Untreue Ehefrau Steinigung von Iranerin verschoben

Die Iranerin Sakineh Mohammadi Aschtiani soll ihren Ehemann betrogen haben und deshalb gesteinigt werden. Das Todesurteil wurde nun vorerst abgesagt. Es könne aber jederzeit vollstreckt werden, betonte die zuständige Behörde. Man werde sich von der internationalen Kritik nicht beeindrucken lassen.

Ein Demonstrant kämpft für Aschtianis Freiheit: Keine Steinigung! Keine Hinrichtungen!
AFP

Ein Demonstrant kämpft für Aschtianis Freiheit: Keine Steinigung! Keine Hinrichtungen!


Teheran - Die geplante Steinigung hatte bei zahlreichen Menschenrechtsorganisationen und Politikern in Europa und Amerika Entsetzen ausgelöst. Sie forderten die iranische Regierung auf, die Steinigung zu verhindern. Der britische Außenminister William Hague nannte Steinigungen "mittelalterlich" und "abstoßend". US-Außenministeriumssprecher Mark Toner bezeichnete die Hinrichtungsmethode als "barbarisch" und gleichbedeutend mit Folter. Auch viele Prominente setzten sich für die Freilassung der Iranerin ein, darunter die Schauspieler Colin Firth, Emma Thompson, Robert Redford und Lindsay Lohan, wie die Zeitung "The Times" berichtete.

Sakineh Mohammadi Aschtiani war 2006 der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zufolge im Mai 2006 zu 99 Peitschenhieben verurteilt worden, weil sie eine "unrechtmäßige Beziehung" zu zwei Männern gehabt haben soll. Während eines Prozesses im September desselben Jahres gegen einen Mann, der des Mordes an ihrem Ehemann beschuldigt wurde, wurde sie schließlich wegen Ehebruchs zum Tode verurteilt - obwohl sie ein entsprechendes Geständnis widerrufen hatte, weil es unter Zwang zustande gekommen sei. Ihr Anwalt, Mohammed Mostafaei, erklärte, die Angeklagte habe während des Verfahrens keinen Zugang zu einem Verteidiger erhalten.

Das Urteil gegen die 43-Jährige, Mutter zweier Kinder, werde fürs Erste nicht vollstreckt, erklärte die zuständige Justizbehörde am Sonntagabend laut einer Meldung der amtlichen iranischen Nachrichtenagentur Irna. Die Justiz könne aber jederzeit anders entscheiden und werde sich von der internationalen Kritik nicht beeindrucken lassen, hieß es in dem Bericht.

"Die Angriffe des Westens haben keinen Effekt auf die iranischen Richter"

Das Urteil gegen Aschtiani sei "endgültig", nur aus "humanitären Bedenken" werde es zunächst aber nicht umgesetzt, sagte auch Justizvertreter Malek Adschdar Scharifi. Sobald der Chef der iranischen Justizbehörden, Sadek Laridschani, es jedoch "für angebracht" halte, werde die Todesstrafe "ohne Rücksicht auf die Propaganda westlicher Medien" vollstreckt. Die Angriffe des Westens hätten "keinen Effekt" auf die Ansichten der iranischen Richter. Die Gesetze des im Iran geltenden islamischen Rechts, der Scharia, seien im Westen stets auf "empörte Feindseligkeit" gestoßen. Die iranische Justiz könne ihren Kurs nicht wegen Attacken aus dem Westen und Druck der Medien ändern, sagte Laridschani.

Bereits am Freitag hatte der Generalsekretär des iranischen Menschenrechtsrats, Mohammad Dschawad Laridschani, eine Überprüfung des Falls angekündigt.

Iranischen Medienberichten zufolge fand die letzte Steinigung im Iran im März 2009 statt. Ein des Ehebruchs beschuldigter Mann wurde demnach in einem Gefängnis der Stadt Rascht getötet. Im Dezember 2008 wurden in Maschhad im Nordosten des Landes zwei Männer wegen Ehebruchs von einer Menschenmenge zu Tode gesteinigt. Ein dritter Verurteilter konnte dabei dem Tod entkommen, indem er sich allein aus dem Erdloch befreite, in das er bis zur Taille eingebuddelt worden war. Damit rettete er sich der Tradition zufolge das Leben.

In den Jahren nach der iranischen Revolution 1979 waren Steinigungen weit verbreitet, inzwischen werden sie oft in andere Strafen umgewandelt.

jjc/apn/AFP



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