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Unwetter über Deutschland: Windhose tobte am Niederrhein

Über Deutschland sind in der Nacht erneut schwere Unwetter hinweggezogen. Teils gab es sintflutartige Wolkenbrüche, teils fegten heftige Stürme über das Land. Am Niederrhein verursachte eine Windhose Millionenschäden.

Beschädigtes Auto in der Duisburger Innenstadt
DDP

Beschädigtes Auto in der Duisburger Innenstadt

Duisburg/Düsseldorf - Wie die Polizei in der Nacht mitteilte, hinterließ der Tornado in Duisburg, Oberhausen und Essen eine Spur der Verwüstung. Das gesamte Ausmaß der Schäden sei allerdings noch nicht abzusehen, da Polizei und Feuerwehr noch im Einsatz sind. Am stärksten betroffen war das Zentrum von Duisburg und der Hafen sowie Duisburg-Rumeln und Rheinhausen. Nach bisherigen Erkenntnissen sind vier Personen leicht verletzt worden, drei davon in Oberhausen und eine Person in Duisburg.

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Unwetter: Windhose tobte am Niederrhein

In der ganzen Region sind zahlreiche Häuser abgedeckt und Bäume entwurzelt worden. "Unzählige" Autos sind beschädigt und viele Keller voll Wasser gelaufen. Im Parallelhafen Duisburg stürzte ein Bagger auf ein Motorschiff. Bei einer Tankfirma wurde ein Teil der Umschlagsanlage in Mitleidenschaft gezogen. Gefährliche Güter wurden aber nicht freigesetzt. Zudem wehte der Sturm zwei Container ins Hafenbecken. Sie stünden hochkant im Wasser und könnten nicht wegtreiben.

Totalschaden in der Duisburger City: Szenen wie bei "Twister"
AP

Totalschaden in der Duisburger City: Szenen wie bei "Twister"

Allein bei der Duisburger Polizei gingen 264 Notrufe ein. 52 Mal rückte die Polizei sturmbedingt zu Einsätzen aus. Die Feuerwehr hatte allerdings "ein Vielfaches" an Einsätzen zu absolvieren, die noch andauerten. Viele Anrufer sagten, sie fühlten sich an den Katastrophenfilm "Twister" erinnert.

Die Windhose zog von Duisburg-Rumeln über Rheinhausen in Richtung Moers. Dann kehrte sie über die A 40, das Duisburger Zentrum und den Norden der Stadt bis in den Bereich Oberhausen zurück. Das Unwetter dauerte etwa 20 Minuten bis eine halbe Stunde. Die ersten Schäden seien aus der Bevölkerung kurz nach 21 Uhr gemeldet worden.

Hagelsturm bei Gießen

Auch in anderen Teilen Deutschlands stürmte es und sintflutartiger Regen ging nieder. Der Deutsche Wetterdienst berichtete auf Anfrage in Offenbach von einer Gewitterfront, die wie schon am Samstagabend von West nach Ost gezogen sei. Starken Regen meldeten die Meteorologen am Abend unter anderem aus Thüringen, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. In der Nähe von Gießen habe es am gestrigen Nachmittag sogar gehagelt.

Gestern Abend überschwemmten die Unwetter im südlichen und östlichen Niedersachsen, in Teilen Sachsen-Anhalts und ums hessische Fulda herum Fahrbahnen und Keller und ließen Bäume umstürzen. Einige Straßen wurden vorübergehend gesperrt. Im Harz musste die Feuerwehr zahlreiche Einsätze fahren. "Es war ziemlich heftig", sagte ein Polizist in Halberstadt.

Bereits in der Nacht zum Samstag hatten heftige Gewitter in Teilen Deutschlands und auch der Schweiz erhebliche Schäden angerichtet. Laut Vorhersage der Meteorologen ziehen auch heute teils schwere Gewitter mit Starkregen, Hagel und Orkanböen von West nach Ost über Deutschland. Auch morgen und am Mittwoch kann es noch vereinzelt Gewitter geben. Erst am Donnerstag soll sich das Wetter beruhigen.

In Schweizer Kantonen richteten Regenfälle und Hagel Millionenschäden an. Auf einem Campingplatz am Neuenburgersee stürzten Bäume auf Zelte und Wohnmobile - vier Menschen wurden verletzt. In Herisau im Kanton Appenzell Ausserrhoden entgleiste ein Zug, weil ein Erdrutsch das Bahngleis verschüttet hatte. Die fünf Passagiere und der Zugführer blieben unverletzt.

In Belgien wurde dagegen ein Mann, der unter einem Baum Schutz gesucht hatte, vom Blitz erschlagen. Im Küstenort Seebrügge riss eine Sturmböe ein Restaurantzelt des Sandskulpturenfestivals fort. Fünf Menschen wurden verletzt, einer von ihnen schwer. Die Küstenwache suchte nach Yachten und mehreren Segelbooten, die an einer Regatta vor Knokke-Heist teilnahmen und kenterten. Menschen kamen nicht zu Schaden.

In Menslage nahe Osnabrück wurde durch den starken Regen ein Zeltlager mit 130 Kindern aus einer Kirchengemeinde in Georgsmarienhütte überschwemmt. Die Kinder und ihre 30 Betreuer verbrachten die Nacht in Mehrzweckhallen. Vier Kinder und eine Betreuerin kamen wegen Erschöpfung in ein Krankenhaus, wie der Pastor der Gemeinde berichtete. Ernsthaft verletzt worden sei aber niemand.

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