Hinter unserem Hotel, ein paar Schritte entfernt vom karibischen Sandstrand, lässt sich erleben, wie sich die Welt - sagen wir, auf den Malediven - wohl in absehbarer Zeit anfühlen wird. Ein halbes Dutzend Plastiktische steht hier, jeder mit zwei Schwingstühlen - allesamt im kniehohen, warmen Wasser. Die Frühstücksgelegenheit im Pool ist ein Service für extravagante Hotelgäste. Das Arrangement könnte aber auch von den Medienprofis bei Greenpeace inszeniert worden sein.
Auf dem Uno-Gipfel im mexikanischen Badeort Cancún verhandeln die Staaten der Welt zwei Wochen lang, wie sie die schlimmsten Folgen des Klimawandels noch abwenden können. Die Erwartungen an das Treffen sind extrem niedrig. Nach dem Fiasko vor einem Jahr in Kopenhagen traut sich niemand, auf einen neuen Vertrag zu hoffen. Während in der dänischen Hauptstadt noch die wichtigsten Staats- und Regierungschefs verhandelten, sind nach Cancún meist nur die zuständigen Minister gereist.
Doch bereits während der Gespräche zeichnet sich ab: Das Treffen könnte einen Erfolg bringen. Zu groß ist die Angst aller Beteiligten, wieder mit leeren Händen dazustehen. Vielleicht hilft auch die angenehme Umgebung in der palmengesäumten Anlage des Luxushotels Moon Palace, das mexikanische Essen an der frischen Luft in der Mittagspause, die Margaritas am Abend - wer weiß das schon.
Der Gipfel geht jedenfalls mit bestmöglichem Ergebnis zu Ende: In einer nervenaufreibenden Nachtsitzung einigen sich die Diplomaten. Nur Bolivien widerspricht, wird aber von der mexikanischen Gipfelpräsidentschaft kaltgestellt.
Der Abschluss von Cancún sorgt dafür, dass die Uno-Klimagespräche zumindest weitergehen können. Auf einigen Gebieten, zum Beispiel beim Urwaldschutz, gibt es sogar echte Fortschritte. Die Staaten der Welt wollen außerdem daran arbeiten, dass die Durchschnittstemperatur in der Atmosphäre bis zum Ende des Jahrhunderts um nicht mehr als zwei Grad steigt.
Doch wie das Ziel erreicht werden soll, ist noch immer nicht recht klar. Denn die konkreten Maßnahmen von Cancún werden nach Ansicht von Forschern zu einer Erwärmung von mehr als drei Grad führen - wenn sie denn überhaupt vollständig umgesetzt werden. Viel bleibt also noch zu entscheiden: Können sich die Industrieländer trotz Unmut in ihren Bevölkerungen zu ambitionierteren CO2-Reduktionszielen durchringen? Welchen Beitrag leisten schnell wachsende Staaten wie Indien oder China? Und woher sollen eigentlich die Milliardensummen kommen, die das Verhandlungsergebnis den Entwicklungsländern verspricht?
Im kommenden Jahr zieht der Treck der Klimadiplomaten und Aktivisten, der Journalisten und Wirtschaftsvertreter weiter nach Südafrika. Wenn in der Hafenstadt Durban verhandelt wird, müssen die Staaten ein paar wichtige Entscheidungen treffen, vor denen sie sich in Mexiko einmal mehr gedrückt haben. Auch der Malediven wegen.
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