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Unterwassercrash eines Atom-U-Boots: Karte falsch gelesen, Felsen gerammt

Die Dienstreise nahm ein jähes Ende: Der Kommandant eines britischen Atom-U-Boots hat die Navigationskarte falsch gelesen - da rummste die "HMS Superb" auch schon auf einen Felsen, berichtet der "Guardian". Jetzt muss sich der Offizier vor Gericht verantworten.

Britisches Atom-U-Boot "Vanguard": Ein anderes U-Boot der Flotte rammte einen Felsen Zur Großansicht
REUTERS

Britisches Atom-U-Boot "Vanguard": Ein anderes U-Boot der Flotte rammte einen Felsen

Er hatte es eilig, und in seiner Eile unterlief ihm ein folgenschwerer Fehler. Der Kommandeur des britischen atomgetriebenen U-Boots "HMS Superb", Steven Drysdale, wollte im Mai 2008 sein Ziel im Roten Meer erreichen und wies die Mannschaft an, das Boot tiefer und damit in kälteres Gewässer tauchen zu lassen, um schneller voranzukommen.

Allerdings ragte ein Hindernis vom Meeresgrund weitaus höher hinauf als vom Kommandanten erwartet: Die Spitze einer Gesteinsformation lag nicht in 723 Metern Tiefe, sondern in 123 Metern. Die "Superb" kollidierte, lief auf Grund, berichten die britischen Zeitungen "Guardian" und "Sun" übereinstimmend. Der Offizier der britischen Navy hatte demnach die Eins auf der Navigationskarte für eine Sieben gehalten.

Jetzt müssen sich Drysdale und zwei seiner Offiziere, die ebenfalls auf die Karte geschaut hatten, vor einem Militärgericht für den Fehler verantworten. Allerdings hieß es selbst vom Anklageführenden Offizier, dass es an Bord des U-Boots bereits vor dem Crash technische Probleme gegeben habe und dennoch Druck auf Drysdale ausgeübt worden sei, sein Ziel pünktlich zu erreichen, schreibt der "Guardian".

Massiver Schaden am U-Boot, aber keine Opfer

Nachdem das U-Boot das Hindernis gerammt hatte, kam es demnach fast augenblicklich zum Stillstand - innerhalb von Sekunden bremste es von 16 Knoten auf 3 Knoten ab. Der Crash richtete beträchtlichen Schaden am Boot an.

Vor dem Militärgericht hieß es weiter, dass es schwierig gewesen sei, die Höhenangabe genau zu erkennen, da der Kurs direkt durch das Hindernis gezeichnet worden war. Mittlerweile gebe es neue Vorschriften, denen zufolge alle Tiefenangaben bei einer Kursänderung noch einmal geprüft werden müssen.

Drysdales Verteidigerin sagte vor Gericht, ihr Mandant sei nach dem Unfall auf einen Schreibtischposten versetzt und eine Beförderung gestoppt worden. Sie sagte laut "Guardian" weiter, Drysdale habe 25 Jahre in der Royal Navy gedient und habe beim Kartenlesen diesen einen bedauerlichen Fehler gemacht, den er zutiefst bereue.

Die "HMS Superb", die 1976 in Dienst gestellt wurde, konnte trotz der Schäden aus eigener Kraft nach Großbritannien zurückkehren.

otr

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