Notlandung auf Pazifikinsel "Wir alle beteten"

Mit einem kaputten Flugzeug auf einer einsamen Pazifikinsel stranden, das klingt wie in der Fernsehserie "Lost". Für 335 Passagiere eines United-Airlines-Fluges wurde es Realität.

United-Airlines-Boeing 777 (Archivbild): Probleme über dem Pazifik
REUTERS

United-Airlines-Boeing 777 (Archivbild): Probleme über dem Pazifik


Honolulu - Es müssen dramatische Minuten gewesen sein, an Bord desUnited-Airlines-Flugs 201 von Honolulu nach Guam. Die Maschine mit 335 Passagieren und 13 Besatzungsmitgliedern an Bord musste ihre Reise wegen technischer Probleme unterbrechen und zur Notlandung auf einem winzigen Eiland im Pazifik ansetzen. "Ich habe sofort angefangen zu beten", sagte Passagierin Teresita Smith dem hawaiianischen Fernsehsender KITV4. Man habe riechen können, dass etwas gebrannt habe. Die Boeing 777 sei zwischenzeitlich abgesackt.

Die Maschine ist vom selben Typ wie die des Malaysia-Airlines-Flugs MH370 - auch wenn man aus diesem Umstand zunächst keine weiteren Schlüsse ziehen sollte. Die 777 gilt als modernes und sicheres Flugzeug.

Der Vorfall ereignete sich bereits am Donnerstagabend (Ortszeit). Nach dem Auftreten der Probleme landete die Boeing 777 auf einem Flugfeld im Midway-Atoll. Amateuraufnahmen bei ABC zeigen die Maschine auf dem nächtlichen Rollfeld. Auf Twitter schrieb eine Reisende, die 40 Menschen auf der Insel hätten ihren Schlaf geopfert, um die überraschenden Gäste zu verpflegen.

Die gestrandeten Passagiere wurden in eine Turnhalle gebracht, wo sie auf Klappstühlen ausharrten - sieben Stunden lang, bevor ein anderes Flugzeug sie zum Ausgangsflughafen Honolulu zurückflog. Von dort aus konnten sie ihre Reise nach Guam fortsetzen, zunächst jedoch ohne ihr Gepäck.

Midway ist ein ausgesprochen abgelegenes Fleckchen Erde (siehe Karte unten): Die Inseln liegen nordwestlich von Hawaii und haben nur gut sechs Quadratkilometer Landfläche. Sie zählen zu den Außengebieten der USA. Im zweiten Weltkrieg waren sie strategisch wichtig: Die Schlacht um Midway zwischen den USA und Japan im Juni 1942 gilt als einer der Wendepunkte im Zweiten Weltkrieg. Ein halbes Jahr nach dem Überfall der Japaner auf Pearl Harbour siegten die USA.

Heute gibt es auf Midway nur eine seit 1996 aufgegebene Militärbasis, auf der vor allem Wissenschaftler leben - wegen der vielen Seevögel, Schildkröten und Robben auf der Insel.

"Ich dachte, das war gottgesandt, da kann nichts schiefgehen"

Was ist nun aber mit Flug United Airlines 201 passiert? Die Fluggesellschaft erklärte, es habe sich um ein "mechanisches Problem" gehandelt. Firmensprecherin Mary Clark bestätigte CNN, es habe einen Geruch in der Kabine des Flugzeugs gegeben. Weitere Details wollte sie nicht nennen. Die Untersuchungen dauerten noch an.

Detaillierter äußerten sich die Passagiere. "Der Kapitän sagte, dass es Rauch im Cockpit gebe und dass der Radar sowie andere elektronische Systeme ausgefallen seien, sodass sie landen müssten", sagte die Passagierin Karen von Merveldt-Guevara CNN. Sie habe würgen müssen. "Nach einer Turbulenz wurde es ganz still. Wir alle beteten", sagte sie.

Nach Aussage Clarks brachte ein anderer Flug die Passagiere nach Guam, wo sie am Samstag eintrafen. Ein Sprecher der Luftfahrtbehörde FAA bezeichnete gegenüber CNN den Geruch an Bord als "elektrischen Geruch" in der Kabine oder im Cockpit. Eine Sprecherin der Behörde erklärte am Sonntag auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, man habe noch keine neuen Erkenntnisse.

Passagierin Karen von Merveldt-Guevara sagte, die Reisenden seien schon vor dem Start in Honolulu auf einen ungewöhnlichen Geruch im Cockpit hingewiesen wurden. Einige seien daraufhin ausgestiegen. Sie habe sich entschieden, an Bord zu bleiben, weil sie mit Verwandten zu einem Familientreffen in Guam unterwegs war. Sie habe das Ticket als Geschenk in letzter Minute eine Woche vor dem Abflug erhalten. "Ich dachte, das war gottgesandt, da kann nichts schiefgehen", sagte sie.

Nach ABC-Informationen wurde die Maschine drei Stunden lang in Honolulu untersucht und habe dann eine Starterlaubnis erhalten. Nach fünf der acht Flugstunden seien dann die Probleme aufgetreten. Welche das genau waren, muss nun die Untersuchung klären.

chs/dpa



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insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
e_d_f 13.07.2014
1. Unnötige Panikmache!
Die Runway auf Midway hat eine Länge von 2400 Metern. Darauf sicher zu landen, ist absolut kein Problem. Nicht die Größe der Insel ist relevant, sondern die Länge der Landebahn. Und die ist absolut ausreichend. Wozu also die Panikmache?
Maler 13.07.2014
2. Schlimmster Luftzwischenfall seit der Malaysia 777
Wenn der Pilot meldet das es Rauch im Cockpit gibt und das Radar und mehr ausgefallen ist, dann war es sehr ernst. Vor zwei Jahren fiel eine ägyptische 777 einem Cockpitbrand zum Opfer (glücklicherweise am Boden), und was mit der malaysischen 777 geschah, darüber lässt sich nur spekulieren, ein ähnliches, langsam schleichendes Ereignis gehört zu den möglichen Ursachen. Auch wenn ein Brand überall passieren kann so sind technische Probleme über dem Ozean doch besonders in einer zweimotorigen Maschine immer ganz nah an einer Katastrophe.
largo25 13.07.2014
3. Vielleicht
Zitat von e_d_fDie Runway auf Midway hat eine Länge von 2400 Metern. Darauf sicher zu landen, ist absolut kein Problem. Nicht die Größe der Insel ist relevant, sondern die Länge der Landebahn. Und die ist absolut ausreichend. Wozu also die Panikmache?
Vielleicht wird diese Piste nicht mehr gepflegt und unterliegt mehr und mehr der "Pflege" der Natur ?
Saturn48 13.07.2014
4. Ich kann
e_d_f ( zu Punkt 1) nur zustimme und möchte noch hinzufügen die Flugsicherung wusste immerhin wo sich das Flugzeug befand. Und besser in einer trockenen Turnhalle sitzen als .......
NauMax 13.07.2014
5.
Zitat von MalerWenn der Pilot meldet das es Rauch im Cockpit gibt und das Radar und mehr ausgefallen ist, dann war es sehr ernst. Vor zwei Jahren fiel eine ägyptische 777 einem Cockpitbrand zum Opfer (glücklicherweise am Boden), und was mit der malaysischen 777 geschah, darüber lässt sich nur spekulieren, ein ähnliches, langsam schleichendes Ereignis gehört zu den möglichen Ursachen. Auch wenn ein Brand überall passieren kann so sind technische Probleme über dem Ozean doch besonders in einer zweimotorigen Maschine immer ganz nah an einer Katastrophe.
Haben sie einmal ein GE90 Triebwerk aus der Nähe gesehen? Die haben einen Durchmesser wie die Kabine eines Mittelstreckenfliegers. Das sind zurzeit die schubstärksten Triebwerke, die auf dem Markt erhältlich sind. Zum Thema "Sicherheit bei Übeseeflügen zweistrahliger Maschinen" empfehle ich außerdem den Konsum dieses Artikels: http://de.wikipedia.org/wiki/ETOPS
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