Unglücksflug von Madrid Experten streiten über mysteriösen Umkehrschub-Verdacht

Stürzte der Spanair-Flug 5022 ab, weil während des Starts der Umkehrschub aktiviert wurde? Spanische Fachleute wollen das nach einer ersten Begutachtung der Trümmerteile herausgefunden haben. Doch ein deutscher Experte hat äußerst deutliche Zweifel.


Hamburg - "Um den Umkehrschub auszulösen, muss ein spezieller Hebel betätigt werden. Das ist in einer Startphase völlig ausgeschlossen", sagte der Flugingenieur Jürgen Heermann, der 30 Jahre lang große Verkehrsflugzeuge flog. "Solange die Gashebel nach vorne gelegt sind, lässt sich der Hebel überhaupt nicht bewegen." Die spanische Zeitung "El Mundo" hatte berichtet, bei der Unglücksmaschine sei der Umkehrschub-Mechanismus aktiviert gewesen.

Für nicht ausgeschlossen hält es Heermann, dass der Hebel beim Aufprall in eine andere Stellung gebracht worden sein könnte. Das müsse in den weiteren Untersuchungen geklärt werden. Bevor Piloten den Umkehrschub auslösen, müssen nach den Worten des Experten auch vier Sicherungen unabhängig voneinander grünes Licht geben. Außerdem werde der Umkehrschub durch eine Lampe angezeigt.

Sollte dennoch durch einen technischen Defekt ein Triebwerk auf Umkehrschub mit Startleistung geschaltet sein, würde nach Ansicht Heermanns die Leistung des anderen Triebwerks nicht mehr für einen Start ausreichen.

Noch sei unklar, wie der Umkehrschub aktiviert wurde, schreibt auch "El Mundo". Der Mechanismus dient dazu, ein Flugzeug zu bremsen, und kann eigentlich nur eingeschaltet werden, wenn eine Maschine sich am Boden befindet.

Der zweistrahlige Jet der spanischen Fluggesellschaft Spanair war am vorigen Mittwoch unmittelbar nach dem Start auf dem Madrider Flughafen abgestürzt. Dabei kamen 154 Menschen ums Leben. 18 Insassen überlebten mit teilweise schweren Verletzungen.

Ein erster Überlebender konnte inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen werden. Dabei handelte es sich um einen sechsjährigen Jungen, der bei dem Unglück seine 16 Jahre alte Schwester verlor.

Rund die Hälfte der 154 Opfer der Flugzeugkatastrophe von Madrid ist identifiziert - Pathologen vor Ort fürchten jedoch, dass einige Insassen der Spanair-Maschine nie erkannt werden können, weil es nicht möglich ist, DNA-Material von Angehörigen zu entnehmen.

"El País" berichtet derweil, die Spanair-Maschine habe beim Start einen halben Kilometer mehr gebraucht als normal, um vom Boden abzuheben. Das Flugzeug vom Typ MD-82 stieg aber nur einige Meter hoch und stürzte in ein Flusstal.

jdl/dpa

insgesamt 703 Beiträge
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derreibert 21.08.2008
1. Gute Fluggesellschaften aussuchen, das minimiert das Risiko.
Zwar sind Fluglinien wie Quantas, Lufthansa, Air France o.ä. teurer als viele Billigkonkurrenten, doch fühle ich mich bei ihnen sicherer. Irgendwo muss das Geld ja eingespart werden, wenn Flüge durch halb Europa für wenige Euro angeboten werden. Bei dem Absturz einer Helios-Airways-Maschine 2005 und den vorangegangenen technischen Problemen dieser Fluglinie kam ans Licht, dass bei Ersatzteilen und Wartung gespart wurde. Bei Billig-Fliegern fühle ich mich NICHT sicher. Diese Spanische Fluglinie ist auch eine sehr günstige, doch ob dort an der falschen Stelle gespart wurde, können erst die Untersuchungen ans Tageslicht bringen.
Joachim Baum 21.08.2008
2.
Zitat von sysopDas Unglück in Madrid schockierte Reisende und die Flugbranche. Wie sicher fühlen Sie sich derzeit beim Fliegen?
Immer noch sicherer als im Auto, die Unfallstatistik gibt mir in meinem Gefühl sogar Recht.
fucus-wakame 21.08.2008
3. moderne Verkehrsmittel vermeiden
Man kann auf moderne Verkehrsmittel durchaus verzichten (Flugzeug, Auto, Bahn) und auch mal häufiger zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren. Also ein aktiver Beitrag zur Sicherheit.
Sackaboner 21.08.2008
4.
Betrachtet man die Geschichte der Flugzeugunglücke, dann ist unverständlich, wie der Start trotz Mängeln freigegeben werden konnte. Vor einigen Jahren gab es ein ähnliches Unglück mit einer Concorde, bei der auch ein Triebwerk brannte. Warum hat man nichts daraus gelernt und Kameras installiert, die den Piloten den Zustand der Triebwerke zeigen. Warum gibt es keine automatischen Feuerlöschanlagen in den Triebwerken? Bedarf es immer erst einer Katastrophe, damit augenscheinliche Mängel behoben werden?
deuterius 21.08.2008
5.
Zitat von fucus-wakameMan kann auf moderne Verkehrsmittel durchaus verzichten (Flugzeug, Auto, Bahn) und auch mal häufiger zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren. Also ein aktiver Beitrag zur Sicherheit.
Klar, wenn man im Dunstkreis seiner Behausung lebt. Arbeiten Sie ?
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