA-Material von Angehörigen zu entnehmen.

Der spanische Innenminister Alfredo Perez Rubalcaba sagte, 86 Tote seien inzwischen identifiziert worden, und die meisten der noch ausstehenden Fälle würden in den nächsten Tagen abgeschlossen. "Wir arbeiten Tag und Nacht", sagte er dem Radiosender Cadena Ser. Kriminalbeamte hatten auch im Fall der aus Pullach stammenden Familie DNA-Spuren in deren Wohnung gesichert und nach Spanien übersandt. Die Identität der Opfer stehe nach einem Abgleich mit DNA-Spuren der Familie fest, teilte das Bayerische Landeskriminalamt am Montag in München mit.

Bei den Opfern handele es sich um die 50 und 38 Jahre alten Eltern und ihre acht und fünf Jahre alten Söhne. Zu einem möglichen fünften deutschen Opfer konnte das LKA keine Angaben machen.

Minister Rubalcaba sagte, der Prozess der Identifizierung dauere länger als erwartet. Die Schwierigkeiten bei der Identifizierung der Leichen sei besonders bei den ausländischen Opfern des Unglücks problematisch. Bei einem der Opfer handele es sich um ein im Ausland geborenes, adoptiertes Kind.

"El País" berichtet derweil, die Spanair-Maschine habe beim Start einen halben Kilometer mehr gebraucht als normal, um vom Boden abzuheben. Das Flugzeug vom Typ MD-82 stieg aber nur einige Meter hoch und stürzte in ein Flusstal.

jdl/dpa

insgesamt 703 Beiträge
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derreibert 21.08.2008
1. Gute Fluggesellschaften aussuchen, das minimiert das Risiko.
Zwar sind Fluglinien wie Quantas, Lufthansa, Air France o.ä. teurer als viele Billigkonkurrenten, doch fühle ich mich bei ihnen sicherer. Irgendwo muss das Geld ja eingespart werden, wenn Flüge durch halb Europa für wenige Euro angeboten werden. Bei dem Absturz einer Helios-Airways-Maschine 2005 und den vorangegangenen technischen Problemen dieser Fluglinie kam ans Licht, dass bei Ersatzteilen und Wartung gespart wurde. Bei Billig-Fliegern fühle ich mich NICHT sicher. Diese Spanische Fluglinie ist auch eine sehr günstige, doch ob dort an der falschen Stelle gespart wurde, können erst die Untersuchungen ans Tageslicht bringen.
Joachim Baum 21.08.2008
2.
Zitat von sysopDas Unglück in Madrid schockierte Reisende und die Flugbranche. Wie sicher fühlen Sie sich derzeit beim Fliegen?
Immer noch sicherer als im Auto, die Unfallstatistik gibt mir in meinem Gefühl sogar Recht.
fucus-wakame 21.08.2008
3. moderne Verkehrsmittel vermeiden
Man kann auf moderne Verkehrsmittel durchaus verzichten (Flugzeug, Auto, Bahn) und auch mal häufiger zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren. Also ein aktiver Beitrag zur Sicherheit.
Sackaboner 21.08.2008
4.
Betrachtet man die Geschichte der Flugzeugunglücke, dann ist unverständlich, wie der Start trotz Mängeln freigegeben werden konnte. Vor einigen Jahren gab es ein ähnliches Unglück mit einer Concorde, bei der auch ein Triebwerk brannte. Warum hat man nichts daraus gelernt und Kameras installiert, die den Piloten den Zustand der Triebwerke zeigen. Warum gibt es keine automatischen Feuerlöschanlagen in den Triebwerken? Bedarf es immer erst einer Katastrophe, damit augenscheinliche Mängel behoben werden?
deuterius 21.08.2008
5.
Zitat von fucus-wakameMan kann auf moderne Verkehrsmittel durchaus verzichten (Flugzeug, Auto, Bahn) und auch mal häufiger zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren. Also ein aktiver Beitrag zur Sicherheit.
Klar, wenn man im Dunstkreis seiner Behausung lebt. Arbeiten Sie ?
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