Unwetter in Deutschland Starkgewitter richten schwere Schäden an

Schlammlawinen, zerstörte Dächer, entwurzelte Bäume: Eine starke Gewitterfront hat schwere Schäden im Osten und Süden Deutschlands angerichtet. Bei einem Zugunglück im Rheintal wurden 14 Menschen verletzt.


Berlin - Eine Gewitterfront mit starkem Regen, Hagel und Sturmböen ist am Sonntagabend über Deutschland hinweggezogen und hat besonders in Bayern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und im Saarland schwere Schäden angerichtet. Mehrere Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt. Im oberfränkischen Forchheim wehte eine Böe eine 36-Jährige während der Fahrt von ihrem Motorrad herunter und verletzte sie leicht. Auf der Autobahn 14 nördlich von Halle schlossen Wasser- und Schlammmassen fünf Autos ein. Bei der Bergung wurde ein Mensch verletzt. Der Straßenabschnitt ist am Montagmorgen noch immer nicht befahrbar.

Auch die Autobahn 38 zwischen Bleicherode und Werther im Landkreis Nordhausen wurde überspült. Auf einem rund 600 Meter langen Abschnitt wurde am Sonntagabend Erde und Geröll von den angrenzenden Feldern auf die Fahrbahn gespült, wie die Polizei am Montag mitteilte. Die Fahrbahn musste zeitweise gesperrt werden.

Im Salzlandkreis südlich von Magdeburg deckte eine Windhose Dächer ab und entwurzelte Bäume. Die Feuerwehr musste zahlreiche Keller auspumpen. In einigen Orten seien mehr als drei Viertel der Häuser betroffen, teilte die Polizei mit. Den Angaben zufolge waren mehrere tausend Haushalte zeitweise ohne Strom. Für die betroffenen Menschen wurden Notunterkünfte eingerichtet.

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Hurrikan-Ausläufer: Schlamm, Hagel und Blitze über Deutschland
In Heusweiler nahe Saarbrücken stehen Straßen unter Wasser, Autos wurden weggespült. In Vorgärten türmten sich teils tischtennisgroße Hagelkörner auf. Auch in Berlin und Brandenburg sowie anderen Gebieten im Südwesten Deutschlands gewitterte es teils heftig.

Die nächste Unwetterfront ist bereits im Anmarsch: Ausläufer des einstigen Wirbelsturms "Katia" haben den Atlantik Richtung Osten überquert und könnten auch Deutschland treffen. Der britische Wetterdienst MetOffice rechnet damit, dass die Tiefdruckfront im Laufe des Montags das westliche Schottland erreichen wird. Eine Unwetterwarnung wurde herausgegeben, Windgeschwindigkeiten bis 115 km/h seien möglich.

Lokomotive und vier Waggons aus den Gleisen gesprungen

Schon am Sonntag hatte heftiger Regen bei St. Goar im Rheintal zu einem Zugunglück geführt. Geröll war ins Gleis gestürzt, ein Intercity mit etwa 800 Menschen an Bord entgleiste. Der Lokführer erlitt einen Oberschenkelbruch, zehn Fahrgäste und vier Zugbegleiter kamen mit leichten Verletzungen davon, wie ein Sprecher der Bundespolizei mitteilte. Zunächst war von sechs Verletzten die Rede gewesen.

Starker Regen hatte Schlamm, Sand und Gestein auf die Gleise in dem engen Rheintal zwischen St. Goar und Fellen gespült. Das Geröll ließ die Lokomotive und vier Waggons aus den Gleisen springen. Die Wagen stürzten aber nicht um. Der Stromabnehmer der Lok wurde beschädigt, ebenso mehrere Meter Gleise. Die Höhe des Schadens ist noch nicht abzuschätzen.

Die Fahrgäste wurden laut Polizei zunächst in der Rheinfelshalle in St. Goar untergebracht, wo sie auf ihre Weiterreise mit Bussen und Taxis warteten. Am frühen Montagmorgen hatten alle Reisenden ihre Heimfahrt angetreten, teilte die Polizei mit. Ein Großaufgebot von Feuerwehr, Polizei, Technischem Hilfswerk, Notfallseelsorgern und Rettungskräften war vor Ort - insgesamt fast 300 Helfer, die die Passagiere unter anderem mit Drehleitern aus dem Zug holten.

Nach Angaben der Deutschen Bahn wurde die linksrheinische Bahnstrecke zwischen Oberwesel und Boppard gesperrt und Züge über die rechte Seite umgeleitet. Auf dem gesperrten Stück wurde zudem ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. An umliegenden Bahnhöfen seien Mitarbeiter im Einsatz, um Reisende über die Einschränkungen zu informieren. Der Unglückszug war von Hamburg nach Stuttgart unterwegs gewesen.

Die Strecke bleibe voraussichtlich wenigstens die kommenden zwei Tage gesperrt, sagte der Sprecher der Bundespolizei. Der IC müsse nun von Spezialisten wieder ins Gleisbett gehoben werden. Dafür rückten am frühen Montagmorgen Spezialkräne an. Die Ermittlungen zur Unfallursache dauerten an. Auch Experten der Eisenbahn-Unfalluntersuchungsstelle reisten an.

Anmerkung der Redaktion: Die Unwetter am Sonntag über Deutschland waren keine Ausläufer des tropischen Wirbelstrorms "Katie", wie es zunächst in dieser Meldung hieß. Diese Ausläufer erreichen Europa erst an diesem Montag.

anr/dpa/dapd



insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
das_schwampel 12.09.2011
1. Boulevard-Spon
Das ist mal drollig. Bei SPON direkt große Headline. Man denkt die Welt sein untergegangen. In der Süddeutschen Online nur ein kleiner Bericht über die Zugentgleisung.
pj-hh 12.09.2011
2. wahnsinn
"In Vorgärten türmten sich teils tischtennisgroße Hagelkörner auf" Also Hagelkörner groß wie - Tischtennisplatten - Tischtennisschläger - Tischtennisspieler - Tischtennisbälle ? kaum vorstellbar!
digidigi 12.09.2011
3. Gewitter allein reicht heutzutage nicht mehr
es muss dann schon ein Starkgewitter sein. Alles andre wäre ja gar nicht berichtenswert für SPON. Was kommt eigentlich danach? Gewitter, Starkgewitter, UnglaublichBritzelBummgewitter oder was?
Das Grauen 12.09.2011
4. "Starkgewitter"?
Gibt's das Wort wirklich? Ok, 3200 Treffer bei Google, aber irgendwie klingt's merkwürdig. Will ja hier nicht die Sprachpolizei (30000 Google Hits) spielen, bin nur irritiert. Hoffentlich bleiben wir Spiegel-Leser wenigstens vor Schwachgewittern (4 mal bei Google) verschont....
Grestorn 12.09.2011
5. Kritik
Zitat von das_schwampelDas ist mal drollig. Bei SPON direkt große Headline. Man denkt die Welt sein untergegangen. In der Süddeutschen Online nur ein kleiner Bericht über die Zugentgleisung.
Über was sich die Leute aufregen können... Wenn ich mir die Bilder ansehe und den Text lese, scheint die Headline "Starkgewitter richten schwere Schäden an" absolut gerechtfertigt zu sein. Manchmal habe ich den Eindruck hier schreiben viele Leute die bei der Konkuerenz von SPON angestellt sind mit dem einzigen Ziel, dem Ruf von SPON zu schaden.
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