Unwetter Sieben Tote bei Gewittersturm

Es war das schwerste Unwetter seit Jahrzehnten in Berlin und Brandenburg. Am Mittwochabend kamen sieben Menschen ums Leben, darunter zwei Kinder.


Unwetter in Berlin: Schäden wie nach einer Straßenschlacht
DPA

Unwetter in Berlin: Schäden wie nach einer Straßenschlacht

Berlin - Bei dem stürmischen Gewitter sind in Berlin und Brandenburg nach Polizeiangaben sieben Menschen getötet worden. Es gab zahlreiche Verletzte. Wegen umgestürzter Bäume, blockierter Fahrwege und Schienen, Überflutungen sowie brennender Dachstühle waren Polizei, Feuerwehr und andere Rettungskräfte - auch in anderen Teilen Deutschlands - von Mittwochabend bis zum Donnerstagmorgen im Großeinsatz. Es entstand Sachschaden in Millionenhöhe. Orkanböen von bis zu 152 Kilometern pro Stunde fegten über Deutschland gemessen.

Auf einem Jugendzeltplatz auf der Berliner Wannsee-Insel Schwanenwerder wurden zwei Jungen von umgestürzten Bäumen erschlagen. 13 Kinder, Jugendliche und Erwachsene wurden verletzt. In Berlin-Pankow und in Reinickendorf wurden zwei Männer von umstürzenden Bäumen getötet. Im Land Brandenburg starb ein 18-Jähriger unter einem eingestürzten Laubendach. Bei Seelow und bei Storkow wurden eine 25 Jahre alte Autofahrerin und ein 45 Jahre alter Mann ebenfalls von Bäumen erschlagen. Drei Menschen wurden verletzt.

Nach einer ersten Bilanz knickten in Berlin bis Mitternacht fast 1150 Bäume um. Die Feuerwehr registrierte bis dahin 2076 Einsätze. Vier Personen waren von Bäumen eingeklemmt worden und mussten befreit werden. Der Bahn- und der S-Bahnverkehr sowie Abschnitte der Stadtautobahn wurden durch umgefallene Baumstämme beeinträchtigt. Auf dem Airport Tegel wurde der Flugverkehr für eine halbe Stunde eingestellt. Eine Maschine der Fluglinie Crossair musste auf einem ehemaligen sowjetischen Militärflughafen in Brandenburg notlanden - die Passagiere kamen mit dem Schrecken davon.

In Mecklenburg-Vorpommern wurden hunderte Bäume entwurzelt, zahlreiche Dachböden und und über 100 Autos zerstört. Herabstürzende Äste verletzten vier Menschen. Blitzschläge und umfallende Stromleitungen entzündeten mehrere kleine Brände. Auch der Greifswalder Dom habe nach einem Blitz Feuer gefangen, teilte die Polizei mit.

Dramatische Wetterlage

Kurfürstendamm: Windböen von 150 Kilometern pro Stunde
REUTERS

Kurfürstendamm: Windböen von 150 Kilometern pro Stunde

Während die Menschen in Berlin und in der Lausitz am Mittwochnachmittag bei Werten zwischen 31 und 35 Grad geschwitzt hatten, sanken die Temperaturen in Kassel nach Gewittern binnen einer Stunde von 25 auf 17 Grad. In Köln erreichten die Werte sogar nur noch 13 Grad. Meteorologen maßen im Abstand von nur wenigen hundert Kilometern an deutschen Messstationen die größten Luftdruckunterschiede seit Jahrzehnten. Zwischen Hessen und Berlin habe ein Temperaturunterschied von 19 Grad bestanden.

Tragischer Ausgang eines Ausflugs

Bei den beiden Jugendlichen in Berlin, die von Bäumen erschlagen wurden, handelt es sich um einen 15 Jahre alten Jungen aus Frankfurt am Main und einen Zwölfjährigen aus Berlin-Müggelheim, teilte der Berliner Landesbranddirektor Albrecht Broemme am frühen Donnerstagmorgen vor der Presse mit. Im Zeltlager auf der idyllischen Insel Schwanenwerder stürzten acht Bäume um. Zwei davon begruben die Jungen unter sich, die aus unbekannten Gründen noch in ihrem Zelt waren.

Die beiden getöteten Jungen seien Mitglieder der Jugendfeuerwehr gewesen. Spürhunde suchten in der Nacht weiter die Insel ab. Laut Broemme wurden aber keine weiteren Opfer vermutet. Zu den 13 Verletzten zählen Kinder, Jugendliche und Betreuer. Keiner schwebe in Lebensgefahr.

Kinder in Booten evakuiert

Die anderen rund hundert Kinder und Jugendlichen in dem Zeltlager hätten sich zu dem Zeitpunkt bereits zum oberen ungefährdeten Teil der Insel begeben. Die Zufahrt zur Insel war bis kurz vor Mitternacht wegen umgestürzter Bäume unpassierbar. Die Feuerwehr hatte deshalb die verletzten Kinder mit Booten evakuiert.

Noch am Nachmittag hatten amerikanische Kinder, die am 11. September ein Elternteil verloren hatten, das Zeltlager auf Schwanenwerder besucht, jedoch eine halbe Stunde vor Beginn des Sturms die Insel wieder verlassen.

Über dem Wannsee wurden während der Unglückszeit Orkanböen mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 152 Stundenkilometern gemessen.



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