Unwetter Schulkinder eingeschlossen - Katastrophenalarm in Niederbayern

Der Landkreis Rottal-Inn in Niederbayern hat Katastrophenalarm ausgerufen. In Triftern wurde der Ortskern überspült. Hunderte Kinder harren in der abgeschnittenen Schule aus.

DPA/ PNP

Nach schweren Unwettern wurde in Niederbayern Katastrophenalarm ausgerufen. Anhaltender Dauerregen führte im Landkreis Rottal-Inn zu Überschwemmungen. Besonders schwer traf es die Orte Triftern bei Pfarrkirchen, Simbach am Inn und die Gemeinde Tann. In Triftern sind Zufahrtsstraßen und Brücken überschwemmt. Der Altbach hat den Ortskern überspült. Rettungshubschrauber sind im Einsatz, um eingeschlossene Menschen zu retten. Nach Polizeiangaben wurden in dem Ort Menschen mit Hubschraubern von Hausdächern gerettet.

In Simbach musste die Polizeidienststelle evakuiert werden. Auch eine Asylbewerberunterkunft wurde nach Auskunft des Landratsamtes geräumt. Von der Stärke der andauernden Regenfälle wurde die Behörde nach eigenen Angaben überrascht. "Mit dieser Wucht hat wohl niemand gerechnet", sagte der Sprecher des Landratsamtes. Lastwagenfahrer waren, nach Angaben von Rettungskräften, auf die Dächer ihrer Fahrzeuge geklettert, um den Fluten zu entkommen. Am Grenzübergang zum österreichischen Braunau wurde eine Brücke unterspült. Das Wasser riss Autos mit sich.

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Facebook/Wolfgang Staudacher

"Die Situation hat sich in den letzten Stunden dramatisch zugespitzt", sagte am Nachmittag auch der Bürgermeister von Triftern, Walter Czech. Allein im benachbarten Pfarrkirchen fielen innerhalb von sechs Stunden 32 Liter Regen pro Quadratmeter. Von den Wassermassen sind auch die Schule und die beiden Kindergärten des Ortes betroffen. Etwa 250 Schulkinder seien noch in ihren Klassen, sagte Czech. Das Gebäude, das auf einem Berg liegt, sei schwer zu erreichen, erklärte der Bürgermeister.

"Vielleicht müssen die Kinder die Nacht in der Turnhalle verbringen, weil die Zufahrtswege nicht passierbar sind", sagte Czech. Verletzte habe es bis jetzt nicht gegeben. Neben zahlreichen Feuerwehren ist auch die Wasserwacht im Einsatz. "Alles, was wir verfügbar haben, ist im Einsatz", heißt es vom Polizeipräsidium Niederbayern. Auch von den Grenzübergängen seien Polizisten abgezogen worden. Auf österreichischer Seite herrsche ebenfalls Alarmbereitschaft.

Im niederbayerischen Regen überraschte das Unwetter eine Schulklasse während eines Bootsausflugs. 20 Kinder strandeten auf einer Insel und mussten gerettet werden. Ein Mädchen erlitt einen Schock, ein anderes eine Unterkühlung. Auch in Hannover und Leipzig fielen starke Regengüsse. Der Deutsche Wetterdienst warnte vor neuen Gewittern, Starkregen und Hagel im Osten. Auch in Rheinland-Pfalz sei in den kommenden Tagen mit weiterem Regen zu rechnen.

Erst in der Nacht zum Montag wütete ein Unwetter, bei dem Wassermassen vor allem in Mittelfranken mehrere Orte überfluteten. Besonders die Menschen in Braunsbach waren mit schweren Zerstörungen durch die Naturgewalten konfrontiert, die über den kleinen Ort hereinbrachen.

Bayerns Finanzminister Markus Söder versprach unterdessen in einem Gespräch mit der "Passauer Neuen Presse", man werde "schnell und unbürokratisch" bei der Beseitigung der Schäden helfen. Das Landratsamt Rottal-Inn rechnet mit Schäden im zweistelligen Millionenbereich.

cne/dpa



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