Unruhen in der Silvesternacht Randalierer griffen Berliner Polizeiwache an

Chaos zum neuen Jahr: Die Beamten in einer Berliner Polizeiwache haben die Silvesternacht im Ausnahmezustand verbracht, als Randalierer aus einer Gruppe hunderter Menschen das Gebäude angriffen. In Hannover klaute ein Betrunkener einen Rettungswagen, in Hamburg explodierte ein Böller im Gesicht eines Mädchens.


Berlin/Hamburg - Chaotischer Jahresbeginn in Berlin: In der Silvesternacht Randalierer die Polizeiwache im Bezirk Prenzlauer Berg angegriffen. Erst hätten sie aus einer Gruppe von rund 500 Menschen in der Schönhauser Allee einen Polizeiwagen mit Feuerwerkskörpern beworfen und Fenster einer Straßenbahn zerstört, wie Polizeisprecher Frank Millert am Donnerstag in Berlin sagte. Die Gruppe sei später auf bis zu 1000 vor allem junger Menschen angewachsen. Die Nachrichtenagentur dpa hatte zunächst gemeldet, bis zu tausend Menschen hätten die Polizeiwache angegriffen, korrigierte die Angaben aber später.

Neujahrsnacht in Hamburg: Autonome neben einer brennenden Barrikade in der Hafenstraße
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Randalierer hatten allerdings laut Polizei versucht, durch ein zerstörtes Fenster eine Feuerwerksrakete in die Wache zu schießen. Diese blieb jedoch in den Sicherheitsfenstern hängen. Ein Polizist wurde durch umherfliegende Glassplitter verletzt, drei Fahrzeuge der Polizei beschädigt.

Die Beamten nahmen drei Menschen wegen versuchter schwerer Brandstiftung und schwerem Landfriedensbruch fest. Gegen 13 Menschen leitete sie Ermittlungsverfahren ein. Rund 200 Beamte waren im Einsatz.

In Berlin sind insgesamt 16 Fahrzeuge in der Silvesternacht durch Feuerwerkskörper in Brand geraten und teils stark beschädigt worden. Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, standen insgesamt zehn Autos, fünf Lastwagen und ein Motorrad in Flammen. Zwei Menschen verloren beim Hantieren mit Feuerwerkskörpern einen Finger.

Auch in Hamburg hatten die Ordnungshüter alle Hände voll zu tun: In der Hansestadt wurden wesentlich mehr Einsätze registriert als im Vorjahr, auch dort und in Leipzig wurde die Polizei von Jugendlichen und Randalieren angegriffen.

Im Hamburger Stadtteil St. Pauli griffen Demonstranten Feuerwehrleute an, die eine brennende Holzhütte löschen wollten. Die zu Hilfe geeilten Polizisten wurden von den etwa 150 Randalierern mit Flaschen, Steinen und Feuerwerkskörpern attackiert. Erst als Verstärkung eintraf, flüchteten die Vermummten. Eine 19 Jahre alte Frau wurde festgenommen. Drei Polizisten wurden verletzt, zwei Peterwagen beschädigt.

In Leipzig gab es ebenfalls Randale: Im Stadtteil Connewitz griffen rund 150 teils betrunkene Jugendliche Polizisten an. Bei mehreren Zwischenfällen in der Messestadt wurden sieben Ordnungshüter leicht verletzt. Insgesamt 64 Randalierer wurden festgenommen. Sie sollten nach und nach wieder auf freien Fuß kommen, sagte eine Sprecherin der Polizei am Donnerstag. Zudem wurden 70 Straftaten angezeigt, darunter Körperverletzungen oder Verstöße gegen das Waffen- und Betäubungsmittelgesetz. Insgesamt sei dies die Bilanz einer normalen Silvesternacht, sagte ein Sprecher des sächsischen Innenministeriums.

Viele Unfälle und ein betrunkener Autodieb

Ein besonders tragischer Unfall ereignete sich im Hamburger Stadtteil Bergedorf: Dort explodierte vor dem Gesicht eines zwölfjährigen Mädchens ein Böller. Das Kind, das bei einem früheren Unfall ein Auge verloren hatte, erlitt Verletzungen am gesunden Auge und Verbrennungen im Gesicht. Ein 22-Jähriger verlor im Schanzenviertel einen Teil des Ringfingers, weil ein Böller in seiner Hand explodiert war.

Im Hamburger Stadtteil Schnelsen versuchten ebenfalls rund 50 Chaoten, die Feuerwehr am Löschen brennender Container zu hindern. Erst ein massives Polizeiaufgebot konnte die Lage beruhigen. Ein Beamter wurde leicht verletzt.

In Barsinghausen bei Hannover hat ein betrunkener Gast einer Silvesterparty am Neujahrsmorgen einen mit laufendem Motor abgestellten Rettungswagen gestohlen. Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, hatte die Besatzung des Rettungsfahrzeugs ihr Auto kurz vor dem Festsaal abgestellt. Als sie zurückkam, war der Wagen weg. Die Polizei stoppte den 38 Jahre alten Autodieb wenig später. Laut Atem-Alkoholtestgerät hatte er 2,14 Promille intus. Er besaß keinen Führerschein.

In Frankreich brannten die Autos

In Frankreich haben Unruhen zum neuen Jahr traurige Tradition. In der Silvesternacht sind in mehreren Städten mindestens 445 Autos in Brand gesteckt worden. Das sind etwa 20 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Allein im Elsass wurden nach einer vorläufigen Bilanz etwa 50 Autos in Brand gesteckt.

Frankreich hatte die Zahl der Polizisten in der Silvesternacht auf 35.000 erhöht. Etwa 288 Menschen wurden von der Polizei vernommen, knapp 160 waren am 1. Januar noch in Polizeigewahrsam.

cpa/ffr/dpa



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