Unterstützung für Burma Helfer beklagen geringe Spendenbereitschaft der Deutschen

Die Zahl der Opfer nach dem Wirbelsturm in Burma steigt, das Leid im Land wächst - doch die Hilfsbereitschaft der Deutschen ist überschaubar. Die bisherigen Spenden seien viel zu gering, kritisieren Hilfsorganisationen - und suchen nach Erklärungen.


Berlin/Bangkok - Die Bereitschaft der Deutschen, für die Wirbelsturmopfer in Burma zu spenden, ist bisher gering. Das Spendenaufkommen sei nicht vergleichbar mit ähnlichen Katastrophenfällen, sagte der Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen (DZI), Burkhard Wilke, am Mittwoch dem Hörfunksender NDR Info. Grund seien Berichte darüber, dass die internationale Hilfe nicht ins Land gelassen werde. Das DZI, das ein Spendensiegel an mehr als 200 Hilfsorganisationen vergibt, rief die Deutschen dazu auf, seriösen Spendenaufrufen zu vertrauen.

Bei der Aktion Deutschland Hilft, einem Zusammenschluss von zehn Organisationen, gingen nach eigenen Angaben bislang insgesamt nur 250.000 Euro ein. Nach dem Tsunami im Dezember 2004 seien dagegen innerhalb von nur drei Tagen rund 3,6 Millionen Euro gespendet worden, sagte Janina Niemietz von dem Aktionsbündnis. "Wir rufen die Menschen deshalb ganz dringend zu weiteren Spenden auf."

Auch die anderen Hilfsorganisationen klagen nach einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" über die Zurückhaltung der Bundesbürger. So stünden die aktuell bei der Caritas eingegangenen Spenden von knapp 100.000 Euro "in keiner Relation" zur benötigten Hilfe, wird Achim Reinke von Caritas International zitiert. "Das reicht gerade mal für 1500 Zeltplanen." Bis zum Ende der Woche wolle man jedoch 50.000 Menschen erreichen. "Wir finanzieren das aus unseren Beständen." Auch die Organisation Ärzte ohne Grenzen klagt über das geringe Spendenaufkommen. Nur "mehrere tausend Euro" habe man bislang bekommen, sagte ein Sprecher. Beim Roten Kreuz waren es bis Dienstag erst 280.000 Euro Spendengeld.

Psychologe: Praktisch keine Identifikation mit den Opfern

Nach Meinung des Berliner Psychologen Peter Walschburger hat das Fehlen aufwühlender Bilder aus Burmas Katastrophenregionen die Spendenbereitschaft der Deutschen für die Opfer des Zyklons verhindert. "Was sich in Burma abgespielt hat, war wie ein kleiner Tsunami", sagte Walschburger. "Eine Identifikation mit den Opfern war aber ohne schnelle und authentische Bilder kaum möglich", ergänzte der Psychologe der Freien Universität Berlin.

Abstrakte Zahlen von Toten oder reine Texte könnten eine emotionale Betroffenheit nicht in dem Maße auslösen wie Bilder. Vorbehalte gegenüber dem dortigen Militärregime, das kaum Helfer in die betroffenen Regionen lässt, spielten bei der Zurückhaltung ebenfalls eine Rolle, sagte Walschburger.

Für eine generelle Spendenbereitschaft sei das aber nicht entscheidend. "Trotz der politischen Vorbehalte gegenüber China wird den dortigen Erdbebenopfern sicher mehr Hilfe aus Deutschland zukommen", mutmaßte der Professor. "Das liegt auch daran, dass es aus China sofort Bilder von Verschütteten und Helfern gab." Solche Bilder würden die Betroffenheitsschwelle überwinden und Mitgefühl anregen. Die wenigen und oft zensierten Bilder aus Burma reichten dafür nicht aus.

Hilfsorganisationen widersprechen Vorwurf der Untätigkeit

Die Hilfsorganisationen widersprachen dem Eindruck, die Hilfe komme nicht ins Land. "Unsere einheimischen Mitarbeiter waren ab dem ersten Tag im Einsatz", sagte Caritas-Sprecher Reinke. Sie hätten Leichen geborgen, Wasser gekauft, sowie Decken und Nahrungsmittel für die Überlebenden bereitgestellt. Niemietz vom Aktionsbündnis Deutschland Hilft betonte, allein das Hilfswerk Malteser habe seit dem Zyklon vor rund zwei Wochen mehr als 100.000 Euro für Hilfsmaterial und Lebensmittel ausgegeben.

Simone Pott, Sprecherin der Welthungerhilfe, sagte laut "Frankfurter Rundschau", ihre Organisation habe sofort Reis verteilen und Notunterkünfte errichten können. Anders als derzeit vermittelt, sei Burma für Helfer "kein Niemandsland". Ein gutes Dutzend ausländischer Organisationen sei dort seit Jahren tätig, die Welthungerhilfe beispielsweise seit 2002. Allerdings könnten die Helfer noch immer nicht mit voller Kraft arbeiten. "Die Regierung macht uns das Helfen nicht gerade leicht. Die Welthungerhilfe wäre in der Lage, noch viel mehr Menschen zu helfen, wenn die Arbeitsbedingungen vor Ort erleichtert würden."

Junta: Die Lage ist unter Kontrolle

Unterdessen hat die Militärregierung ihre Einschränkungen für internationale Helfer offenbar gelockert: Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) erklärte, zwei erfahrene Helfer hätten endlich Visa erhalten und könnten nun nach Burma reisen. Zwar seien die Informationen über die Lage dort sehr unterschiedlich. "Zumindest aber scheint sich die Situation in Burma für internationale Hilfe zu entspannen", erklärte der ASB.

Die Militärjunta des Landes versucht jedoch weiter den Eindruck zu erwecken, die Situation vor Ort kontrollieren zu können. Regierungschef General Thein Sein versicherte dem thailändischen Ministerpräsidenten Samak Sundaravej bei dessen Besuch in Rangun am Mittwoch, dass die Lage unter Kontrolle sei. Die Regierung habe die Hilfseinsätze im Griff. Die Junta habe ihm "garantiert", dass im Katastrophengebiet keine Krankheiten ausgebrochen seien, berichtete Samak bei seiner Rückkehr nach Bangkok. Auch leide niemand an Hunger. Thailand ist einer der wichtigsten Handelspartner des burmesischen Regimes.

EU-Entwicklungshilfekommissar Louis Michel ist in Rangun eingetroffen. Auch er wollte - wie zuvor der thailändische Regierungschef - darauf hinwirken, dass die Generäle Hilfe aus dem Ausland akzeptieren. Michel will in Burma mit Vertretern der Militärjunta zusammentreffen.

han/AFP/AP/dpa



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